Die Liga für Menschenrechte und die CGT-Spectacle verurteilen Canal+. Der Sender diskriminiere wegen politischer und gewerkschaftlicher Kritik nach Saadas Nein zur Finanzierung der Anti-Bolloré-Unterzeichner.
Die französische Menschenrechtsorganisation Ligue des droits de l’Homme (LDH) und die Kulturgewerkschaft CGT Spectacle ziehen gegen den Fernsehsender Canal+ vor Gericht. Sie werfen dem Unternehmen vor, Filmschaffende zu benachteiligen, die einen offenen Brief gegen den Einfluss des konservativen Medienmoguls Vincent Bolloré unterschrieben haben.
Hintergrund ist ein Streit um den wachsenden Einfluss des rechten Milliadärs Bolloré auf die französische Medien- und Filmbranche. Zu seinem Konzern gehören Fernsehsender, Verlage, Produktionsfirmen und Vertriebsunternehmen. Besonders Canal+ spielt dabei eine zentrale Rolle, weil der Sender zu den wichtigsten Geldgebern des französischen Kinos zählt. Wer dort keinen Zugang mehr bekommt, hat es in der Branche deutlich schwerer.
Auslöser der Klage waren Aussagen von Canal+-Chef Maxime Saada während der Filmfestspiele in Cannes. Er hatte erklärt, nicht mehr mit Personen zusammenarbeiten zu wollen, die Canal+ als "krypto-faschistisch" bezeichnet hätten. Kritiker sehen darin einen Versuch, oppositionelle Stimmen in der Filmbranche unter Druck zu setzen.
Die LDH und CGT Spectacle sprechen deshalb von politischer Diskriminierung und wollen gerichtlich erreichen, dass die Entscheidung rückgängig gemacht wird. Außerdem fordern sie unabhängige Kontrollen möglicher Benachteiligungen innerhalb des Konzerns.
Die Debatte wird inzwischen auch international aufmerksam verfolgt. Unterstützt wird die Protestbewegung "Zapper Bolloré", was auf Deutsch "Bolloré wegzappen" bedeutet, unter anderem von Javier Bardem und Ken Loach. Kritiker warnen vor einer zunehmenden Konzentration von Medienmacht und politischem Einfluss in Frankreichs Kulturbranche.