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Neuer Hantavirus-Stamm: Forschende entwickeln Impfstoff im Eilverfahren

Im Zonenkrankenhaus Ramón Carrillo in Bariloche, Argentinien, hängt ein Schild mit dem Hantavirus-Überträger-Nagetier und Hinweisen zur Vorbeugung.
Im Ramon-Carrillo-Krankenhaus in Bariloche hängt ein Schild mit der Zeichnung des Hantavirus-Überträgers und Hinweisen zur Vorbeugung. Copyright  AP Photo/Euge Neme
Copyright AP Photo/Euge Neme
Von Roselyne Min mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Tödlicher Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff schürt Angst vor Viren ohne Heilung oder Impfstoff. Britische Regierung lässt Forscher an erstem Hantavirus-Impfstoff arbeiten.

Forschende entwickeln einen neuen Impfstoff gegen einen Stamm des Hantavirus. Auslöser sind Sorgen nach einem tödlichen Ausbruch an Bord eines Kreuzfahrtschiffs, dass neue Virusbedrohungen eine weitere Pandemie auslösen könnten.

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Der Ausbruch traf Passagiere auf dem unter niederländischer Flagge fahrenden Kreuzfahrtschiff MV Hondius. Verantwortlich ist das Andes-Virus, ein Stamm aus der größeren Gruppe der Hantaviren.

Gegen das Virus existieren derzeit weder Impfstoffe noch gezielte Therapien. Fachleute betonen jedoch, dass eine frühe medizinische Behandlung die Überlebenschancen verbessert.

Forschende der Universität Bath im Vereinigten Königreich arbeiteten bereits vor dem Ausbruch an einem neuen mRNA-Impfstoff gegen einen anderen Hantavirus-Stamm, das Hantaan-Virus.

Nach Angaben des Teams handelt es sich um einen völlig neuen Impfstoff. Tierversuche im Labor lieferten bislang vielversprechende Ergebnisse.

„Es ist ein völlig neues Antigen und … es zeigt eine sehr gute Immunogenität gegen durch Hantaan-Viren ausgelöste Erkrankungen. Wir hoffen, dass es sich als gutes Antigen eignet, um einen künftigen Hantaan-Impfstoff zu entwickeln“, sagte Asel Sartbaeva, Chemikerin an der Universität Bath und Mitgründerin sowie Geschäftsführerin von EnsiliTech, einem Spin-off der Universität, das den möglichen Impfstoff auf den Markt bringen will.

Nun stellt sich die Frage, ob die gleiche Technologie langfristig auch gegen den Andes-Stamm helfen kann, der für die Fälle auf dem Kreuzfahrtschiff verantwortlich ist.

Fachleute äußern sich jedoch vorsichtig, ob sich der Impfstoff zur Eindämmung des Andes-Virus eignen könnte.

„Wir wissen derzeit nicht, ob das von uns entwickelte Antigen auch gegen den Andes-Stamm wirkt. Wir hoffen es, doch solange wir es nicht konkret gegen das Andes-Virus getestet haben, können wir es nicht wissen“, sagte Sartbaeva.

Im Jahr 2024 erhielt das Forschungsteam von der britischen Regierung den Auftrag, möglicherweise den weltweit ersten thermisch stabilen mRNA-Impfstoff gegen das Hantaan-Virus zu entwickeln.

Der Impfstoff nutzt eine neue Technologie namens Ensilication. Sie ermöglicht den Transport bei deutlich höheren Temperaturen als bisher. Das könnte für mRNA-Impfstoffe wichtig sein, von denen viele derzeit bei Gefriertemperaturen gelagert werden müssen.

„Diese Technologie lässt sich auf viele verschiedene Impfstoffe anwenden. In diesem Fall setzen wir sie bei dem neuen Hantaan-Impfstoff ein“, erklärte Sartbaeva.

„Wir konnten den Impfstoff bereits aus der Tiefkühlung bei minus siebzig Grad in den Kühlschrankbereich von etwa zwei bis acht Grad bringen. Das erleichtert den Transport deutlich. Unser Ziel ist es, ihn in Zukunft auch bei Raumtemperatur stabil zu machen“, fügte sie hinzu.

Forschende sehen keinen Grund zur Panik

Bis Dienstag, den zwölften Mai, zählte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) elf Fälle, davon neun bestätigte, sowie drei Todesfälle – alle bei Passagieren der Kreuzfahrt.

Der Ursprung des Ausbruchs ist weiterhin unbekannt. Noch ist auch nicht klar, ob sich Menschen außerhalb der Passagiergruppe auf dem Schiff infiziert haben.

Die WHO sieht jedoch „keinen Hinweis“ auf einen größeren Hantavirus-Ausbruch, nachdem die letzten Passagiere von dem betroffenen Kreuzfahrtschiff evakuiert wurden, erklärte ihr Generaldirektor am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Sartbaeva führt das Fehlen spezifischer Behandlungen auf die Seltenheit der Erkrankung zurück. Sie betonte, es bestehe kein Anlass zur „Panik“ und kein Grund für Vergleiche mit einer Situation wie der COVID-19-Pandemie.

„Solche Ausbrüche hat es bereits früher gegeben. Die Krankheit ist nur sehr selten und erhält deshalb normalerweise wenig Aufmerksamkeit“, sagte sie.

„Diesmal trat sie zudem auf einem weitgehend abgeschotteten Kreuzfahrtschiff auf. Diese natürliche Abgrenzung hat das Risiko weiterer Übertragungen begrenzt“, fügte sie hinzu.

„Im Moment sollte niemand in Panik geraten. Es ist nicht wie das Coronavirus, nicht wie die Pandemie des Jahres 2020, denn diese Krankheit überträgt sich nicht sehr leicht.“

Mehr zu dieser Geschichte sehen Sie im Video oben im Player.

Cutter • Roselyne Min

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