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Satire vor Gericht: Russland verurteilt deutschen Karnevalskünstler zu fast 9 Jahren Haft

Deutschlands berühmtester Karnevalsbildhauer Jaques Tilly
Deutschlands berühmtester Karnevalsbildhauer Jaques Tilly Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Ein Moskauer Gericht hat den Düsseldorfer Karnevalskünstler Jacques Tilly zu mehr als acht Jahren Haft verurteilt – wegen satirischer Darstellungen von Russlands Präsidenten.

Ein Gericht in Moskau hat den Düsseldorfer Karnevalisten Jacques Tilly am Donnerstag in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Staatsanwältin sagte vor Gericht, dass die Schuld Tillys durch Zeugenaussagen erwiesen sei.

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Auslöser des Verfahrens sind mehrere Mottowagen, die Jacques Tilly für den Düsseldorfer Rosenmontagszug 2024 entworfen hatte. Darin zeigte er Putin in satirischen Szenen – etwa in einer mit Blut gefüllten Badewanne oder in enger Verbindung mit dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche.

Die Moskauer Justiz wirft ihm vor, mit diesen satirischen Darstellungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin staatliche Organe verunglimpft und falsche Informationen über die russischen Streitkräfte verbreitet zu haben. Es folgte ein Strafverfahren, von dem Tilly anfangs selbst nichts wusste. Demnach sei er von den russischen Behörden weder über das Verfahren noch über den Prozess informiert worden.

Russisches Gesetz gegen Kritiker

Grundlage für die Anklage ist Artikel 207.3 des russischen Strafgesetzbuches – ein Paragraf, der seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine regelmäßig gegen Kritiker eingesetzt wird, oftmals im eigenen Land. Dass nun auch ein ausländischer Künstler betroffen ist, gilt als ungewöhnlich, der Einsatz des Paragrafen selbst jedoch nicht.

Eine Auslieferung nach Russland droht Tilly nach derzeitiger Einschätzung nicht. Dennoch könnte die Verurteilung praktische Folgen haben. So könnte Russland den Künstler nun international zur Fahndung ausschreiben, etwa über Interpol. Damit könnten sich für ihn Einschränkungen bei Reisen in Länder ergeben, die mit russischen Behörden kooperieren.

Bekannter Karnevalskünstler

Jacques Tilly gehört zu den bekanntesten Gestaltern politischer Mottowagen im rheinischen Karneval. Seine Arbeiten sind für ihre zugespitzte, oft provokante Bildsprache bekannt und greifen regelmäßig internationale Konflikte und politische Akteure auf.

Mehrfach hat er sich dabei auch mit Wladimir Putin auseinandergesetzt. Auch auf sein Verfahren in Russland hat Tilly bereits reagiert. Beim diesjährigen Rosenmontagszug zeigte er einen Wagen, der den Prozess in Moskau aufgreift: Zu sehen ist Putin in Uniform, der die traditionelle Düsseldorfer Karnevalsfigur "Hoppeditz" mit einem Schwert attackiert.

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