Die Wasserqualität in Europa unterscheidet sich deutlich von Land zu Land. Während einige Staaten beim Trinkwasser sehr gut abschneiden, ist das Grundwasser in anderen stark belastet - besonders in Belgien, Deutschland, Luxemburg und Tschechien.
Grundwasser gehört zu den am stärksten gefährdeten Ressourcen in der EU.
Mehr als 20 Prozent des Grundwassers in der EU befinden sich in einem schlechten chemischen Zustand. Das bedeutet, dass schädliche Stoffe wie Quecksilber, Cadmium und andere Schadstoffe über den in der EU-Wasserrahmenrichtlinie festgelegten Grenzwerten liegen, wie die Europäische Umweltagentur mitteilt.
Hinzu kommen erhebliche soziale und ökologische Kosten für die Trinkwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung.
Allein die Entfernung von Nitraten, die häufig in Düngemitteln vorkommen, kostet die EU schätzungsweise 320 Milliarden Euro pro Jahr. Der EU-Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Nach Angaben der Europäischen Kommission wurde dieser Wert jedoch an 14 Prozent der europäischen Grundwassermessstellen überschritten.
Wer hat das sauberste Leitungswasser?
Die hohen Investitionen Europas in die Sanierung des Grundwassers scheinen Wirkung zu zeigen.
Laut dem Environmental Performance Index liegen 19 der 20 Länder mit der weltweit besten Sanitärversorgung und dem besten Trinkwasser in Europa. Die einzige Ausnahme ist Japan.
Finnland, Island, die Niederlande, Norwegen, die Schweiz und das Vereinigte Königreich erreichten beim Schutz der menschlichen Gesundheit vor unsicherem Trinkwasser und mangelhafter Sanitärversorgung die Bestnote von 100 Punkten.
Die schlechtesten Werte auf dem Kontinent erzielten Moldawien mit 50 Punkten, Georgien mit 51,7 Punkten und Albanien mit 54,1 Punkten. Auch drei EU-Länder gehören zu den zehn am schlechtesten bewerteten Ländern Europas: Lettland mit 59,1 Punkten, Litauen mit 58,4 Punkten und Rumänien mit 56 Punkten.
Zusätzlich zu den bestehenden Rechtsvorschriften behält die EU ihre Wasserressourcen genau im Blick.
Im Januar 2022 verabschiedete sie die erste Beobachtungsliste für Trinkwasser. Ziel ist es, die Konzentration von Beta-Estradiol und Nonylphenol zu überwachen - zwei endokrin wirksamen Verbindungen, die körpereigene Hormone nachahmen, blockieren oder stören können.
Wie besorgniserregend ist die Grundwasserverschmutzung in der EU?
Trotzdem bleiben Chemikalien im Grundwasser ein Problem. Das ist besonders relevant, weil Grundwasser etwa 25 Prozent der landwirtschaftlichen Bewässerung und rund 65 Prozent des Trinkwassers in der EU liefert.
"Rund 80 Prozent aller Abwässer weltweit gelangen ungeklärt in die Gewässer", schreiben die Forscher des Wasseratlas, eines von der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung erstellten Indexes zur Grundwasserqualität.
"Die Vorstellung, dass sich Flüsse selbst reinigen würden, erwies sich bald als Illusion: Flüsse und Seen wurden zu stinkenden, giftigen Kloaken", heißt es weiter.
Der Wasseratlas hat Grundwasserkörper mit gutem und schlechtem chemischen Zustand in Europa kartiert. Grundlage dafür sind die Standards der EU-Wasserrahmenrichtlinie.
Die Ergebnisse sind in einigen Ländern besorgniserregend.
In Luxemburg erreichten 79 Prozent der kartierten Grundwasserkörper keinen guten chemischen Zustand. In Tschechien waren es 55 Prozent, in Belgien 41 Prozent und in Deutschland 40 Prozent.
Pestizide bleiben eine der größten Bedrohungen für die Wasserqualität. Laut Wasseratlas wurde etwa Trifluoressigsäure, kurz TFA, in 94 Prozent von 36 Leitungswasserproben aus elf EU-Ländern nachgewiesen.
Viele Pestizide enthalten außerdem PFAS, also per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese auch als "Ewigkeitschemikalien" bekannten Stoffe wurden an 23.000 Orten in Europa nachgewiesen.
Auch pharmazeutische Rückstände und Mikroplastik belasten die Umwelt zusätzlich. In europäischen Grundwasserkörpern wurden bereits mehr als 175 pharmazeutische Verbindungen identifiziert.