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EU stoppt 2025 so viele gefährliche Produkte wie noch nie

Michael McGrath, EU-Kommissar für Verbraucherschutz, bei der Vorstellung des Safety-Gate-Berichts 2025.
Michael McGrath, EU-Kommissar für Verbraucherschutz, bei der Vorstellung des Safety-Gate-Berichts 2025. Copyright  EC - Audiovisual Service/Photographer : Jennifer Jacquemart
Copyright EC - Audiovisual Service/Photographer : Jennifer Jacquemart
Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
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Die EU hat im Jahr 2025 so viele gefährliche Produkte aus dem Verkehr gezogen wie noch nie. Besonders häufig betroffen waren Kosmetik, Spielzeug und Elektrogeräte.

Cremes, Spielzeug und Handy-Ladegeräte, die nach Europa gelangen, sind so gefährlich wie noch nie. Das zeigt ein neuer EU-Bericht: 2025 verzeichneten die Behörden zum dritten Mal in Folge einen Rekord bei Sicherheitswarnungen.

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Im vergangenen Jahr gingen 4.671 Warnmeldungen im Safety-Gate-System (Quelle auf Englisch) ein, dem Instrument der Europäischen Union zur Überwachung gefährlicher Produkte auf dem Markt.

Die Zahlen für 2025 sind die höchsten seit dem Start des Systems im Jahr 2003. Das bedeutet ein Plus von 14 Prozent gegenüber 2024 und mehr als doppelt so viele Meldungen wie 2022.

„Verbrauchsgüter sind ein wichtiger Teil unseres Alltags. Egal woher sie kommen und wofür sie gedacht sind: Sie müssen sicher sein – für unsere Gesundheit und für die Umwelt“, sagte Michael McGrath, EU-Kommissar für Verbraucherschutz, bei der Vorstellung des Safety-Gate-Berichts 2025.

Er betonte, dass der Sicherheitsrahmen immer wichtiger wird. Grund ist das rasante Wachstum des Onlinehandels und die große Zahl von Paketen, die aus Drittstaaten in die Europäische Union gelangen.

Die EU führte das Schnellwarnsystem 2003 ein, um gefährliche Nicht-Lebensmittelprodukte zu erfassen. Es deckt Risiken für die menschliche Gesundheit ab, etwa Erstickungs- und Strangulationsgefahr oder Schäden an Gehör und Sehvermögen. Hinzu kommen Risiken für Umwelt, Energieverbrauch und Sachwerte.

Welche Produkte werden am häufigsten abgefangen?

Kosmetika, Spielzeug sowie elektrische Geräte und Ausrüstungen stehen an der Spitze der Liste der am häufigsten beanstandeten Produkte.

Am häufigsten meldeten die Behörden Risiken durch gefährliche Chemikalien. Sie machten 53 Prozent aller Meldungen aus. Es folgen Verletzungsgefahr mit 14 Prozent und Erstickungsgefahr mit 9 Prozent.

Fast acht von zehn Warnungen zu Kosmetika stehen im Zusammenhang mit Butylphenyl Methylpropional (BMCHA). Der synthetische Duftstoff ist in der EU seit 2022 verboten. Zuvor fand er sich häufig in Parfüms, Lotionen und Haushaltsprodukten. Inzwischen gilt als erwiesen, dass er die Fortpflanzung schädigen und die Haut reizen kann.

Der Bericht hält zudem fest: Erstmals meldeten nationale Behörden Nagellacke, die Trimethylbenzoyl Diphenylphosphine Oxide (TPO) enthalten. Die Chemikalie wird in UV- und LED-härtenden Gelnagel-Produkten eingesetzt. Die EU untersagte ihren Gebrauch 2025 wegen möglicher Risiken für die Gesundheit Ungeborener und wegen allergischer Reaktionen.

Welche Länder spüren die meisten gefährlichen Produkte auf – und woher kommen sie?

Italien meldete 2025 mit 1.193 Warnungen die mit Abstand meisten gefährlichen Produkte. Es folgen Deutschland mit 465 und Frankreich mit 455 Meldungen. Griechenland verzeichnete keine einzige Meldung, Rumänien zwei und Island fünf.

Im Safety Gate wird auch die Herkunft der Produkte erfasst. Kommissar McGrath wies darauf hin, dass knapp drei Viertel von außerhalb der Europäischen Union stammen.

Größte Herkunftsquelle ist China mit 2.006 der 4.671 Meldungen. Innerhalb Europas stammt der Großteil der auffälligen Produkte aus Italien mit 614 Meldungen, gefolgt von Deutschland mit 288.

„Spielzeug, an dem Kinder ersticken können, Cremes, die Ausschläge auslösen, oder Ladegeräte, die Feuer fangen: All das gelangt weiter nach Europa – oft über chinesische Online-Marktplätze. In der Praxis gibt es dann keine verantwortliche Person in der Lieferkette“, sagte Agustín Reyna, Generaldirektor der europäischen Verbraucherorganisation BEUC.

Online-Marktplätze müssten deshalb in die Pflicht genommen werden, forderte er. Nur so ließen sich Verbraucherinnen und Verbraucher wirksam schützen. Am Ende müssten die Plattformen haften, wenn sonst niemand für die Produktsicherheit sorgt.

Wie funktioniert das System?

Das Schnellwarnsystem Safety Gate erhält Meldungen von nationalen Behörden, die gefährliche Produkte auf ihren Märkten entdecken. Hinweise können von Unternehmen kommen, aber auch von Bürgerinnen und Bürgern über das Consumer Safety Gateway.

Die Europäische Kommission prüft die Informationen und leitet sie an andere Mitgliedstaaten weiter. Diese suchen dann gezielt nach den Produkten auf ihren nationalen Märkten.

Nach der Validierung stellt die Kommission die Daten auf dem Safety-Gate-Portal online. Dort können alle Interessierten sie einsehen.

Die Verbraucherorganisation BEUC warnt jedoch, dass die registrierten Meldungen nur die Spitze des Eisbergs zeigen. Die Behörden könnten bei Weitem nicht alle Produkte kontrollieren, die in die EU gelangen.

„Die Statistik erlaubt keine eindeutigen Rückschlüsse darauf, ob das Sicherheitsniveau sinkt. Möglich ist auch, dass die höhere Zahl an Meldungen zeigt, dass die Mitgliedstaaten ihre Kontrollen verstärkt haben oder dass die Systeme effizienter geworden sind“, so die Organisation.

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