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EU-Bevölkerung sinkt bis 2100 um zwölf Prozent: größte Verlierer unter den Staaten

Ältere Frauen gehen am Dienstag, 14. April 2020, in Bukarest, Rumänien, zu einem Geschäft.
Ältere Frauen gehen am Dienstag, 14. April 2020, in Bukarest in Rumänien zu einem Geschäft. Copyright  Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Europas Bevölkerungsentwicklung driftet auseinander. Bis 2100 dürfte die EU rund dreiundfünfzig Millionen Einwohner verlieren; Migration prägt die Unterschiede. Dann wird etwa jede dritte Person über fünfundsechzig sein.

In Europa sinkt die Geburtenrate, zugleich altert die Bevölkerung. Nach neuesten Berechnungen von Eurostat dürfte die Einwohnerzahl der EU zwischen 2025 und 2100 um 11,7 % zurückgehen. Die Bevölkerung würde von 452 auf 399 Millionen schrumpfen – ein Minus von 53 Millionen Menschen bis zum Beginn des nächsten Jahrhunderts. In diesen Prognosen ist Zuwanderung bereits eingerechnet.

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Die erwartete Bevölkerungsentwicklung unterscheidet sich jedoch deutlich von Land zu Land. In einigen Staaten leben 2100 voraussichtlich mehr Menschen als 2025, in vielen anderen nimmt die Einwohnerzahl ab.

Welche Länder verlieren am stärksten? Welche wachsen noch? Was steckt hinter diesen Unterschieden – und warum wächst manche Bevölkerung, während andere schrumpft?

Eurostat betrachtet insgesamt 30 europäische Länder. In zwölf von ihnen dürfte die Bevölkerung wachsen, in achtzehn schrumpfen – und zwar bis 2100.

Lettland (33,9 %), Litauen (33,4 %), Polen (31,6 %) und Griechenland (30,1 %) verzeichnen demnach die größten Rückgänge, alle über 30 %. Dort könnte bis 2100 mehr als jede dritte Person wegfallen.

Auch in Bulgarien (28 %), Kroatien (27 %), der Slowakei (26,7 %), Rumänien (24,3 %), Italien (24 %) und Ungarn (22,5 %) sinkt die Bevölkerung voraussichtlich um mehr als ein Fünftel. Das entspricht in etwa einem Verlust von einer von vier Personen – ein gravierender Einschnitt.

In Portugal (19,3 %), Estland (19,1 %), Tschechien (11,5 %), Finnland (10,7 %), Slowenien (10,6 %) und Deutschland (10,6 %) liegt der erwartete Rückgang zwischen zehn und 20 %.

Demgegenüber wachsen drei europäische Länder trotz kleiner Bevölkerungszahlen voraussichtlich um mehr als ein Viertel: Luxemburg (36,4 %), Island (27,1 %) und Malta (26 %).

Schweiz (16,9 %), Irland (14,6 %), Norwegen (11,8 %) und Schweden (10 %) zählen zu den weiteren Ländern mit einem erwarteten Plus von mehr als zehn %.

„Vor allem durch frühere und künftige Migration bestimmt“

„Diese Unterschiede gehen vor allem auf abweichende frühere und künftige Wanderungssalden zurück, in Kombination mit einer jeweils anderen Altersstruktur“, erklärte Tomas Sobotka, stellvertretender Direktor des Vienna Institute of Demography, gegenüber Euronews Health.

„Länder mit niedriger Geburtenrate und Abwanderung in den vergangenen Jahrzehnten haben heute meist eine ältere Bevölkerung, mit nur wenigen Menschen im jungen und reproduktiven Alter.“

Sobotka betonte, dass auch unterschiedliche künftige Geburtenraten eine Rolle spielen, „aber in geringerem Ausmaß“. Südeuropäische Staaten hätten bereits niedrige Geburtenraten und dürften auch künftig weniger Kinder bekommen als andere Regionen Europas.

Auch Anne Goujon vom Vienna Institute of Demography sieht den Hauptgrund für die Unterschiede in der Balance zwischen natürlicher Bevölkerungsentwicklung und Wanderungssaldo.

„Zwar haben alle EU-Länder niedrige Geburtenraten. Staaten mit dauerhaft hoher Zuwanderung können aber trotz niedriger Geburten noch über 2050 hinaus wachsen (etwa Luxemburg und Malta), während Länder mit niedriger Geburtenrate und schwächeren Zuwanderungsströmen oder sogar negativer Wanderungsbilanz eher schrumpfen (etwa Lettland, Litauen und Polen)“, sagte sie Euronews Health.

Geburten und Sterblichkeit erklären Unterschiede nur begrenzt

Nach Angaben von Dmitri Jdanov vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung bestimmen drei Faktoren die Bevölkerungsentwicklung: Sterblichkeit, Geburten und Migration.

Die derzeitige Geburtenrate reiche nicht aus, um die heutige Einwohnerzahl zu halten, erläuterte er. Ohne Zuwanderung wäre ein natürlicher Rückgang der Bevölkerung unvermeidlich. Unterschiede bei der Sterblichkeit zwischen den Ländern seien in den Eurostat-Projektionen dagegen zu gering, um die stark abweichenden Entwicklungen zu erklären.

„Migration ist der einzige Faktor, der in Europa für Bevölkerungswachstum sorgen kann. Die Annahmen zur künftigen Zuwanderung unterscheiden sich jedoch von Land zu Land deutlich“, sagte er gegenüber Euronews Health.

Spanien einziges Land der „großen Vier“ mit Bevölkerungsplus

Unter den vier größten EU-Staaten gemessen an Wirtschaftsleistung und Einwohnerzahl ist Spanien das einzige Land, dessen Bevölkerung bis 2100 wächst – wenn auch nur leicht um 1,3 %.

Für Frankreich erwartet Eurostat einen leichten Rückgang von 2,5 %. Deutschland (10,6 %) und vor allem Italien (24 %) dürften deutlich stärker schrumpfen.

„Spanien hat in den vergangenen drei Jahrzehnten sehr viel Zuwanderung erlebt. Das hat das Bevölkerungswachstum hoch gehalten, obwohl die Geburtenrate sehr niedrig ist“, sagte Sobotka.

Er hob hervor, dass Frankreich eine höhere Geburtenrate hat als die meisten anderen EU-Staaten. Diese etwas höhere Geburtenrate, eine jüngere Altersstruktur und eine moderate Zuwanderung dürften dafür sorgen, dass die Bevölkerung Frankreichs weitgehend stabil bleibt.

Für Italien sieht Sobotka vor allem die Kombination aus sehr niedriger Fertilität und einer stark alternden Bevölkerung als Ursache.

Verschiebung im Ranking: Spanien überholt Italien

Die erwarteten Trends verändern auch die Rangfolge der bevölkerungsreichsten Länder zwischen 2025 und 2100.

Am deutlichsten ist, dass Spanien Italien überholen und damit zum drittbevölkerungsreichsten Land Europas werden dürfte. Italien verliert in diesem Zeitraum voraussichtlich rund 15 Millionen Einwohner, Spaniens Bevölkerung wächst dagegen um etwa eine halbe Million.

Unter den 30 betrachteten Ländern machen die Schweiz (Rang 15 auf zehn), Irland (21 auf 17) und Norwegen (19 auf 16) den größten Sprung nach oben. Bulgarien (16 auf 20), Portugal (zehn auf 13) und Griechenland (zwölf auf 15) verzeichnen dagegen die stärksten Abstiege.

Ungleiche Bevölkerungsentwicklung in Europa

Die demografischen Veränderungen verlaufen in Europa zwischen 2025 und 2100 nicht linear. In manchen Ländern wächst die Bevölkerung zunächst, bevor sie wieder schrumpft. Am Ende des Jahrhunderts kann sie deshalb höher oder niedriger liegen als 2025.

Setzt man die Bevölkerung des Jahres 2025 auf den Indexwert 100, zeigen sich sehr unterschiedliche Kurven des Wachstums und Rückgangs. In der EU insgesamt dürfte die Bevölkerung ab etwa 2040 unter das heutige Niveau fallen. In Spanien wird ein Plus von rund zehn % bis 2055 erwartet, bevor die Zahl der Einwohner bis 2100 wieder zurückgeht und nur noch etwa ein Prozent über dem Wert von 2025 liegt.

Einige Länder folgen jedoch über den gesamten Zeitraum einem klaren Abwärtstrend. In Italien fällt er besonders stark aus, in Deutschland verläuft der Rückgang deutlich langsamer.

Bis 2100 ist jede dritte Person in Europa über 65

Auch der Blick auf die Altersgruppen zeigt: Die EU-Bevölkerung wird bis 2100 deutlich älter. Die entsprechende Grafik für die EU macht diesen schrittweisen, aber tiefgreifenden demografischen Wandel sichtbar.

Der Anteil der Menschen ab 85 Jahren dürfte sich mehr als verdreifachen – von 3,2 % im Jahr 2025 auf 10,8 % im Jahr 2100. Damit gehört dann mehr als jede zehnte Person in Europa zu dieser Altersgruppe.

Auch der Anteil der 66- bis 84-Jährigen nimmt zu, von 17,6 % auf 21,8 %. Zusammen machen die über 65-Jährigen damit bis 2100 fast ein Drittel der Bevölkerung aus. Heute ist es etwa jede fünfte Person.

Gleichzeitig schrumpfen alle jüngeren Altersgruppen anteilig. Die Erwerbsbevölkerung zwischen 31 und 65 Jahren – das Rückgrat der europäischen Volkswirtschaften – dürfte von 47,8 % auf 40,5 % zurückgehen.

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