Kann KI das Gesundheitswesen verändern, ohne Ungleichheit zu vergrößern oder Gesetze zu überholen? Darüber streiten Fachleute am siebzehnten März beim Euronews Health Summit in Brüssel.
Künstliche Intelligenz (KI) und andere neue Technologien verändern die Gesundheitsversorgung grundlegend. Sie treiben die Diagnostik voran, beschleunigen die Entwicklung neuer Medikamente und entlasten das medizinische Personal.
Viele europäische Länder nutzen KI bereits in ihren Gesundheitssystemen. Finnland setzt sie etwa ein, um Gesundheitsfachkräfte zu schulen, Estland wertet damit medizinische Daten aus, und Spanien nutzt KI zur Erkennung von Krankheiten.
In einem Punkt sind sich Fachleute einig: KI darf medizinisches Personal niemals ersetzen.
„KI ist für Millionen von Beschäftigten im Gesundheitswesen und Patientinnen und Patienten in der gesamten Europäischen Region bereits Realität“, sagte Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, in einer aktuellen Erklärung.
„Ohne klare Strategien, wirksamen Datenschutz, rechtliche Leitplanken und Investitionen in die KI-Kompetenz riskieren wir jedoch, Ungleichheiten zu vertiefen statt sie zu verringern“, fügte er hinzu.
Den vielen Vorteilen technologischer Innovation im Gesundheitswesen stehen auch erhebliche Risiken gegenüber: beim Datenschutz, beim Zugang zu Angeboten und bei der Frage, wer in den Algorithmen überhaupt vertreten ist.
KI im gesamten Gesundheitssystem
Weltweit fehlt es zudem an Fachkräften im Gesundheitswesen. Eine alternde Bevölkerung verschärft den Mangel und setzt die Gesundheitssysteme unter Druck.
Einige Länder arbeiten bereits mit KI-Unternehmen zusammen, um den Druck zu mindern und den Zugang zur Versorgung zu verbessern.
Im Januar 2026 kündigten die Gates Foundation und OpenAI Finanzmittel, Technologien und technische Unterstützung in Höhe von 50 Millionen Dollar (43,6 Millionen Euro) an, um KI-Kapazitäten im Gesundheitswesen in afrikanischen Ländern aufzubauen. Der Start erfolgt in Ruanda, bis 2028 wollen sie 1.000 Primärversorgungszentren erreichen.
Ärztinnen und Ärzte in Europa nutzen KI-gestützte Dokumentationshilfen, um weniger Zeit mit Mitschriften und Papierkram zu verbringen und mehr Zeit für ihre Patientinnen und Patienten zu haben.
Außerdem werden KI-Systeme für die Diagnose entwickelt. Sie könnten den Diagnoseprozess beschleunigen und eine frühere Behandlung ermöglichen.
Risiken im Blick
Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold. Mit der rasanten Ausbreitung von KI nehmen auch Sorgen und Warnungen von Fachleuten zu.
Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass Sprachmodelle bei der Suche nach medizinischem Rat ein riskantes Werkzeug sein können, weil sie die Dringlichkeit von Beschwerden nicht immer korrekt einschätzen.
Experten warnen zudem vor der besonderen Sensibilität biologischer Daten und fordern konkrete Rahmenvorgaben, unter welchen Bedingungen KI-Modelle darauf zugreifen dürfen.
Lücken bei der rechtlichen Verantwortlichkeit, ungleich verteilte Investitionen in die Qualifizierung des Personals und neue Ausschlussrisiken unterstreichen den Bedarf an anhaltender Wachsamkeit, Zusammenarbeit und Lernbereitschaft, warnte die WHO in einem aktuellen Bericht.
Die Organisation stellte fest, dass nur acht Prozent ihrer Mitgliedstaaten eine nationale, speziell auf Gesundheit ausgerichtete KI-Strategie verabschiedet haben – „eine dringende Erinnerung daran, dass ehrgeizige Ziele mit konkreten Maßnahmen einhergehen müssen“.
Mit dem Fortschritt der Technologie verschiebt sich auch die Debatte. Die zentrale Frage lautet dann nicht mehr, was KI im Gesundheitswesen leisten kann, sondern wer entscheidet, wie und für wen sie zum Einsatz kommt.
Was passiert, wenn Algorithmen mit nicht repräsentativen Daten trainiert werden? Wer erhält Zugang zu den Daten, auf denen KI-Modelle beruhen? Wer soll das regulieren – und wie?
Fachleute an der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Gesundheit diskutieren diese Fragen beim Euronews Health Summit am 17. März in Brüssel.