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Brüsseler Festival präsentiert seltene Art-déco- und Jugendstil-Perlen

Brüssel: Details des Innenraums im Van-Buuren-Museum
Brüssel: Interieur-Details aus dem Van-Buuren-Museum Copyright  Luca Impellizzeri / Euronews
Copyright Luca Impellizzeri / Euronews
Von Leticia Batista Cabanas & Tokunbo Salako
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Rund sechzig historische Gebäude in Belgien haben im März ihre Türen für Besucherinnen und Besucher geöffnet – im Rahmen des Festivals Brussels Art Nouveau & Art Deco (BANAD).

In der belgischen Hauptstadt war im vergangenen Monat etwas ganz Besonderes los.

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Viele der historischen Gebäude der Stadt haben ihre Türen für ein neugieriges Publikum geöffnet, das bisher nie einen Blick ins Innere werfen konnte.

Nach dem Themenjahr 2025, das ganz im Zeichen des Art déco stand, folgt nun die nächste Initiative: Brussels Art Nouveau and Art Deco (BANAD) machte bis zu 60 Orte in der Stadt zugänglich. Darunter waren rund ein Dutzend Privathäuser, Stadthäuser, institutionelle Gebäude und ehemalige Industrieanlagen.

Fachkundig geleitete Rundgänge erlaubten es den Besucherinnen und Besuchern, architektonische Details und Restaurierungsgeschichten zu entdecken und zu erfahren, wofür die Räume ursprünglich dienten. Viele sind so gut erhalten, als wäre die Zeit dort vor Jahrzehnten stehen geblieben.

"Wir haben 19.426 Tickets verkauft, also fast hundert Prozent der verfügbaren Plätze", sagt Amaury de Smet, Programm- und Kommunikationsleiter von Explore.Brussels, der Nichtregierungsorganisation hinter dem Festival.

Das Gartenlabyrinth des Van-Buuren-Museums
Das Gartenlabyrinth des Van-Buuren-Museums Euronews

Neben den Innenbesichtigungen umfasste das Programm rund 50 geführte Spaziergänge und Radtouren, Konferenzen, Ausstellungen, Konzerte sowie inklusive Angebote für unterschiedliche Zielgruppen.

Das Festival BANAD gibt es seit 2017; es knüpft an frühere Biennalen an, die seit 2001 stattfanden. Jedes Jahr stellt es die architektonischen Highlights der Stadt vor und macht sich für den Schutz des Kulturerbes stark.

Der Herzgarten des Van-Buuren-Museums
Der Herzgarten des Van-Buuren-Museums Euronews

Art déco und Jugendstil

Brüssel gilt weithin als eine der Geburtsstätten des Jugendstils, vor allem dank des Architekten Victor Horta (1861–1947). Sein innovativer Umgang mit Eisen, Glas und organischen Formen prägte die Bewegung. Zugleich verfügt die Stadt über eine außergewöhnlich hohe Dichte an Art-déco-Bauten, rund 500 Objekte.

Viele dieser Gebäude sind erstaunlich gut erhalten. Deshalb ist Brüssel für Fachleute aus Forschung, Geschichte und Architektur ein wichtiger Bezugspunkt: An den originalen Bauten lässt sich die Entwicklung der Stilrichtungen nachverfolgen, ohne dass viel von ihrer Authentizität verloren gegangen ist.

Den Übergang vom Jugendstil zum Art déco kann man im Stadtbild direkt ablesen. Der Jugendstil erreichte um die Jahrhundertwende, zwischen 1890 und 1910, seinen Höhepunkt. Danach setzte eine allmähliche „Geometrisierung“ zum Art déco ein. Architektinnen und Architekten verabschiedeten sich nach und nach von geschwungenen Linien, floralen Motiven und kunsthandwerklichen Details und setzten stärker auf Symmetrie, Abstraktion und industrielle Materialien wie Stahlbeton. In Brüssel entstanden dabei viele Mischformen, die Elemente beider Stile vereinen.

Das Van-Buuren-Museum in Brüssel
Das Van-Buuren-Museum in Brüssel Euronews

Sowohl die Region Brüssel als auch die Stadt Brüssel investieren erheblich in den Erhalt der Bausubstanz. Für 2026 kündigte die regionale Denkmalbehörde Urban.Brussels, die ebenfalls am BANAD-Festival beteiligt ist, 56 Millionen Euro für nachhaltige Renovierungen und die Aufwertung von Fassaden im gesamten Stadtgebiet an.

Schon im Haushalt 2015 stellte die Stadt Brüssel 5,6 Millionen Euro für Stadtplanung und Kulturerbe bereit, darunter Zuschüsse für Fassadenrenovierungen in der Fußgängerzone.

Innendetails aus dem Van-Buuren-Museum
Innendetails aus dem Van-Buuren-Museum Luca Impellizzeri / Euronews

Modernismus hält Einzug

Für BANAD ist 2026 auch aus einem anderen Grund ein Meilenstein: Erstmals nimmt das Festival den Modernismus in sein Programm auf.

„Im Jubiläumsjahr, der zehnten Ausgabe des BANAD-Festivals, haben wir eine dritte architektonische Strömung aufgenommen: Neben Jugendstil und Art déco nun auch den Modernismus. Das kommt bei unserem Publikum sehr gut an“, sagt de Smet.

Der Modernismus entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als Gegenbewegung zu dekorativen Stilarten. Klare Linien, funktionale Gestaltung und neue Bautechniken prägen diesen Ansatz, der den tiefgreifenden gesellschaftlichen und technologischen Wandel jener Zeit widerspiegelt.

In Brüssel verschmolz die moderne Architektur häufig mit dem Art déco, es entstanden hybride Formen. Schlichte, fast nüchterne Außenfassaden treffen dort auf üppig dekorierte Innenräume. Zugleich reagierte die Bewegung auf das Wachstum der Stadt und den Bedarf an Wohnraum, mit stärker standardisierten und effizienteren Grundrissen.

Um die architektonische Geschichte der Stadt umfassender zu erzählen, rückte BANAD Wohnhäuser wie die Villa Berteaux und das Haus Dotremont in den Fokus. Beide entwarf der Architekt Louis-Herman De Koninck (1896–1984), bekannt für seinen vorausschauenden Umgang mit Wohnarchitektur und seine funktionalistischen Prinzipien.

Innendetails aus der École fondamentale Nr. 13 in Schaerbeek
Innendetails aus der École fondamentale Nr. 13 in Schaerbeek Luca Impellizzeri / Euronews
Innendetails aus der École fondamentale Nr. 13 in Schaerbeek
Innendetails aus der École fondamentale Nr. 13 in Schaerbeek Luca Impellizzeri / Euronews

Im Bereich Art déco und Jugendstil standen Ikonen wie das Hôtel Solvay, das Hôtel Tassel und das Hôtel Max Hallet auf dem Programm – allesamt Meisterwerke von Victor Horta.

Zu den Art-déco-Höhepunkten gehörten die luxuriöse Villa Empain und der Palais de la Folle Chanson, der den stilistischen Übergang der Zwischenkriegszeit veranschaulicht.

Erstmals konnten Besucherinnen und Besucher zudem neu zugängliche Orte wie das Haus Van Keirsbilck, die Villa Berteaux, das Haus Slagmolder und die Fondation Universitaire besichtigen.

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