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Mittelalterliche Pergamente aus Tierhaut enthüllen Geschichte des tödlichen Schafpockenvirus

Eine Schafherde weidet im trockenen Gras bei Stonehenge in Wiltshire, England, am Donnerstag, 13. August 2026.
Eine Schafherde weidet im verdorrten Gras bei Stonehenge in Wiltshire, England, am Donnerstag, dem 13. August 2026. Copyright  AP Photo/Kin Cheung
Copyright AP Photo/Kin Cheung
Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
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In mittelalterlichen Handschriften haben Forschende DNA-Spuren eines tödlichen Schafvirus entdeckt. Der Erreger ist mehrere tausend Jahre alt.

Im Mittelalter entstanden die meisten Texte auf Häuten von Schafen, Ziegen und Rindern. Das Material diente als Schreibfläche und ist als Pergament bekannt.

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In einigen berühmten alten Handschriften Europas haben Forschende nun Spuren der Geschichte des tödlichen Schafpockenvirus entdeckt – eines Erregers, der bei Schafen Fieber, Hautläsionen und Todesfälle verursacht. Solche Spuren helfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu verstehen, wie sich Krankheitserreger entwickelt haben und welche Folgen sie für frühere Gesellschaften hatten.

Ein internationales Team aus Genetikerinnen und Genetikern, Historikerinnen und Historikern, Virologinnen und Virologen, Proteinforscherinnen und Proteinforschern sowie Restauratorinnen und Restauratoren unter Leitung von Forschenden des University College Dublin gewann DNA aus den Häuten, aus denen diese Jahrhunderte alten Dokumente gefertigt wurden.

„Die Analyse alter Erreger-DNA hat unser Verständnis vergangener Infektionskrankheiten grundlegend verändert. Wir zeigen hier, dass Pergament auch die DNA von Tierkrankheiten bewahren kann“, sagte Louis L’Hôte, Hauptautor der Studie.

Zu den untersuchten Werken gehören die rund 1.000 Jahre alten York Gospels – eines der besterhaltenen illuminierten Manuskripte aus der späten angelsächsischen Zeit – sowie noch ältere Texte wie das „Corpus Glossary“ am Corpus Christi College in Cambridge, das als eines der frühesten englischen Wörterbücher gilt. Weitere mittelalterliche Schriften stammen aus ganz Großbritannien und aus mehreren Regionen Kontinentaleuropas.

„Es ist gut möglich, dass Archive und Bibliotheken weltweit ebenfalls genetische Spuren früher Tierseuchen enthalten.“

Schafpocken sind eine hoch ansteckende Krankheit. Sie breitet sich rasch aus und kann binnen kurzer Zeit große Teile einer Herde befallen. Die Erkrankung verursacht teils erhebliche wirtschaftliche Schäden, etwa durch geringere Milchleistung, minderwertige Häute und Wolle sowie Handelsbeschränkungen. Hinweise darauf, dass Schafpocken Menschen infizieren können, gibt es nicht.

Die in Science Advances (Quelle auf Englisch) veröffentlichte Studie zeigt, dass in manchen Fällen mehrere Seiten desselben Manuskripts DNA des Schafpockenvirus enthalten. Das deutet darauf hin, dass dafür Häute infizierter Tiere verwendet wurden.

Die Forschenden kombinierten die im Pergament gefundene DNA mit älteren Proben aus Schafzähnen aus der Bronzezeit. So kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Krankheit Nutztierbestände seit mehr als 3.700 Jahren bedroht.

„Alte Genome helfen uns zu erkennen, wie sich die Erreger entwickelt haben, die uns heute noch betreffen. Wir sehen, dass das Genom des Schafpockenvirus im Gegensatz zum Pockenvirus in den vergangenen Jahrtausenden sehr stabil blieb“, ergänzte L’Hôte.

„Das könnte bedeuten, dass genetische Veränderungen in noch früheren Zeiten eine entscheidende Rolle gespielt haben, damit sich das Schafpockenvirus an seinen Wirt anpassen konnte. Dieses Wissen kann uns künftig beim Kampf gegen den Erreger helfen.“

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