Die Islamische Republik Iran zieht sich wenige Tage vor Eröffnung der Biennale Venedig zweitausendsechsundzwanzig zurück. Die Sorge vor neuer Gewalt im Nahen Osten bleibt groß.
Der Iran hat seine Beteiligung an der diesjährigen Biennale von Venedig nur wenige Tage vor der öffentlichen Eröffnung an diesem Wochenende beendet.
In einer kurzen Mitteilung auf der Website der Ausstellung heißt es: „Im Zusammenhang mit den nationalen Beteiligungen an der 61. Internationalen Kunstausstellung, In Minor Keys von Koyo Kouoh (neunten Mai bis zweiundzwanzigsten November), wurde bekannt gegeben, dass die Islamische Republik Iran nicht teilnehmen wird.“
Ein Grund für den Rückzug wurde bislang nicht genannt.
Für viele kommt diese Nachricht kaum überraschend. Im Nahen Osten bleiben die Spannungen hoch. Hintergrund ist der Krieg, den die Vereinigten Staaten und Israel gegen Teheran führen.
Seit fast einem Monat gilt zwar eine fragile Waffenruhe. Dennoch kommt es fast täglich zu Drohungen und Zwischenfällen. Internationale Schiffe und Tanker stecken weiterhin in und um die Straße von Hormus fest.
Vorwürfe und Absagen
Die diesjährige Ausgabe ist bereits von dem tragischen plötzlichen Tod ihrer Kuratorin Koyo Kouoh und der umstrittenen Entscheidung der Organisatoren geprägt, Russland und Israel zur Teilnahme einzuladen.
Als Reaktion darauf trat die gesamte Jury in der vergangenen Woche geschlossen zurück. Sie hatte angekündigt, Beiträge aus Ländern nicht zu berücksichtigen, deren Staats- und Regierungschefs wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit internationalen Haftbefehlen belegt sind.
Ohne Jury werden die beiden wichtigsten Goldenen Löwen – für den besten nationalen Pavillon und für die beste Künstlerin oder den besten Künstler – nun durch eine öffentliche Abstimmung vergeben. Die Preisverleihung soll deshalb erst im November und nicht mehr in diesem Monat stattfinden.