Der Bürgerkriegsfilm, in Cannes und beim TIFF mit drei verflochtenen queeren Geschichten gefeiert, setzt sich gegen Spaniens Kandidaten „El ser querido“ und „Los domingos“ durch.
Die spanische Filmakademie hat „La bola negra“ ausgewählt. Der Film soll Spaniens Hoffnung auf einen neuen Oscar für den besten internationalen Film verkörpern – ein Erfolg, den das Land erst viermal feiern konnte; zuletzt 2005 dank „Das Meer in mir“ von Alejandro Amenábar.
Das Ensemble-Drama über queeren Wunsch und Repression spielt im Spanischen Bürgerkrieg und ist eng mit der Figur Federico García Lorcas verknüpft. In Cannes gewann der Film bereits den Preis für die beste Regie beim Festival von Cannes, nachdem er auch im Wettbewerb um die Goldene Palme stand.
Am 15. Dezember veröffentlicht die Academy die endgültigen Oscar-Nominierungen. Dann zeigt sich, ob das Kreativduo Javier Calvo und Javier Ambrossi, die Javis, seine mehrmonatige Promo- und Festivaltour im Dolby Theatre in Hollywood krönen kann. Die Oscar-Gala findet dieses Jahr am 14. März 2027 statt.
Filmkritiker sehen gute Chancen, dass der Beitrag aus Spanien in mehreren weiteren Kategorien Beachtung findet, etwa als beste Nebendarstellerin für die Cupletista Nené Romero, gespielt von Penélope Cruz. Erste Reaktionen beim Internationalen Filmfestival von Toronto, das jedes Jahr als Stimmungsbarometer der US-Kritik gilt, fallen sowohl bei Fachleuten als auch beim Publikum positiv aus.
Für die Javis ist es nach „La llamada“, ihrem Kinodebüt, der zweite Spielfilm. Danach entwickelten sie mehrere Serienhits wie „Paquita Salas“, „Veneno“ oder „La Mesías“. In „La bola negra“ spielen der Liedermacher Álvaro Lafuente, bekannt als Guitarricadelafuente, sowie Miguel Bernardeau, Carlos González, Milo Quifes, Lola Dueñas und eine kurze Gastrolle von Glenn Close, die eine Historikerin verkörpert, die in der Gegenwart nach Madrid reist.
Das Kriegsdrama setzte sich gegen „Los Domingos“ von Alauda Ruíz de Azúa durch – einen der meistprämierten spanischen Filme der vergangenen Saison, der es jedoch nicht in die Vorauswahl für 2025 geschafft hatte – sowie gegen „El ser querido“ von Rodrigo Sorogoyen. Dieser Film erzählt die Beziehung eines abwesenden Regisseurs (Javier Bardem) zu seiner Tochter, gespielt von Victoria Luengo.
Noch stehen die endgültigen Nominierungen aus. Eine der stärksten Konkurrentinnen für die Javis dürfte das rumänische Drama „Fjord“ sein, das in Cannes die Goldene Palme erhielt. Der Film schildert die Geschichte eines ultrareligiösen Ehepaars – mit Renate Reinsve, die bereits Hollywood-Erfahrung mitbringt, und Sebastian Stan – und beleuchtet die Widersprüche der progressiven Gesellschaft Norwegens.