Bridgers reiht sich in die Reihe von Künstlern wie Bob Dylan, Jack White und Ghost ein und verbietet Handys bei ihren Konzerten strikt.
Phoebe Bridgers gibt ein Konzert im Madison Square Garden. Die Tickets kosten ab einem Dollar (0,87 Euro), und kein einziges Handy ist zu sehen. Es ist das Jahr 2026.
Vergangene Woche überraschte die Singer-Songwriterin ihre Fans mit einem kurzfristig angesetzten Auftritt in der legendären New Yorker Arena. Kurz darauf kündigte sie eine Ticket-Lotterie an: Karten kosteten weniger als eine Packung Kaugummi, der Erlös kam Menschen in Abschiebehaft zugute.
Die Niedrigpreise waren aber nicht die einzige Überraschung. Smartphones blieben draußen.
Die Besucherinnen und Besucher gaben ihre Geräte vor dem Einlass in Yondr-Hüllen ab – speziellen, weich gepolsterten Taschen mit Schloss, die an Schulen immer beliebter werden. So erlebten rund 20.000 Menschen das Konzert ohne Filmen, Streamen oder Posten.
Bridgers spielte dem Vernehmen nach acht neue Songs, entspannt auf einem Sofa sitzend – vor einem gebannten, wenn auch buchstäblich eingefangenen Publikum.
Jetzt geht sie mit ihrem handyfreien Konzept auf Tour.
Nach einem Monat voller Konzerte in den USA bringt Bridgers „The Lost Tour“ im November und Dezember nach Nordeuropa, mit 14 Auftritten.
Der frühere Frontmann von Black Country, New Road, Isaac Wood, begleitet sie auf dem Nordeuropa-Abschnitt der Tour, mit Stationen in Dublin, Brüssel, Amsterdam, Stockholm und weiteren Städten.
Fans und Bands einig: Handys bleiben besser zu Hause
Bridgers gehört zu einer wachsenden Gruppe von Künstlerinnen, Künstlern und Fans, die sich fragen, ob Smartphones das Live-Erlebnis grundlegend verändert haben.
Im Netz finden sich Beschwerden über Handys bei Konzerten zuhauf.
Ein kürzlich ausverkauftes Hayley-Williams-Konzert in Mailand löste mehrere Reddit-Diskussionen aus. Viele Nutzer ärgerten sich über Zuschauer, die große Teile der Show nur durch die Handykamera verfolgten.
„Gut ein Drittel der Konzertbesucherinnen und -besucher hat das komplette Konzert gefilmt und fotografiert (sic)“, schrieb (Quelle auf Englisch) ein Nutzer.
Ein anderer, deutlich derberer Thread beklagte unter anderem Besucherinnen und Besucher, die sich selbst beim Mitsingen von Williams’ Songs filmten. Das Publikum sei das schlechteste gewesen, das man je bei einem Konzert gesehen habe, hieß es dort.
„Völlig durchgedrehtes Verhalten, meiner Meinung nach“, kommentierte (Quelle auf Englisch) ein anderer Nutzer als Antwort.
Da Handys inzwischen zum unvermeidlichen Bestandteil von Konzerten – und des Alltags überhaupt – geworden sind, versuchen einige Künstlerinnen und Künstler wie Bridgers, sie wieder in die Taschen der Leute zu verbannen.
Bob Dylan etwa setzt schon seit Jahren auf Yondr-Taschen, die Handys während seiner Tourneen wegsperren; 2024 galt das Verbot für eine komplette Großbritannien- und Europatour. Jack White wirbt seit Langem für handyfreie Konzerte. Tobias Forge, Frontmann der schwedischen Rockband Ghost, nannte das Handyverbot der Gruppe kürzlich einen echten „Life-Changer“.
Schon Adele sorgte im vermeintlich einfacheren Jahr 2016 für Schlagzeilen, als sie während eines Konzerts einen Fan rügte, der sie lieber filmte, statt zuzuschauen.
Doch nicht alle Musikerinnen und Musiker führen einen Feldzug gegen Smartphones.
2024 kritisierte Blur-Frontmann Damon Albarn Dylans Handyverbot. Künstlerinnen und Künstler sollten das Publikum lieber besser mitreißen, statt es einzuschränken, argumentierte er. „Die Leute wollen gar nicht am Handy hängen, wenn man sie richtig packt“, sagte er der BBC.
Egal, auf welcher Seite man in dieser Debatte steht: Bridgers setzt darauf, dass genug Fans ihre Musik im Moment erleben wollen, nicht durch einen Bildschirm.
Tickets für „The Lost Tour“ gehen am zehnten Juni über ihre Website (Quelle auf Englisch)in den Verkauf und dürften rasch vergriffen sein. Für den Vorverkauf kann man sich schon jetzt registrieren.