Die Ukraine hat die sterblichen Überreste des umstrittenen Nationalistenführers Andrij Melnyk erneut beigesetzt. Melnyk leitete die Organisation Ukrainischer Nationalisten, die für die Unabhängigkeit der Ukraine kämpfte und im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit NS-Deutschland zusammenarbeitete.
Die sterblichen Überreste des ukrainischen Militärkommandeurs Andrii Melnyk und seiner Ehefrau Sofiia Fedak-Melnyk sind am Montag nahe Kyjiw erneut beigesetzt worden. Die Zeremonie fand auf dem Nationalen Militärfriedhof statt.
An der Trauerfeier nahmen auch Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie weitere ukrainische Vertreter teil. Die Urnen des einflussreichen Vertreters der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und seiner Frau waren in der vergangenen Woche in Luxemburg exhumiert und anschließend in die Ukraine überführt worden. "Heute sehen wir alle, dass die ukrainische Idee das überwinden kann, was einst völlig unüberwindbar schien", sagte Selenskyj bei der Zeremonie.
"Jetzt, da wir auf ukrainischem Boden stehen, unter unserer ukrainischen Flagge und zur Melodie unserer Nationalhymne unsere Helden ehren, spüren wir all das, was Ukrainerinnen und Ukrainer durchmachen mussten und was unser Volk ertragen hat", fügte er hinzu.
Umstrittene Persönlichkeit
Melnyk, geboren 1890, war Oberst der Armee der Ukrainischen Volksrepublik und ein enger Vertrauter des Militärkommandeurs und OUN-Mitbegründers Jewhen Konowalez. Nach der Ermordung Konowalez' durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD im Jahr 1938 spaltete sich die Organisation Ukrainischer Nationalisten in zwei Lager: die von Melnyk geführte OUN-M und die radikalere OUN-B unter Stepan Bandera.
Beide Strömungen sind bis heute umstritten – unter anderem wegen ihrer zeitweisen Zusammenarbeit mit NS-Deutschland im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen die sowjetische Herrschaft.
Das NS-Regime lehnte jedoch einen unabhängigen ukrainischen Staat ab und wandte sich später gegen Melnyk und andere ukrainische Nationalisten. Melnyk wurde zunächst unter Hausarrest gestellt und später in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Er starb 1964 in Deutschland und wurde anschließend in Luxemburg beigesetzt.
"Als wir Oberst Andrii Melnyk und seine Frau Sofiia zurück in die Ukraine brachten – über Transkarpatien bis in unsere freie Hauptstadt Kyjiw –, war dieser Weg nicht von dem Zwist geprägt, der die Ukraine in der Vergangenheit oft geschwächt hat", schrieb Selenskyj auf X.
"Es gab keinen Zweifel daran, wer der wahre Feind der Ukraine ist – und wer ihre Freunde, Partner und Brüder sind." Die Beisetzung fand auf dem Nationalen Militärfriedhof im Gebiet Kyjiw statt. Der Friedhof nach dem Vorbild des Arlington National Cemetery wurde vergangenes Jahr für Soldaten eröffnet, die im russischen Angriffskrieg gefallen sind.