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Behandlung mit Spinnenseide: Ein Durchbruch in der Neurochirurgie

Eine goldene Seidenspinne fängt Zikaden in ihrem Netz Sonntag, 8. September 2019.
Eine goldene Seidenspinne fängt Zikaden in ihrem Netz Sonntag, 8. September 2019. Copyright  AP Photo
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Von يورونيوز
Zuerst veröffentlicht am
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Forschern der Universität Oxford ist ein Durchbruch auf dem Gebiet der Nervenreparatur gelungen. Die Entdeckung: Spinnenseide kann das, was der menschliche Körper alleine nicht schafft.

Forschern der Universität Oxford ist ein Durchbruch auf dem Gebiet der Nervenreparatur gelungen. Unter Verwendung von Spinnenseide von Golden Orb-Wear-Spinnen hat ein Forschungsteam eine innovative Behandlung zur Wiederherstellung geschädigter Nerven entwickelt und dieses mit von Seidenraupen inspirierten Techniken verbessert. Damit können die Wissenschaftler nun ein chronisches klinisches Problem angehen, das jedes Jahr Hunderttausende von Menschen betrifft.

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Allein im Vereinigten Königreich erleiden jährlich etwa 300 000 Menschen Verletzungen peripherer Nerven. Die meisten von ihnen werden derzeit mit der so genannten Autotransplantation behandelt, bei der ein gesunder Nerv aus einem anderen Teil des Körpers entnommen wird, um den geschädigten Nerv zu transplantieren. Dieses Verfahren hat jedoch einen grundlegenden Fehler: Es heilt den Patienten nicht, sondern verlagert den Schaden von einer Stelle zur anderen, wobei die Heilungsrate bei weniger als 50 Prozent liegt und in mehr als einem Viertel der Fälle Komplikationen auftreten.

Die neue Behandlung, die von dem Start-up-Unternehmen Newrotex der Universität Oxford entwickelt wurde, soll diesem Dilemma ein Ende bereiten, die eine zweite Operation gänzlich überflüssig macht.

Eine unterstützende Struktur, die die Nervenkonnektivität wiederherstellt

Die Innovation basiert auf Spinnenseidenfasern, die im Körper ein "stützendes Netz" bilden, an dem Nervenzellen haften und durch das sie mit einer Geschwindigkeit von mehr als 1,1 Millimetern pro Tag wachsen.

Experimente an Mäusen haben gezeigt, dass diese Struktur die Nervenregeneration über Lücken von bis zu 10 Zentimetern unterstützen kann, eine Distanz, die der menschliche Körper nicht ohne Hilfe überbrücken kann.

Die Seide ist hochgradig biokompatibel und löst sich innerhalb von zwei Jahren vollständig vom Körper auf, ohne Spuren zu hinterlassen, was die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßung oder unerwünschter Reaktionen im Vergleich zu anderen synthetischen Materialien deutlich verringert.

Die Seide wird von Madagaskarspinnen gewonnen, die mit Kohlendioxid sanft betäubt wurden. Ihre Seidendrüsen werden mit einer feinen Bürste stimuliert, um die "Traction Line"-Fasern zu gewinnen, die von Hand auf spezielle Spulen aufgerollt werden.

Obwohl diese Fasern dünner als ein menschliches Haar sind, sind sie im Verhältnis zu ihrem Gewicht stärker als Stahl, so dass sie bei der Extraktion unbedingt geschützt werden müssen.

Ein dringender klinischer Bedarf für Millionen von Patienten

Professor Alex Woods, wissenschaftlicher Gründer von Neurotex, weist darauf hin, dass Nervenverletzungen nicht auf Unfallopfer beschränkt sind, sondern ein breites Spektrum von Patienten betreffen, wie z. B. Sportler, Männer mit Prostatakrebs und Frauen, die sich einer Brustamputation unterzogen haben, die alle unter chronischen Schmerzen oder teilweisen Lähmungen aufgrund von unterbrochenen Nervenverbindungen leiden.

Woods betont, dass diese Behandlung einem enormen ungedeckten klinischen Bedarf entspricht und zum ersten Mal eine echte Alternative bietet, die den Schaden nicht nur behandelt, sondern zu heilen versucht.

Nach erfolgreichen ersten Tests bereitet Neurotex derzeit die nächste Phase der klinischen Versuche im Vereinigten Königreich und in den USA vor. Wenn sich die Behandlung beim Menschen als wirksam und sicher erweist, wird sie voraussichtlich 2027 den ersten Patienten zur Verfügung stehen und damit die weltweit erste "Standardbehandlung" für periphere Nervenverletzungen sein.

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