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IEA und OPEC uneins über Ölnachfrage-Prognosen bei anhaltender Hormus-Sperre

Ein kleines Boot fährt an Frachtern und anderen Handelsschiffen vorbei, die am fünften August 2026 vor Bandar Abbas in der Straße von Hormus ankern.
Ein kleines Boot fährt an Frachtern und anderen Handelsschiffen vorbei, die in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas ankern, 5. Aug. 2026 Copyright  Amirhosein Khorgooi/ISNA via AP
Copyright Amirhosein Khorgooi/ISNA via AP
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
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Die zwei meistbeachteten Ölprognostiker liefern am Mittwoch völlig gegensätzliche Ausblicke für 2026: Die IEA erwartet erstmals seit der Pandemie sinkende Nachfrage, OPEC trotz geschlossener Straße von Hormus weiteres Wachstum.

Zwei der einflussreichsten Stimmen an den Energiemärkten haben am Mittwoch das laufende Jahr völlig unterschiedlich bewertet.

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Die Internationale Energieagentur (IEA) geht inzwischen davon aus, dass die Welt im Jahr 2026 weniger Öl verbraucht als 2025 – zum ersten Mal seit dem Beinahe-Stillstand der Weltwirtschaft in der Covid-19-Krise. Die OPEC hält dagegen und rechnet weiter mit Wachstum. Damit liegen beide Lager um mehr als zwei Millionen Barrel pro Tag auseinander.

Die in Paris ansässige IEA erwartet nun, dass die weltweite Ölnachfrage 2026 um 1,6 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) sinkt. Gegenüber der Juli-Prognose ist das eine Herabsetzung um 510.000 Barrel pro Tag.

„Die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus und die hohen Kraftstoffpreise belasten den Ölverbrauch weiterhin“, erklärte die Agentur und kürzte ihre Prognose für die zweite Jahreshälfte um rund 550.000 Barrel pro Tag.

Die OPEC rechnet weiterhin mit einem Nachfrageplus. Ihre Schätzung wurde allerdings zum vierten Mal in Folge reduziert – auf 580.000 Barrel pro Tag nach zuvor 780.000 Barrel.

Das Produzentenbündnis betont seit Beginn des Krieges, die Kämpfe hätten den Verbrauch weniger stark getroffen, als westliche Analysten annehmen. Zwischen den beiden Prognosen ergibt sich damit für dieses Jahr eine Lücke von rund 2,2 Millionen Barrel pro Tag.

Ölangebot: weiter Defizit von 6,3 Millionen Barrel

Der Blick auf die Förderung erklärt die pessimistische Stimmung.

Die weltweite Ölproduktion ist im Juli um 2,4 Millionen Barrel pro Tag gestiegen und liegt nun bei 101,5 Millionen Barrel pro Tag. Trotzdem bleibt sie 6,3 Millionen Barrel unter dem Niveau des Vorjahres, denn 8,3 Millionen Barrel aus der Golfregion sind weiterhin vom Markt genommen.

Die Förderung im Golf stieg auf 23,9 Millionen Barrel pro Tag. Gleichzeitig sanken die Ausfuhren der Region um 2,1 Millionen Barrel auf 15 Millionen Barrel pro Tag. Anfang Juli wurde die Straße von Hormus faktisch erneut geschlossen, Tankschiffe und Anlagen gerieten unter Beschuss. Die Verladungen fielen in der Folge von 20 auf etwa 12 Millionen Barrel pro Tag.

Da es weder eine Einigung zur Wiederöffnung der Wasserstraße noch gesicherte Passagen durch Bab el-Mandeb gibt, hat die IEA ihre Angebotsprognosen erneut gesenkt. Für dieses Jahr rechnet sie nun mit einem Rückgang der Förderung um 4,3 Millionen Barrel pro Tag.

Auch die beobachteten weltweiten Lagerbestände schrumpften im Juli um 69 Millionen Barrel auf knapp 7,9 Milliarden Barrel. Seit Beginn des Krieges sind damit 410 Millionen Barrel verschwunden.

Beide setzen auf 2027

Einigkeit herrscht hingegen beim Blick auf das kommende Jahr.

Die OPEC erwartet für 2027 inzwischen ein Nachfrageplus von 2,2 Millionen Barrel pro Tag. Das ist mehr als die 1,94 Millionen Barrel, die sie noch im Vormonat veranschlagt hatte. Die IEA ist sogar optimistischer und kalkuliert mit 2,4 Millionen Barrel pro Tag.

Bemerkenswert ist diese Umkehrung: Die für dieses Jahr deutlich pessimistischere IEA zeichnet für 2027 das rosigere Bild.

Die IEA interpretiert die Störungen als Blockade, nicht als Nachfrageeinbruch: Es gehe um Öl, das die Abnehmer nicht erreicht, nicht um verschwundene Nachfrage. Je tiefer das Loch in diesem Jahr, desto steiler aus ihrer Sicht der Aufschwung, sobald die Straße von Hormus wieder offen ist.

Die OPEC hingegen bestreitet, dass der Verbrauch stark eingebrochen ist. Für sie gibt es entsprechend weniger Nachholbedarf.

Die Prognose der IEA baut ausdrücklich auf einer Deeskalation. Sie unterstellt, dass die Ölströme nach und nach wieder anziehen und sich der Rückgang des Angebots in diesem Jahr 2027 in ein Wachstum von 8,3 Millionen Barrel pro Tag verwandelt. Aus einem Defizit von 1,3 Millionen Barrel würde so ein Überschuss von 4,6 Millionen Barrel pro Tag.

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