Investitionen in erneuerbare Energien stärken zudem die Energiesicherheit. Der Krieg gegen den Iran bringt Lieferketten aus dem Gleichgewicht und treibt die Preise.
Europa hat 2025 seine Energiekosten massiv gesenkt. Der Kontinent verringerte seine Abhängigkeit von umweltschädlichen fossilen Brennstoffen und steckte mehr Geld in erneuerbare Energien.
Der stärkere Einsatz von Wind- und Solarenergie zur Stromproduktion reduzierte die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas deutlich, meldet der Energiedenkfabrik Ember. Europa dürfte 2026 weitere Einsparungen erzielen, da die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien dank idealer Frühlingsbedingungen neue Rekorde erreicht.
Das stärkt auch die Energiesicherheit. Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran destabilisiert derzeit die Versorgung und treibt die Kosten nach oben.
Europa spart Milliarden mit Investitionen in erneuerbare Energien
Die EU sparte 2025 rund 60 Milliarden Dollar (51,4 Milliarden Euro), weil sie weniger fossile Brennstoffe importierte, heißt es in einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA). Investitionen in erneuerbare Energien helfen Europa zudem, die Energieschocks durch den Krieg zwischen den USA, Israel und Iran besser zu verkraften.
„Europas Energiewende zahlt sich aus – die Einsparungen von 60 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr werden 2026 noch übertroffen, da die Preise für Öl, Gas und Kohle stark steigen“, sagt ein Sprecher von Ember gegenüber Euronews Earth.
„Dank der Erneuerbaren ist der Stromsektor von allen Energiesektoren Europas am wenigsten betroffen. Die meisten fossilen Importe betreffen inzwischen Bereiche außerhalb der Stromerzeugung. Umso wichtiger ist es, dass Europa jetzt verstärkt auf Elektrifizierung setzt, um den Ölverbrauch im Verkehr und den Gasverbrauch beim Heizen und in der Industrie zu senken.“
2025 importierte die EU Energieprodukte im Wert von 336,7 Milliarden Euro, insgesamt 723,3 Millionen Tonnen. Gegenüber 2024 gingen die Importe sowohl im Wert (minus 11,1 Prozent) als auch in der Masse (minus 0,6 Prozent) zurück, berichtet der Thinktank Strategic Perspectives.
Stattdessen investierte die EU 105 Milliarden Dollar (90 Milliarden Euro) in erneuerbare Energien. Besonders stark legte die Solarenergie zu. Mit einer Stromproduktion von mehr als 340 TWh kam sie auf 12,5 Prozent des Strommixes in der EU, so Strategic Perspectives.
Die Solarstromerzeugung stieg im Jahresvergleich um mehr als 60 TWh. Das entspricht in etwa dem gesamten jährlichen Strombedarf Portugals.
Die Investitionen in erneuerbare Energien, Elektrifizierung und Energieeffizienz sind eine gute Nachricht für den Planeten und für die Verbraucher, sagt Marin Gillot, Energieanalyst bei Strategic Perspectives, Euronews Earth.
„Saubere Energie ist nicht mehr nur Klimapolitik, sondern auch eine wirtschaftliche und geopolitische Strategie“, sagt er. „Je schneller Europa sich von fossilen Brennstoffen löst, desto weniger sind Bürger und Unternehmen Preisschocks und geopolitischer Instabilität ausgesetzt.“
Wind- und Solarstrom überholt Gas weltweit im April
Auch 2026 entwickelt sich zu einem Rekordjahr für erneuerbare Energien.
Wind- und Solaranlagen haben im April 2026 weltweit erstmals in einem Monat mehr Strom erzeugt als Gaskraftwerke, zeigt eine Auswertung von Ember. Zusammen kamen Wind und Sonne auf 22 Prozent der weltweiten Stromproduktion, Gas erreichte 20 Prozent.
Dieser Meilenstein fiel in den ersten vollen Monat der jüngsten globalen Energiekrise, die der Konflikt im Nahen Osten ausgelöst hat. Er zeigt, wie schnell der Ausbau von Wind- und Solarenergie den globalen Strommix verändert – selbst in Phasen starker Preisschwankungen an den fossilen Energiemärkten, heißt es in dem Bericht des Thinktanks.
Weltweit stieg die Stromproduktion aus Wind und Sonne demnach im Jahresvergleich um geschätzte 13 Prozent. Zuwächse gab es in allen wichtigen Märkten: in China um 14 Prozent, in der EU um 13 Prozent, im Vereinigten Königreich um 35 Prozent, in den USA um 8 Prozent, in Australien um 17 Prozent, in Chile um 24 Prozent und in Brasilien um 4 Prozent.
Ember betont jedoch, dass Wind und Sonne Gas bislang nur in einem einzigen Monat überholt haben – noch nicht über das Gesamtjahr.
April war der wahrscheinlichste Monat für diesen Rekord. Auf der Nordhalbkugel, wo der Großteil der weltweiten Solarkapazität installiert ist, treffen im Frühling meist starke Winde auf zunehmende Solarproduktion.
Zugleich ist der Strombedarf zwischen Heiz- und Klimasaison meist geringer. Gaskraftwerke laufen deshalb schwächer als in den meisten anderen Monaten des Jahres.