Das Weiße Haus würdigt Gorilla Harambe ausführlich, zehn Jahre nach seinem Tod. Der Beitrag löst Kritik aus: Viele werfen Trumps Regierung Ablenkung von wichtigen Themen vor.
Eine „Legende“ und ein „wahrer Patriot“.
Nein, damit ist keine verspätete Würdigung des früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney gemeint, sondern die Beschreibung, die der offizielle Social-Media-Account des Weißen Hauses zum zehnten Todestag des Gorillas Harambe verwendete.
Für alle, die eine schmerzhafte Erinnerung brauchen: Harambe wurde am 28. Mai 2016 im Zoo von Cincinnati erschossen. Ein dreijähriger Junge war in das Gehege gestürzt. Der Gorilla zog das Kind aus dem Wassergraben, in den es gefallen war. Die Zooverantwortlichen ließen das Tier „um das Leben des Kindes zu retten“ töten, wie sie es damals erklärten.
Zehn Jahre später veröffentlichte der offizielle Regierungsaccount einen langen Nachruf. Darin trauerte er um „eine Ikone, die Teil der Internetgeschichte, der amerikanischen Kultur und der Timeline einer ganzen Generation geworden ist“.
„Er wurde zu einem Symbol für Loyalität, Stärke, Chaos, Zusammenhalt und die seltsame Schönheit des Internets, das Millionen Menschen für einen gemeinsamen Zweck zusammenbrachte: Harambe nie zu vergessen“, heißt es weiter. „Alle erinnern sich noch daran, wo sie waren, als sie die Nachricht hörten. Und irgendwie lebt sein Vermächtnis ein Jahrzehnt später immer noch weiter. Weg, aber nie vergessen. Ruhe in Frieden, wahrer Patriot.“
Tatsächlich entwickelte sich der Vorfall damals zu einem viralen Phänomen. Es entstanden Huldigungen, Memes, Gedichte und Forderungen nach besseren Sicherheitsmaßnahmen im Zoo. Im Netz folgte schnell ein Aufschrei. Eine Petition mit dem Titel „Justice for Harambe“ ging online.
Zum Zeitpunkt der Erschießung erklärte der damalige Präsidentschaftskandidat Donald Trump, die Zoo-Mitarbeitenden hätten „wahrscheinlich keine andere Wahl gehabt“.
Der seltsame Gedenkpost des Weißen Hauses hat nun eine weitere Welle der Empörung ausgelöst. Viele sehen sich darin bestätigt, dass die Regierung Trump die am wenigsten ernstzunehmende ist, die die USA je hatten.
„Gut zu sehen, dass sich das Weiße Haus voller Konzentration den wirklich wichtigen Themen des Tages widmet“, schrieb eine Nutzerin. Andere wiesen darauf hin, dass der Beitrag zu einem Zeitpunkt erscheint, an dem Trumps Krieg gegen Iran weitergeht und die Lebenshaltungskosten in die Höhe schießen.
Eine Person kommentierte: „Dieses Land ist eine Irrenanstalt.“ Eine andere schrieb: „Immer wenn sich die Welt ein wenig normal anfühlt, muss uns dieser verdammte Account daran erinnern, dass wir für weitere drei Jahre im Reddit-Regime feststecken.“
Einige Reaktionen im Überblick: