Ein neues kostenloses Werkzeug gibt Künstlerinnen und Künstlern mehr Kontrolle: Sie entscheiden, ob KI ihre Abbildungen nutzen darf oder nicht.
Jede große technologische Revolution hat Folgen, die sich kaum vorhersehen lassen. Oft sind sie schwer zu verkraften, selbst wenn es für ein Gegensteuern schon zu spät ist. Im Fall der unaufhaltsamen künstlichen Intelligenz dreht sich die Debatte unter Künstlern längst nicht mehr darum, ob sie existieren oder genutzt werden soll, sondern darum, wie man sich vor ihr schützt.
Javier Bardem hat mehrfach öffentlich erklärt, dass er diese Technologie entschieden ablehnt, weil sie nach Ansicht des Schauspielers eine enorme Fähigkeit zur Manipulation der Realität besitzt. Deshalb schließt er sich zusammen mit Cate Blanchett und anderen Hollywood-Stars wie Meryl Streep, Emma Thompson, Helen Mirren, Kristen Stewart, George Clooney, Viola Davis und Tom Hanks einer neuen Online-Plattform an, in der jede und jeder Kunstschaffende den eigenen Grad an Einwilligung festhalten kann, damit Gesicht, Stimme, Bewegungen oder sogar Ideen durch KI verändert werden.
Die Plattform, bei der Cate Blanchett Mitgründerin ist, gemeinsam mit Nikki Hexum, Doug Leeds und Eckart Walther, trägt den Namen rslmedia.org und dient als Kennzeichnung menschlichen Einverständnisses.
Künstlerinnen, Künstler oder andere Content-Creator müssen sich lediglich registrieren, ihre Identität verifizieren und dort ihren Grad der Einwilligung hinterlegen, geordnet in drei Farbstufen: Grün bedeutet erlaubt; Gelb steht für Nutzung unter bestimmten Bedingungen, etwa gegen Bezahlung; Rot heißt verboten. So entsteht eine Datenbank mit praktischen Informationen, die sich im großen Maßstab auch von Maschinen nutzen lässt.
Identität als geistiges Eigentum
Diese gemeinnützige Website beruht letztlich auf dem Prinzip, dass die menschliche Identität ebenfalls geistiges Eigentum ist. Daher braucht es eine Infrastruktur, in der sie sichtbar und nachvollziehbar registriert werden kann. Auf diese Weise können KI-Unternehmen ein zusätzliches Werkzeug ergänzend zu den entstehenden Rechtsrahmen nutzen.
So stellte die australische Schauspielerin Cate Blanchett die Initiative am Dienstag im Europäischen Parlament vor, das 2024 die Verordnung über künstliche Intelligenz der Europäischen Union als erstes umfassendes Regelwerk für KI weltweit verabschiedet hat.
„Um einen Weg zwischen überschwänglicher Begeisterung und den Gefahren der KI zu finden, brauchen wir Schutzmechanismen, die auf Zustimmung beruhen. Nicht, um den technologischen Fortschritt aufzuhalten – Gott bewahre –, sondern Schutzmechanismen, die im großen Maßstab und im gleichen Tempo wachsen, wie sich die Technologie entwickelt. Schutzmechanismen, die unsere Menschenrechte schützen“, erklärte Blanchett, die gemeinsam mit dem Filmregisseur Steven Soderbergh zu der Veranstaltung kam, bekannt als Schöpfer von Filmen wie der ‚Ocean's Eleven‘-Reihe (2001), ‚Erin Brockovich‘ (2000) oder ‚Presence‘ (2004).
Ein überzeugender Ansatz
Die beiden, Schauspielerin und Regisseur, diskutierten gemeinsam mit der Europaabgeordneten Eva Maydell mit Rechtsberatern, Filmschaffenden, Musikerinnen und Musikern, Abgeordneten und Führungskräften aus dem Unternehmenssektor. Einige Vertreter der Tech-Branche äußerten dabei Vorbehalte, dieses Projekt könne dazu beitragen, den europäischen Technologiesektor zu schwächen und ihn im Wettbewerb mit anderen Industrieländern ins Hintertreffen zu bringen.
Regisseur Steven Soderbergh formulierte es deutlich: „Das ist kein Gesetz, keine Beschränkung; es ist ein überzeugender Mechanismus, um auf einfache und elegante Weise das Richtige zu tun“, sagte er. Zu den Gefahren der KI ergänzte Soderbergh: „Es gibt eine Menge Dinge, die KI nicht kann und nie können wird. Deshalb habe ich keine Angst. Aber die Menschen brauchen eine Art Orientierung.“
Einen Weg, den große Stars aufgestoßen haben und der inzwischen für Millionen Kreative klarer sichtbar ist.