Der Familienstand könnte das Krebsrisiko stark beeinflussen. Laut einer neuen Studie erkranken Menschen, die nie verheiratet waren, deutlich häufiger.
Menschen, die verheiratet sind oder waren, erkranken seltener an Krebs. Darauf weist eine neue Studie hin. Sie legt nahe, dass der Familienstand ein wichtiger, bisher unterschätzter sozialer Faktor beim Krebsrisiko sein könnte.
Die Untersuchung von Forschenden der University of Miami, veröffentlicht im Fachjournal Cancer Research Communications (Quelle auf Englisch), zeigt: Menschen, die nie verheiratet waren, erkranken deutlich häufiger an Krebs.
Bei Männern, die nie geheiratet haben, lag die Krebsrate um 68 Prozent höher. Bei Frauen sogar um 85 Prozent.
Besonders stark war der Zusammenhang bei Menschen ab 55 Jahren. Unterschiede im Familienstand scheinen sich also mit den Lebensjahren aufzusummieren.
„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass soziale Faktoren wie der Familienstand wichtige Marker für das Krebsrisiko in der Bevölkerung sein können“, sagte Paulo Pinheiro, Mitautor der Studie und Professor für Krebs-Epidemiologie an der Miller School Department of Public Health Sciences in Miami.
Schützt Heiraten vor Krebs?
Die Forschenden betonen jedoch, dass aus den Daten nicht folgt, Menschen sollten heiraten oder die Ehe verfüge über eine geheime Schutzwirkung.
„Wer nicht verheiratet ist, sollte Krebsrisikofaktoren besonders im Blick behalten, Vorsorgeuntersuchungen nutzen und seine medizinische Versorgung aktuell halten“, sagte Frank Penedo von der University of Miami, Mitautor der Studie.
Nach Angaben der Forschenden gilt der Familienstand in vielen Analysen bislang nur als demografisches Hintergrundmerkmal.
Die neuen Ergebnisse sprechen jedoch dafür, ihn auch als sozialen Belastungsfaktor zu verstehen, der Aspekte des Krebsrisikos erfasst, die sich nicht vollständig durch Herkunft, Alter oder sozioökonomischen Status erklären lassen.
Für die Studie wertete das Team Daten von mehr als 100 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten aus sowie Krebsdaten zu über vier Millionen Erkrankungen, die zwischen 2015 und 2022 diagnostiziert wurden.
Berücksichtigt wurden alle bösartigen Tumoren, die bei Erwachsenen ab 30 Jahren festgestellt wurden – ungefähr dem Durchschnittsalter einer ersten Ehe in den USA.
Beim Familienstand unterschieden die Forschenden zwei Gruppen: Menschen, die nie verheiratet waren, und Menschen, die einmal verheiratet waren, es aber nicht mehr sind – also Getrennte, Geschiedene und Verwitwete.
Gelten die Ergebnisse für alle Krebsarten?
Insgesamt erkrankten Erwachsene ohne Heirat häufiger an Krebs, doch der Zusammenhang war je nach Tumorart unterschiedlich stark.
Bei Männern, die nie verheiratet waren, lag die Rate für Analkrebs fast fünfmal so hoch wie bei verheirateten Männern. Bei Frauen ohne Ehe war die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs knapp dreimal so hoch.
Für Speiseröhren-, Leber- und Lungenkrebs waren die Erkrankungsraten bei unverheirateten Frauen und Männern etwa doppelt so hoch wie bei Menschen, die verheiratet sind oder waren.
Wie beeinflusst die Ehe das Krebsrisiko?
Die Ehe steht seit Langem im Zusammenhang mit besseren Gesundheitsdaten. Verheiratete haben im Schnitt weniger Erkrankungen, leben länger und bewerten ihren Gesundheitszustand häufiger als gut, halten die Autorinnen und Autoren fest.
Zu den positiven Begleitfaktoren einer Ehe zählen demnach mehr soziale Unterstützung, ein insgesamt gesünderer Lebensstil mit reduzierter Alkohol- und Tabaknutzung, stabilere sexuelle Beziehungen und eine größere wirtschaftliche Sicherheit.
Bei bestimmten Krebsarten wie Anal- und Gebärmutterhalskrebs, die beide mit einer HPV-Infektion zusammenhängen, könnten die Unterschiede auch auf unterschiedliche Ansteckungsrisiken hinweisen.
Frühere Studien haben zudem gezeigt, dass verheiratete Patientinnen und Patienten häufiger in einem früheren Krankheitsstadium diagnostiziert werden und höhere Überlebensraten haben.
Diese Vorteile führen Forschende oft auf die Unterstützung durch Partnerinnen und Partner zurück – etwa bei der Wahrnehmung von Vorsorge, bei der Hilfe rund um Therapien und beim Navigieren in einem komplexen Gesundheitssystem, schließt die Studie.