Revolut erwägt einen Börsengang gleichzeitig in New York und London. Laut Gründer soll das Heimatnähe sichern und den Zugang zum bevorzugten US-Markt vertiefen.
Das wertvollste Privatunternehmen Großbritanniens hat klargestellt, an welchen Börsen es seine Aktien platzieren will.
Nik Storonsky, Gründer und CEO von Revolut, sagte der französischen Zeitung Les Echos am Donnerstag, der Konzern prüfe ein Doppel-Listing an der London Stock Exchange und an der Nasdaq. Damit bestätigte er frühere Medienberichte.
Eine Sprecherin von Revolut bestätigte diese Angaben gegenüber Euronews.
Die USA bleiben Storonskys bevorzugter Markt. Er begründete das offen: „Es ist ein größerer Markt. Dort gibt es institutionelle Anleger, Hedgefonds, Fondsmanager und eine beträchtliche Zahl privater Investoren.“
„Wir haben also die Wahl: Entweder wir verkaufen in einem kleinen Markt mit wenigen Käufern oder in einem riesigen Markt mit sehr vielen Käufern, die heftig um unsere Aktien konkurrieren“, so Storonsky weiter.
Diese Töne fallen deutlich moderater aus.
Der Revolut-Chef hatte im Jahr 2024 noch erklärt, die London Stock Exchange könne mit den US-Börsen nicht mithalten. Er verwies auf die geringe Liquidität und die britische Stempelsteuer von 0,5 Prozent auf Aktienkäufe und schien einen Börsengang in der Heimat vollständig auszuschließen.
Die Londoner Börse erlebt seit Längerem eine Flaute bei Neuemissionen. Viele Unternehmen bleiben privat oder ziehen in die USA. So hat der Zahlungsdienstleister Wise seine Hauptnotierung in diesem Jahr nach New York verlegt, und der Pharmakonzern AstraZeneca baut seine Präsenz in den USA weiter aus.
Ein Börsengang von Revolut mit einer Bewertung nahe dem aktuellen Niveau würde das Unternehmen zu einem der größten börsennotierten Konzerne Großbritanniens machen – mit einem möglichen Wert über Barclays oder NatWest.
Eine im Juli durchgeführte Platzierung bestehender Aktien bewertete das Unternehmen mit rund 115 Milliarden US-Dollar (100 Milliarden Euro), nach 75 Milliarden US-Dollar (65 Milliarden Euro) im November.
Börsengang: Termin steht noch nicht fest
Auf die Frage von Euronews nach internen Überlegungen zum Zeitplan für den Börsengang wollte die Sprecherin nicht eingehen. Sie verwies jedoch auf ein Interview mit Bloomberg vom April, in dem der Revolut-CEO sagte: „In zwei Jahren, aber das hängt davon ab, wie gut der Markt ist.“
Fortschritte hat Revolut bereits gemacht. Das Unternehmen hat in diesem Jahr intensiv an den regulatorischen Grundlagen gearbeitet, die ein Börsengang erfordert.
Im März erhielt die Neobank nach langer Wartezeit eine vollwertige britische Banklizenz, für die Verzögerung machte Storonsky öffentlich die Aufsichtsbehörden verantwortlich. Im August folgte eine Lizenz in Frankreich, in diesem Monat kam eine vorläufige Genehmigung für eine nationale Banklizenz in den USA hinzu. Am Mittwoch teilte Revolut zudem mit, es habe eine Schweizer Lizenz beantragt und plane dort Investitionen von mehr als 150 Millionen Schweizer Franken (158 Millionen Euro).
Revolut hat bislang nicht festgelegt, wo die Hauptnotierung erfolgen soll, ob beide Listings zeitgleich starten und wann die formellen Vorbereitungen anlaufen.