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Kanye-West-Eklat in Großbritannien: Festival verteidigt Auftritt, West reagiert

Kanye-West-Streit in Großbritannien spitzt sich zu: Festivalchef verteidigt Booking, weitere Sponsoren springen ab
Kanye-West-Empörung in Großbritannien wächst: Festivalveranstalter verteidigt Verpflichtung, weitere Sponsoren steigen aus Copyright  AP Photo
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Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Wireless-Veranstalter verteidigt Kanye „Ye“ West als Sommer-Headliner, obwohl Sponsoren abspringen. Ob der umstrittene Rapper ins Vereinigte Königreich einreisen darf, ist offen; inzwischen hat West selbst Stellung genommen.

Das Wireless Festival in Großbritannien steht wegen der Verpflichtung von Kanye „Ye“ West massiv unter Druck. Die Kritik nimmt weiter zu.

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Der umstrittene US-Rapper wurde vergangene Woche als Headliner für alle drei Abende des diesjährigen Festivals im Londoner Finsbury Park im Juli angekündigt – trotz seiner früheren antisemitischen Äußerungen.

Die Verpflichtung löste breite Kritik aus, unter anderem von Premierminister Keir Starmer. Er nannte es „zutiefst beunruhigend, dass Kanye West beim Wireless auftreten soll, obwohl er sich in der Vergangenheit antisemitisch geäußert und den Nationalsozialismus gefeiert hat“.

Seine Worte wurden von zahlreichen Organisationen und Politikerinnen und Politikern aufgegriffen, die zusätzliche Sorge und Empörung über Wests Engagement beim Festival äußerten.

Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan verurteilte die Entscheidung. „Für uns ist klar, dass die früheren Äußerungen und Handlungen dieses Künstlers verletzend und falsch sind und die Werte Londons in keiner Weise widerspiegeln“, sagte er.

In der Folge haben mehrere Festival-Sponsoren ihre Zusammenarbeit mit Wireless beendet, darunter Hauptsponsor Pepsi und der Getränkekonzern Diageo.

Der frühere Innenminister Sajid Javid, heute Vorsitzender des Holocaust Memorial Day Trust, begrüßte diesen Schritt.

Nun haben sich auch PayPal und Rockstar Energy von Wireless distanziert – PayPal untersagt dem Festival, das eigene Logo weiter in der Werbung zu nutzen, und Rockstar Energy soll ganz ausgestiegen sein.

Der Druck auf das Festival, Konsequenzen zu ziehen, wächst. Melvin Benn, Geschäftsführer von Festival Republic, das Wireless gemeinsam mit Live Nation veranstaltet, hat nun eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er den Headliner verteidigt.

„Ich bin ein zutiefst überzeugter Antifaschist, und das schon mein ganzes Erwachsenenleben“, sagte Benn. „Ich habe in den siebziger Jahren viele Monate in einem Kibbuz gelebt, der am siebten Oktober angegriffen wurde. Ich stehe klar an der Seite der Jüdinnen und Juden und des jüdischen Staates und setze mich zugleich ebenso für einen palästinensischen Staat ein.“

„Seit fünfzehn Jahren gibt es einen Menschen in meinem Leben, der an einer psychischen Erkrankung leidet“, führte er aus. „Ich habe in dieser Zeit viele Episoden eines abstoßenden Verhaltens erlebt, das ich verzeihen und hinter mir lassen musste. Spätestens dadurch bin ich zu einem Menschen geworden, der in allen Bereichen seines Lebens – auch im Beruf – auf Vergebung und Hoffnung setzt.“

„Was Ye in der Vergangenheit über Jüdinnen und Juden und über Hitler gesagt hat, ist für mich genauso unerträglich wie für die jüdische Gemeinschaft, den Premierminister und andere, die sich dazu geäußert haben – und, wenn man ihn beim Wort nimmt, inzwischen auch für Ye selbst.“

„Yees Musik läuft auf kommerziellen Radiosendern in diesem Land. Sie ist hier per Livestream und Download verfügbar, ohne dass jemand dies kommentiert oder verurteilt. Er hat das gesetzliche Recht, nach Großbritannien einzureisen und hier aufzutreten. Genau das soll er tun. Wir verschaffen ihm keine Bühne für politische Botschaften jeglicher Art, sondern lediglich für die Songs, die in unseren Radios und auf unseren Streamingplattformen ohnehin laufen und von Millionen Menschen gehört und geschätzt werden.“

„Vergebung und die Bereitschaft, Menschen eine zweite Chance zu geben, geraten in dieser zunehmend gespaltenen Welt immer mehr in Vergessenheit“, schloss Benn. „Ich bitte die Menschen, ihre spontanen Reaktionen der Empörung über einen möglichen Auftritt – meine eigene eingeschlossen – zu überdenken und Ye so wie ich etwas Vergebung und Hoffnung entgegenzubringen.“

AKTUALISIERUNG: In einer Erklärung teilte West mit, er habe die Debatte rund um Wireless verfolgt und wolle sie nun direkt ansprechen.

„Mein einziges Ziel ist es, nach London zu kommen und eine Show des Wandels zu bieten, die durch meine Musik Einheit, Frieden und Liebe vermittelt“, sagte er und bot an, Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft persönlich zu treffen, „um zuzuhören“. Er fügte hinzu: „Ich weiß, dass Worte nicht reichen – ich muss Veränderung durch meine Taten zeigen. Wenn ihr offen dafür seid, bin ich da.“

Wests antisemitische Ausfälle begannen im Jahr 2022. Damals veröffentlichte er in sozialen Netzwerken eine Reihe beleidigender Beiträge und wurde daraufhin sowohl von X als auch von Instagram verbannt. Der Musiker wurde von seiner Künstleragentur fallen gelassen, und Modemarken wie Adidas und Balenciaga gingen ebenfalls auf Distanz zu West.

West veröffentlichte anschließend ein Foto von KKK-Gewändern, nahm seine frühere Entschuldigung bei der jüdischen Gemeinschaft zurück, bezeichnete sich selbst als „Nazi“ und behauptete, er habe „Herrschaft über seine Ehefrau“.

Im Februar 2025 begann West, T-Shirts mit Hakenkreuz-Aufdruck zu verkaufen. Im Mai veröffentlichte er den Song „Heil Hitler“, in dem er den NS-Diktator verherrlichte. In der Folge wurde ihm das Visum für eine Einreise nach Australien entzogen, und in Brasilien drohte ihm die sofortige Festnahme.

Inzwischen hat West sich für sein Verhalten entschuldigt und Anfang dieses Jahres eine ganzseitige Anzeige im Wall Street Journal geschaltet, um für seine früheren antisemitischen Äußerungen um Verzeihung zu bitten. Er sprach von einer „viermonatigen manischen Phase mit psychotischem, paranoidem und impulsivem Verhalten“ und erklärte, er habe „den Bezug zur Realität verloren“.

Viele stellten jedoch den Zeitpunkt seiner Entschuldigung infrage, auch mit Blick auf die jüngste Veröffentlichung seines neuen Albums „Bully“. Seine früheren Aussagen haben zudem dazu geführt, dass mehrere Länder seine Auftritte untersagt haben. Zuletzt war dies Frankreich, nachdem der Bürgermeister der südfranzösischen Hafenstadt Marseille, der zweitgrößten Stadt des Landes, erklärte, er wolle West seiner Stadt fernhalten.

Kanye West und seine Partnerin Bianca Censori bei der 67. Verleihung der Grammy Awards – Sonntag, 2. Februar 2025
Kanye West und seine Partnerin Bianca Censori bei der 67. Verleihung der Grammy Awards – Sonntag, 2. Februar 2025 AP Photo

Ob West überhaupt nach Großbritannien einreisen darf, ist offen. Berichten zufolge prüft die Regierung derzeit sein Einreiserecht.

Ministerinnen und Minister in Großbritannien können ausländischen Staatsangehörigen die Einreise verweigern, wenn ihre Anwesenheit nicht als „förderlich für das öffentliche Wohl“ gilt.

Kanye West stand zuletzt im Jahr 2015 in Großbritannien auf der Bühne, damals als Headliner des Glastonbury-Festivals.

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