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Schwimmende Festungen: Flugzeugträger – und warum Deutschland keinen hat

Die USS Gerald R. Ford, der größte Flugzeugträger der Welt, läuft am  26. Februar 2026 in der Nähe von Chania auf Kreta aus
Die USS Gerald R. Ford, der größte Flugzeugträger der Welt, läuft am 26. Februar 2026 in der Nähe von Chania auf Kreta aus Copyright  AP Photo/Giannis Angelakis
Copyright AP Photo/Giannis Angelakis
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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Die Macht der Flugzeugträger. Im Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran wächst die militärische Präsenz im Mittelmeer – mehrere Staaten entsenden gewaltige Flugzeugträger. Deutschland besitzt jedoch keine dieser schwimmenden Festungen. Warum eigentlich?

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran dauert inzwischen über eine Woche an – und die militärische Präsenz im Mittelmeer wächst.

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Nachdem eine Drohne in der Nähe des britischen Luftwaffenstützpunkts der Royal Air Force, Akrotiri auf Zypern, eingeschlagen ist, verstärken mehrere europäische Staaten ihre Kräfte in der Region.

Frankreich hat bereits seinen Atomflugzeugträger Charles de Gaulle entsandt. Auch Großbritannien hat am Samstat verkündet, einen seiner Flugzeugträger, HMS Prince of Wales, auf einen Einsatz im östlichen Mittelmeer vorzubereiten.

Die USA hatten ihre Präsenz früh erhöht: Der größte amerikanische Flugzeugträger, die USS Gerald R. Ford, wurde vor kurzem ins Mittelmeer verlegt, nachdem er in der Karibik im Einsatz war. Anfang Januar folgte die USS Abraham Lincoln in Richtung Naher Osten. Für viele war das ein frühes Signal, dass US-Präsident Donald Trump einen Angriff auf den Iran vorbereiten könnte.

Eine F/A-18E Super Hornet, die sich am  28. Februar 2026 auf eine Fanglandung auf der USS Abraham Lincoln (CVN 72) vorbereitet
Eine F/A-18E Super Hornet, die sich am 28. Februar 2026 auf eine Fanglandung auf der USS Abraham Lincoln (CVN 72) vorbereitet US-Marine via AP

Inzwischen hat Washington gemeinsam mit Israel die Operation "Epic Fury" gestartet. Der Iran reagiert seit Kriegsbeginn mit Gegenangriffen auf Israel und Ziele in der Region.

Deutschland hat bislang keine militärische Unterstützung zugesagt. Diskutiert wird jedoch der mögliche Einsatz einer deutschen Fregatte der Sachsen-Klasse im östlichen Mittelmeer. Anders als Frankreich kann Deutschland allerdings keinen Flugzeugträger entsenden – die Bundeswehr besitzt keinen.

Flugzeugträger gelten als zentrale Machtinstrumente moderner Marineflotten. Als schwimmende Luftwaffenbasen ermöglichen sie es Staaten, Kampfjets weltweit einzusetzen, schweres militärisches Gerät zu verlegen und Präsenz zu zeigen – auch ohne auf feste Militärstützpunkte angewiesen zu sein. Zugleich gelten sie auch als wichtiges Instrument der Abschreckung.

Warum besitzt die deutsche Marine keinen Flugzeugträger?

Neben den USA besitzen die NATO-Staaten Großbritannien, Italien, Frankreich, Türkei und Spanien einen Flugzeugträger.

Die meisten Bündnis-Mitglieder, darunter auch Deutschland, verfügen demnach über keine eigenen Flugzeugträger. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt Johannes Peters vom Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, dass ein Flugzeugträger enorme Ressourcen bindet: Als weitgehend ungeschützter "schwimmender Flugplatz" braucht er stets eine ganze Kampfgruppe aus Begleitschiffen zum Schutz.

Für die vergleichsweise kleine deutsche Flotte würde das einen großen Teil der verfügbaren Kräfte binden. Auch aus operativer Sicht sieht der Experte wenig Nutzen: In der engen Ostsee wäre ein Träger leicht durch landgestützte Raketen und Flugabwehrsysteme angreifbar, und auch in der Nordsee gäbe keinen klaren militärischen Mehrwert.

Flugzeugträger sind zudem deutlich teurer als klassische Kriegsschiffe. Zum Vergleich: Deutschland plant derzeit den Bau von sechs Fregatten der Klasse F126 – das größte Schiffbauprojekt der Bundeswehr – mit Gesamtkosten von knapp zehn Milliarden Euro. Frankreich hingegen will für eine ähnliche Summe einen einzigen neuen nuklearen Flugzeugträger bauen, der die „Charles de Gaulle“ ersetzen soll. Seine Indienststellung ist für etwa 2038 vorgesehen.

Archiv– Der Flugzeugträger Charles de Gaulle am 23. Februar 2025 im Hafen von Subic Bay
Archiv– Der Flugzeugträger Charles de Gaulle am 23. Februar 2025 im Hafen von Subic Bay AP Photo/Joeal Calupitan, File

Hitlers Flugzeugträger: Graf Zeppelin

In den Zeiten des Nationalsozialismus hatte Deutschland einen Flugzeugträger namens Graf Zeppelin geplant, der einzige jemals geplante deutsche Flugzeugträger und ein Prestigeprojekt der nationalsozialistischen Kriegsmarine. Der Bau begann Mitte der 1930er-Jahre in Kiel, doch das Schiff wurde trotz eines sehr hohen Fertigstellungsgrades nie in Dienst gestellt.

Mit über 260 Metern Länge sollte die Graf Zeppelin rund 40 Flugzeuge tragen und einen deutschen Flottenverband schützen, etwa bei Angriffen auf alliierte Versorgungskonvois im Atlantik. Der Flugzeugträger galt als technologisch ambitioniertes Projekt, doch die deutsche Marine hatte kaum Erfahrung mit dieser Schiffsklasse.

Am Ende blieb das Schiff ein Symbol für die widersprüchliche Rüstungsplanung des Dritten Reichs. Der fast fertiggestellte Rumpf wurde 1945 von deutschen Truppen selbstversenkt, später von der Sowjetunion gehoben und nach Tests 1947 endgültig in der Ostsee versenkt.

Heute liegt das Wrack in rund 80 Metern Tiefe vor der polnischen Küste – ein Relikt eines nie verwirklichten deutschen Flugzeugträgerprogramms.

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