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Wer ist Count Binface, der außerirdische Krieger, der gegen Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage antritt?

Wer ist Count Binface, der Weltraumkrieger, der gegen Nigel Farage antritt?
Wer ist Count Binface, der Weltraumkrieger, der gegen Nigel Farage antritt? Copyright  AP Photo
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Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Diese Woche scheint das Rennen um den nächsten britischen Premier entschieden. Spannender wirkt das Duell zwischen Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage und einem online viral gehenden Komiker. Fragen sich die Briten, ob der Spaß zu weit geht?

Über den Atlantik zu blicken und angesichts der US-Politik unter Donald Trump zu verzweifeln, fällt leicht. Doch auch auf dem alten Kontinent fehlt es nicht an politischem Klamauk.

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Brexit-Vorkämpfer, prominenter EU-Skeptiker, glühender Trump-Anhänger und Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK Nigel Farage sorgt regelmäßig mit seinen Eskapaden für Schlagzeilen, zuletzt mit seinem Rücktritt als Abgeordneter, um eine Nachwahl auszulösen in seinem Wahlkreis Clacton.

Farage sprach von einer „abgekarteten Intrige des Establishments“, nachdem er wegen einer nicht deklarierten Spende von fünf Millionen Pfund eines Krypto-Magnaten und Geschenken eines verurteilten Straftäters unter Druck geraten war.

Viele werten den Schritt als Versuch, der Untersuchung durch den Parlamentsbeauftragten für Verhaltensregeln zu entgehen und von den schweren Vorwürfen gegen seine Geldgeber abzulenken.

Bei der Nachwahl will Farage seinen Sitz dennoch zurückerobern.

Nigel Farage kündigt seinen Rücktritt an – siebter Juli 2026
Nigel Farage kündigt seinen Rücktritt an – siebter Juli 2026 AP Photo

Die großen politischen Parteien verzichten geschlossen darauf, Kandidierende für die Nachwahl aufzustellen, die Farage als Kampf „Volk gegen Establishment“ verkauft.

Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer nannte das Manöver einen „verzweifelten PR-Gag“, Grünen-Chef Zack Polanski sprach von einer „Zirkusnummer“, und die konservative Parteichefin Kemi Badenoch bezeichnete das Rennen als „Fake“ und warf Farage einen „Wutanfall“ vor.

Finanzministerin Rachel Reeves sagte: „Das ist eine Farce und ein verzweifeltes Ablenkungsmanöver, und die Menschen in Clacton haben Besseres verdient. Aber wenn er den Sommer damit verbringen will, mit einer Mülltonne zu streiten, halte ich ihn nicht auf.“

Eine Mülltonne?

Ja, Sie haben richtig gelesen. Weil die anderen Parteien keine eigenen Kandidierenden aufstellen, steigen die Chancen eines Spaßkandidaten, der als Farages wichtigste – und derzeit einzige – Konkurrenz in der Nachwahl gilt.

Sein Name? Count Binface.

So sieht er aus:

Count Binface
Count Binface AP Photo

Statt gegen das „Establishment“ tritt Farage also gegen einen Mann an, der einen Mülleimer auf dem Kopf trägt.

Das wirkt skurril, vielleicht völlig absurd, ist im Vereinigten Königreich aber nichts Neues. Großbritannien pflegt eine lange Tradition von Spaß- und Protestkandidaturen: Namen wie Screaming Lord Sutch, Captain Beany, Lord Toby Jug oder Howling Laud Hope sind legendäre Exzentriker, die aus Satire oder Protest bei Wahlen antraten. Und die Britinnen und Briten brillieren seit jeher darin, Albernheit zu feiern und sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen – das zeigen unzählige schräge Kostüme und Requisiten aus früheren Wahlkämpfen.

Nun ruhen – scherzhaft gesprochen – die Hoffnungen einer Nation auf den Darth-Vader-Schultern von Count Binface, der im Netz viral geht und immer mehr Fans sammelt.

Count Binface: Wer hinter der Mülltonne steckt

Wer steckt in der Mülltonne?

Er heißt Jonathan Harvey, ein Komiker, der früher unter dem Namen Lord Buckethead zu Wahlen antrat. Nach einer Urheberrechtsbeschwerde gab er sich 2018 den neuen Künstlernamen Count Binface.

Auf seinem Profil bei Great British Speakers (Quelle auf Englisch) heißt es, Harvey sei „ein erfahrener Satiriker, Comedy-Autor und Performer, der scharfe politische Analyse mit theatralischem Absurditäten verbindet und so eine unverwechselbare Stimme für Konferenzen, Podien und politische Veranstaltungen bietet“.

Als Count Binface trägt er ein schwarz-graues Kostüm, einen silbernen Umhang und einen riesigen Mülleimer-Helm. Er bezeichnet sich als außerirdischen Weltraumkrieger vom Planeten Sigma IX.

Der selbsternannte Anführer der Recyclons – der nach eigenen Angaben über 5.900 Jahre alt ist – ist kein Neuling im Politikbetrieb. Er trat bereits bei mehreren Wahlen an: gegen Boris Johnson bei der Unterhauswahl 2019 und erneut 2023 bei der Nachwahl in Uxbridge and South Ruislip; gegen Sadiq Khan bei den Bürgermeisterwahlen in London 2021 und 2024; sowie gegen Rishi Sunak bei der Unterhauswahl 2024. Zuletzt stand er auf der Bühne, als der Labour-Veteran und designierte Premierminister Andy Burnham seinen Sieg bei der Nachwahl in Makerfield feierte.

Schauen Sie sich das Bild unten an:

Count Binface im vergangenen Monat
Count Binface im vergangenen Monat AP Photo

Ja, links neben Burnham steht ein weiterer Spaßkandidat im Fuchskostüm. Wir sind uns bis heute nicht sicher, ob es sich dabei um Robert Pownall, den Gründer der Kampagnengruppe Protect the Wild, handelt – oder ob wir uns das nur einbilden.

Count Binface: Was in seinem Programm steht

Festhalten.

In seinen Programmen forderte Count Binface etwa, mindestens ein bezahlbares Haus zu bauen, Preisobergrenzen für Croissants und Wigan-Kebabs einzuführen, die Sängerin Adele zu verstaatlichen und „den Händetrockner auf der Herrentoilette im Pub Crown and Treaty in Uxbridge an eine sinnvollere Stelle zu versetzen“.

Weitere Vorschläge: den Preis für 99-Flake-Eis auf 99 Pence zu senken, die London Bridge in „Phoebe Waller-Bridge“ umzubenennen und die Chefs des Wasserunternehmens Thames Water zu einem Bad in der Themse zu zwingen – damit sie am eigenen Leib spüren, was es heißt, wenn Abwässer in den Fluss geleitet werden.

Ganz so für die Tonne sind manche Ideen gar nicht ...

Mehr als nur ein Witz

Count Binface
Count Binface AP Photo

Auf der Website Great British Speakers heißt es weiter über Harvey: „Jon verbindet Insiderwissen über politische Systeme mit Kampagnenerfahrung und nachweislicher Fähigkeit, sein Publikum zu erreichen.“

Harvey nutzt die Figur Count Binface nicht nur, um die britische Politik und ihre verknöcherten Rituale zu verspotten. Er will damit auch Diskussionen über Demokratie anstoßen und Menschen zum Wählen bewegen.

Das ist alles andere als ein bloßer Scherz.

Count Binface gegen Nigel Farage: Wie stehen die Chancen?

Nigel Farage
Nigel Farage AP Photo

Könnte Count Binface für eine der größten und zugleich skurrilsten Überraschungen der jüngeren britischen Politik sorgen?

Gefragt, ob er Farage schlagen könne, antwortete Count Binface im „Today Programme“ von BBC Radio 4: „Wahrscheinlich nicht. Aber meine Aufgabe ist es ja, die Wunder der britischen Demokratie zu feiern und zu verteidigen. Und schauen Sie sich das an: Allein die Tatsache, dass Sie mich interviewen ... Dass die anderen Parteien gar nicht antreten, sagt mehr über sie aus als über mich.“

„Haben sie etwa Angst vor Old Binny – oder glauben sie, dass Nigel nur einen ausgebufften PR-Stunt hinlegt?“, legte er nach.

Die Wettquoten sprechen zwar gegen Count Binface, dennoch sollte man seine Zugkraft nicht unterschätzen. Bei der Londoner Bürgermeisterwahl 2021 holte er immerhin 92.896 Stimmen und landete als Neunter unter 20 Kandidierenden.

Farage gilt weiterhin als Favorit. Angesichts der Ablehnung, die er im Land auf sich gezogen hat, ist ein Überraschungssieg aber nicht ausgeschlossen. Count Binface betont zudem, sein größter Pluspunkt bei den Wählerinnen und Wählern sei, dass er „nicht Nigel Farage“ sei.

Und im britischen Politikbetrieb sind schon weitaus unwahrscheinlichere Dinge passiert.

Man denke nur an das kaum noch zu überblickende Kommen und Gehen im Amt des britischen Premiers in einem zunehmend schwer regierbaren Land. Oder an den berühmten Salatkopf, der länger durchhielt als Liz Truss im Regierungssitz. Ein weiteres Beispiel liefert Stuart Hughes.

Der englische Politiker kandidierte zunächst erfolglos für das Unterhaus für die Official Monster Raving Loony Party. 1991 wurde er dann auf Bezirksebene in Devon für die Raving Loony Green Giant Party gewählt. Er war damit der erste Kandidat dieser „Raving Loony“-Spaßpartei, der eine umkämpfte Wahl gewann.

Bricht also eine neue Ära der britischen Politik an, in der der Müllmann den politischen Abfall entsorgt?

Wenn ja, dürfte Count Binface zum Posterboy eines britischen Humors werden, der wieder einmal ganz im Sinne von Monty Python triumphiert.

Wenn nicht, bleibt immer noch Farages Demütigung. Schon die Tatsache, dass er bei der anstehenden Nachwahl nur gegen einen einzigen Gegner antritt, der eine Mülltonne auf dem Kopf trägt, liefert reichlich Stoff für Spott – und schadet seinem Ruf weiter.

Andy Burnham hat die Farage-Sticheleien bereits eröffnet. Er teilte ein Foto von sich mit Count Binface und schrieb dazu: „Es ist immer gut zu wissen, wann Müllabfuhr ist.“

Wenn Farage merkt, wie spektakulär sein politisches Manöver nach hinten losgegangen ist, sollte auch er sich diesen Termin vielleicht besser im Kalender markieren.

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