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„Wonderwall“-Effekt: hat England endlich eine WM-Hymne

„Wonderwall“-Effekt: Hat England endlich eine ordentliche WM-Hymne?
Der „Wonderwall“-Effekt: Hat England endlich eine starke WM-Hymne? Copyright  AP Photo
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Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Die mitreisenden Fans der Mannschaft stimmen nach Abpfiff gemeinsam mit den Spielern „Wonderwall“ von Oasis an. Die Abrufzahlen steigen, ein neues Ritual entsteht. Hält der Zauber an?

Die englische Nationalmannschaft und ihre Fans haben beim Thema WM-Hymnen bisher keinen besonders guten Lauf.

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Manche Songs wirkten wie dreiste Werbung, fast schon überheblich – etwa „We’ve Got The Whole World At Our Feet“ von 1986 oder „We’re On The Ball“ von 2002.

Andere waren peinliche Coverversionen, zum Beispiel „Come On England“ nach der Melodie von Dexys Midnight Runners’ „Come On Eileen“ oder die völlig missglückte Neuauflage des Tears-For-Fears-Hits „Shout“.

Dann kam der Sommer 1998, in dem sich gleich zwei Fußball-Hymnen in den Charts duellierten.

In der einen Ecke: „3 Lions ’98“ von The Lightning Seeds und Baddiel & Skinner – eine Neuauflage der einzigen wirklich einprägsamen England-Hymne von der EM zwei Jahre zuvor. In der anderen Ecke: eines der schlimmsten Vergehen an der Musik, Fat Les’ „Vindaloo“.

Hier ist der Song – und für alle, die ihn noch nie gehört haben: Wir entschuldigen uns zutiefst für das Video.

Ja, das ist wirklich passiert. Und wir haben zugesehen, mitschuldig und mit blutenden Ohren.

Ursprünglich war „Vindaloo“ als Parodie gedacht. Der Song, benannt nach einem sehr scharfen Goan-Curry ohne erkennbaren Zusammenhang zum Fußball, wurde von den Fans trotzdem als Stadion-Chant übernommen. Darin heißt es unter anderem „Nah-nah-nah, nah-nah-nah, nah-nah“ und „We’re England / We’re gonna score one more than you.

Das taten sie nicht.

England schied im Achtelfinale im Elfmeterschießen aus, und der Song wurde – zum Glück – von „3 Lions ’98“ in den Charts übertrumpft. „Vindaloo“ schaffte es allerdings bis auf Platz zwei der britischen Single-Charts. So sehr man es gerne verdrängen würde: Aus den Geschichtsbüchern lässt sich das nicht herausstreichen.

Jetzt, 28 Jahre nach diesem denkwürdigen Sommer, könnte England erstmals eine wirklich gelungene WM-Hymne haben.

Die mitreisenden Fans singen nach Abpfiff gemeinsam mit der Mannschaft „Wonderwall“ von Oasis.

Zum ersten Mal passierte das am 17. Juni im Dallas Stadium nach dem Sieg Englands gegen Kroatien mit vier zu zwei Toren. Die Fans stimmten den Song an, die Spieler Jude Bellingham und Anthony Gordon murmelten die Zeilen mit, und Englands Kapitän Harry Kane sagte: „Das war einer meiner liebsten Momente überhaupt im England-Trikot, vor allem bei einem großen Turnier.“

Kane ergänzte: „Es ist diese emotionale Verbindung zu den Fans. Wir wissen, wie viel es ihnen bedeutet. Sie sehen, wie viel es uns bedeutet. Im Moment sind wir wirklich miteinander verbunden.“

Die neue Tradition setzte sich fort, und offenbar haben sowohl Noel als auch Liam Gallagher ihren Segen gegeben.

Nach Englands Auftaktsieg erklärte Noel, der „Wonderwall“ geschrieben hat, dem britischen Boulevardblatt The Sun: „‚Wonderwall‘ gehört den Menschen, und es war ein magischer Moment zwischen den Menschen und den Spielern.“

Liam schrieb auf X schlicht: „Cmon England cmon Wonderwall“, gefolgt von einem weiteren Beitrag: „Let’s keep the BIBLICAL VIBRATIONS going if the the GOVERNMENTS we put in power can’t bring it then it’s down to the PEOPLE cmon ENGLAND“.

Was macht „Wonderwall“ zur idealen WM-Hymne für England? Nach aaaaaaaall ist es schließlich ein nostalgischer Liebessong, eher nachdenklich als mitreißend wie ein typischer Fußball-Chant – keine naheliegende Wahl.

Zunächst einmal: Der Song hat eine Melodie, die trägt. Zwar eine überstrapazierte, aber eben doch eine gute.

Außerdem kennen im Vereinigten Königreich – und weit darüber hinaus – fast alle den Text. Das macht es leicht, ein Gefühl von Gemeinschaft entstehen zu lassen.

Der 1995 erschienene Song vom zweiten Oasis-Album „(What’s The Story) Morning Glory?“ ist der kommerziell erfolgreichste Titel der Band. Seit seiner Veröffentlichung wird er auf Festival-Zeltplätzen von gutmeinenden, aber leicht fehlgeleiteten Männern mit Akustik-Gitarre regelmäßig zu Tode gespielt. 2024 kürte ihn die Official Charts Company (Quelle auf Englisch) sogar zum meistgestreamten Song aus den 1970er- bis 1990er-Jahren.

Durch seine neue Rolle als Fan-Hymne bei der WM ist „Wonderwall“ erneut in die britischen Single-Charts eingestiegen, und Spotify meldet stark gestiegene Abrufzahlen.

In einer aktuellen Mitteilung erklärt die Plattform: „Spotify kann bestätigen, dass der Klassiker von 1995 ein Comeback erlebt hat. Die Aufrufe sind im Vereinigten Königreich um 50 Prozent gestiegen – ein enormer Zuwachs, wenn man die ohnehin hohe Zahl der Streams und die treue Fangemeinde eines so ikonischen und langlebigen Songs bedenkt.“

Liam reagierte auf X mit den Worten: „And rightly so it’s a fucking classic and I sound BIBLICAL on it.“

England feierte am ersten Juli einen späten Sieg und schlug die DR Kongo mit zwei zu eins Toren. Am Montag, dem sechsten Juli, trifft das Team in Mexiko-Stadt auf Mexiko.

Für alle, die sich fragen: Liam hat das Ergebnis schon vorausgesagt und einem Fan aus Mexiko online geschrieben, dessen Team werde „mit drei zu null abgeschossen“.

Mal sehen, ob sich die „Wonderwall“-Tradition bis zum Finale am 19. Juli in New York hält. Maaaaaaaaaaaaaaaybe... Und falls nicht, bleibt zu hoffen, dass sie nicht allzu wütend zurückblicken – oder es höchstens mit „Don’t Look Back in Anger“ tun.

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