Nur noch wenige Tage bis zum Ende der Award-Saison. Euronews Culture blickt auf mögliche Rekordmomente, die die Oscars 2026 in die Geschichte eingehen lassen könnten.
Die 98. Oscarverleihung rückt näher, und vieles spricht dafür, dass in diesem Jahr mehrere Rekorde fallen.
Die Chancen auf Geschichtsmomente sind groß – von neuen Trophäen-Rekorden bis zu persönlichen Bestmarken für Schauspielerinnen und Schauspieler.
Kurz vor dem großen Finale der Award-Saison blickt Euronews Culture auf die wichtigsten möglichen Rekorde, die die Oscars 2026 prägen könnten.
Fällt der Allzeitrekord?
One Battle After Another gegen SinnersOne Battle After Another gegen Sinners
Dieses Jahr läuft das Oscar-Rennen auf zwei Titel hinaus: Paul Thomas Andersons One Battle After Another und Ryan Cooglers Sinners. Der erste Film kommt auf 13 Nominierungen, der zweite hat mit 16 Nennungen bereits den Academy-Rekord für die meisten Nominierungen für einen einzelnen Film gebrochen.
Nun stellt sich die Frage, ob einer der beiden den Allzeitrekord von elf Oscars übertreffen kann. Bisher teilen sich drei Filme diese Marke: Ben-Hur von 1959, Titanic aus dem Jahr 1997 und The Lord of the Rings: The Return of the King von 2003.
Wie realistisch ist das? One Battle After Another kommt auf 13 Nominierungen in zwölf Kategorien, weil Sean Penn und Benicio del Toro beide als Bester Nebendarsteller im Rennen sind. Damit liegt der Ball eher bei Sinners. Ganz ausgeschlossen ist ein Rekord nicht, aber es wäre eine Überraschung.
Erster Schwarzer Regie-Preisträger?
Ryan CooglerRyan Coogler
Ryan Coogler ist der siebte Schwarze Regisseur, der in der Kategorie Beste Regie nominiert ist. Vor ihm standen John Singleton (Boyz n the Hood) 1992, Lee Daniels (Precious) 2010, Steve McQueen (12 Years a Slave) 2014, Barry Jenkins (Moonlight) 2017, Jordan Peele (Get Out) 2018 und Spike Lee (BlacKkKlansman) 2019 auf der Liste. Keiner von ihnen gewann den Regie-Oscar. Coogler könnte schaffen, was ihnen verwehrt blieb.
Wie wahrscheinlich? Möglich ist es. Wir rechnen aber eher damit, dass Paul Thomas Anderson endlich seinen längst fälligen ersten Regie-Oscar bekommt.
Zweiter Regie-Oscar für eine Frau?
Chloé ZhaoChloé Zhao
Chloé Zhao, für Beste Regie für Hamnet nominiert, ist in diesem Jahr die einzige Frau im Regiefeld. Sollte sie gewinnen, wäre sie die erste Frau, die den Regie-Oscar zum zweiten Mal holt.
Zur Einordnung: Bisher haben nur drei Frauen überhaupt den Regie-Oscar gewonnen: Kathryn Bigelow für The Hurt Locker 2010, Zhao für Nomadland 2021 und Jane Campion für The Power of the Dog 2022.
Wie wahrscheinlich? Eher gering. Das Rennen läuft auf Anderson und Coogler hinaus – und wir tippen auf Anderson.
Fallen jetzt viele Schauspiel-Rekorde?
Stellan Skarsgård - Timothée Chalamet - Jessie Buckley - Michael B. JordanStellan Skarsgård - Timothée Chalamet - Jessie Buckley - Michael B. Jordan
In den Schauspielkategorien könnten gleich mehrere Marken fallen.
Jessie Buckley, für Hamnet nominiert, könnte als erste Irin überhaupt den Oscar in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin gewinnen. Brenda Fricker gewann als Beste Nebendarstellerin für My Left Foot und ist bisher die einzige irische Schauspielerin mit einem Oscar.
Emma Stone, für Bugonia nominiert, könnte als erst dritte Schauspielerin überhaupt dreimal den Oscar als Beste Hauptdarstellerin holen. Bisher ist das nur Katharine Hepburn und Frances McDormand gelungen. Stone gewann bereits für La La Land und Poor Things.
Renate Reinsve, nominiert für Sentimental Value, könnte als erste norwegische Schauspielerin überhaupt den Preis als Beste Hauptdarstellerin gewinnen.
Michael B. Jordan, nominiert für Sinners, könnte als erster Schauspieler den Oscar als Bester Hauptdarsteller für eine Doppelrolle als Zwillingsfigur erhalten.
Sollte Timothée Chalamet für seinen Auftritt in Marty Supreme gewinnen, wäre er der zweitjüngste Gewinner des Oscars als Bester Hauptdarsteller – jünger war nur Adrien Brody für seine Leistung in The Pianist im Jahr 2003. Brody war damals 29 Jahre alt. Chalamet wurde im Dezember 30.
Wagner Moura, nominiert für The Secret Agent, könnte als erster Brasilianer überhaupt in einer Schauspielkategorie gewinnen. Außerdem wäre er der erste Beste Hauptdarsteller aus einem nicht englischsprachigen Film seit 1997, als Roberto Benigni für Life Is Beautiful ausgezeichnet wurde.
In den Nebenkategorien könnte Wunmi Mosaku, nominiert für Sinners, als erste nigerianische Schauspielerin – und als erste Person aus Nigeria überhaupt – einen Oscar gewinnen.
Sean Penn, nominiert für One Battle After Another, könnte als vierter männlicher Schauspieler drei Schauspiel-Oscars sammeln. Bislang ist das nur Daniel Day-Lewis, Jack Nicholson und Walter Brennan gelungen. Penn gewann den Preis als Bester Hauptdarsteller bereits für Milk und Mystic River.
Stellan Skarsgård, nominiert für Sentimental Value, könnte als erster schwedischer Darsteller und erster nordischer Schauspieler einen Oscar für eine schauspielerische Leistung gewinnen.
Und dann ist da noch die großartige Amy Madigan, nominiert für Weapons. Sie könnte den Rekord für die längste Spanne zwischen erster Nominierung und erstem Sieg aufstellen – 40 Jahre liegen zwischen ihrer Nominierung 1986 für Twice in a Lifetime und einem möglichen Triumph heute.
Wie wahrscheinlich? Tief durchatmen... Wir gehen davon aus, dass Jessie Buckley Geschichte schreibt – damit bliebe Emma Stone ohne dritten Hauptrollen-Oscar. Michael B. Jordan ist klarer Favorit als Bester Hauptdarsteller; Wagner Moura und Timothée Chalamet dürften ihre möglichen Rekorde daher verpassen. In der Kategorie Beste Nebendarstellerin liegen Teyana Taylor (One Battle After Another) und Amy Madigan vorn, sodass Wunmi Mosaku wohl warten muss. Sean Penn dürfte den exklusiven Club der dreifach ausgezeichneten Schauspieler erweitern – Stellan Skarsgård ginge damit leer aus. Und Madigan scheint ihren Langstrecken-Rekord tatsächlich zu krönen.
Erste Kamerafrau mit Oscar-Sieg?
Autumn Durald ArkapawAutumn Durald Arkapaw
In einer Oscar-Kategorie hat noch nie eine Frau gewonnen: Beste Kamera.
Bisher waren nur drei Frauen in dieser Sparte nominiert: Rachel Morrison für Mudbound 2017, Ari Wegner für The Power of the Dog 2021 und Mandy Walker für Elvis 2022.
In diesem Jahr ist Autumn Durald Arkapaw erst die vierte Frau – und die erste Woman of Colour –, die für ihre Kameraarbeit nominiert ist, und zwar für Sinners.
Wie wahrscheinlich? Die Chancen stehen gut, dass Autumn Durald Arkapaw in diesem traditionell männlich dominierten Feld Geschichte schreibt – als erste Frau und erste Woman of Colour mit einem Kamera-Oscar.
Erste Schwarze Produzentin mit Oscar-Sieg?
Ryan und Zinzi CooglerRyan und Zinzi Coogler
Gewinnt Sinners am Sonntag den Hauptpreis, wäre Zinzi Coogler, die Ehefrau von Ryan Coogler, die erste Schwarze Frau, die als Produzentin einen Oscar erhält.
Oprah Winfrey (Selma) und Kimberly Steward (Manchester by the Sea) waren zwar nominiert, gingen aber leer aus.
Wie wahrscheinlich? Das Rennen um den besten Film dürfte sich zwischen Sinners und One Battle After Another entscheiden. Die Chancen für Zinzi Coogler stehen also nicht schlecht.
Schreibt ein nicht englischsprachiger Film Geschichte?
Das Team von Sentimental Value: Andrea Berentsen Ottmar, Joachim Trier, Maria Ekerhovd und Renate ReinsveDas Team von Sentimental Value: Andrea Berentsen Ottmar, Joachim Trier, Maria Ekerhovd und Renate Reinsve
Joachim Trier hat für Sentimental Value beeindruckende neun Nominierungen eingeheimst. Sein Film könnte damit zur erfolgreichsten internationalen Produktion in der Oscar-Geschichte werden.
Beim Blick auf die Nominierungen hält allerdings noch Alfonso Cuaróns Roma den Rekord: Der Film stand in zehn Kategorien auf der Liste, gewann am Ende aber nur drei Preise – darunter den Regie-Oscar. Was die Anzahl der Auszeichnungen betrifft, liegt Bong Joon-hos Parasite vorn: Der Film holte vier Oscars, darunter als erster nicht englischsprachiger Beitrag überhaupt den Preis für den besten Film.
Und bevor jetzt jemand einwendet: „Streng genommen ist The Artist doch ein ausländischer Film, eine französische Produktion, und er gewann 2012 fünf Oscars, darunter Bester Film“: Er zählt in dieser Statistik nicht und war für die Kategorie Bester internationaler Film (damals Bester fremdsprachiger Film) nicht zugelassen, weil die wenigen gesprochenen Worte auf Englisch sind.
Wir machen die Regeln nicht. Zurück zu den möglichen Rekorden dieses Jahres...
Sentimental Value gilt als Favorit für den Oscar als Bester internationaler Film und würde Norwegen den ersten Sieg in dieser Kategorie bescheren. Zur Einordnung: Bisher hat nur ein norwegischer Film überhaupt einen Oscar gewonnen, Thor Heyerdahls Dokumentarfilm Kon-Tiki von 1951.
Kann der Film den Rekord von Parasite brechen?
Wie wahrscheinlich? Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass Sentimental Value wie Parasite sowohl den Preis für den besten internationalen Film als auch den für den besten Film insgesamt holt. Die Konkurrenz ist in allen Kategorien stark, daher dürften Rekorde eher ausbleiben.
Die Oscars werden am Sonntag, 15. März, verliehen (für das Publikum in Europa bedeutet das die frühen Morgenstunden des 16. März). Bleiben Sie bei Euronews Culture dran für weitere Oscar-News im Vorfeld der Verleihung, einschließlich unserer Prognosen für die diesjährigen Gewinner.