Gegen den 67-jährigen Schauspieler und Sänger laufen immer mehr Anzeigen wegen Vergewaltigung und Übergriffen. Mehrere französische Bürgermeister hatten ihn aufgefordert, in ihren Städten nicht aufzutreten; drei Dezember-Konzerte in Québec sagte man am 19. Mai ab.
Der Ärger in den Rathäusern und von Feministinnen unterbrochene Vorstellungen, dazu eine wachsende Empörung in den sozialen Netzwerken – am Ende setzte sich dieser Druck durch.
Die Produktionsfirma von Patrick Bruel, 14 Productions, kündigte am Freitagabend, dem 29. Mai, die Absage der Konzerte des Sängers an. Gegen ihn liegen mehrere Anzeigen wegen sexualisierter Gewalt vor. Betroffen sind Auftritte in diesem Sommer in Paris und auf verschiedenen Festivals.
„Mehrere Festivalveranstalter“, bei denen Patrick Bruel auftreten sollte, „haben berichtet, unter Druck zu stehen und ihre Veranstaltungen nicht mehr in Ruhe vorbereiten zu können“, heißt es in der von dem Künstler geleiteten Produktionsfirma in einer Mitteilung. Man wolle „weder die Veranstalter noch das Publikum einem Klima der Spannung aussetzen“.
„Aus Gründen der Deeskalation und Verantwortung trifft Patrick Bruel daher in Absprache mit den Festivalveranstaltern die Entscheidung, die von Juni bis September geplanten Konzerte abzusagen.“
Auch seine drei Konzerte, die vom 16. bis 18. Juni im Cirque d'Hiver in Paris geplant waren, wurden gestrichen. Die nächsten Termine seiner Tournee im Oktober und November bleiben vorerst bestehen.
Patrick Bruel wird derzeit weiterhin am 3. Oktober in Laval (Mayenne), am 18. Oktober in Petit-Quevilly (Seine-Maritime), am 19. Oktober in Caen (Calvados), am 7. November in Nantes (Loire-Atlantique), am 11. November in Brest (Finistère) und am 12. November in Angers (Maine-et-Loire) erwartet.
Eine Petition feministischer Verbände, die die Absage seiner Tournee fordern, hatte zuvor mehr als 47 000 Unterschriften (Quelle auf Französisch) gesammelt.
Mehrere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, darunter die Stadtoberhäupter von Paris und Marseille, hatten ihn zudem aufgefordert, auf Auftritte in ihren Städten zu verzichten. In den meisten Städten gehören die Hallen jedoch privaten Betreibern, die Rathäuser haben daher „keinen Einfluss auf die Programmgestaltung von Konzerten oder Festivals“, erläutert L'Obs (Quelle auf Französisch).
Die ersten geplanten Auslandsauftritte des Sängers – in Québec, der Schweiz und in Belgien – haben die Veranstalter hingegen direkt abgesagt.
Der Sänger und Schauspieler hat zudem beschlossen, nicht mehr an den nächsten Benefizshows der Enfoirés zugunsten der Restos du cœur teilzunehmen. Das ist bemerkenswert, weil dieses Künstlerkollektiv in der Öffentlichkeit großes Ansehen genießt und Bruel mit 33 Teilnahmen der am häufigsten eingeladene Künstler bei den Tourneen der berühmten Show ist, die auf TF1 ausgestrahlt wird.
Am Donnerstag, dem 21. Mai, erklärte die für die Gleichstellung von Frauen und Männern zuständige Ministerin Aurore Bergé bei RTL, der Künstler müsse selbst entscheiden, ob er weiter auf der Bühne stehen wolle, und betonte das individuelle Recht, hinzugehen oder fernzubleiben.
Schließlich traf der Moderator und Produzent Nagui – wie zuvor schon bei Slimane, Bertrand Cantat oder Jean-Luc Lahaye, denen ebenfalls Gewalttaten vorgeworfen werden – die Entscheidung, die Werke von Patrick Bruel aus dem Katalog seiner Sendung 'N'oubliez pas les paroles' auf France 2 zu streichen, berichtete Le Parisien (Quelle auf Französisch) an diesem Donnerstag, dem 28. Mai.
Der Radiosender RFM, der zum Lagardère-Konzern und damit zum Einflussbereich von Vincent Bolloré gehört, sendet seinerseits keine Lieder des Interpreten von 'Casser la voix' mehr.
Gegen den 67-jährigen Patrick Bruel liegen in Frankreich mindestens acht Anzeigen wegen sexueller Übergriffe vor, und in Belgien läuft eine weitere Untersuchung wegen sexueller Gewalt. Er weist alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Zu den Frauen, die ihn beschuldigen, gehört die Fernsehmoderatorin Flavie Flament, die angibt, er habe sie 1991 vergewaltigt, als sie 16 Jahre alt war.