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Euronews Culture: Film der Woche „Spider-Man: Brand New Day“ rettet das MCU?

Film der Woche: „Spider-Man: Brand New Day“
Film der Woche: Spider-Man – Brand New Day Copyright  Sony Pictures
Copyright Sony Pictures
Von David Mouriquand
Zuerst veröffentlicht am
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Für das MCU waren die vergangenen fünf Jahre hart: Nach „Endgame“ gab es mehr Flops als Treffer, nun soll Spider-Man die Reihe wieder auf Kurs bringen.

Hinweis: Diese Kritik enthält keine Spoiler.

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Die Feststellung, dass das Marvel-Universum MCU seit dem Start von Phase vier im Jahr 2021 und der zähen Phase fünf auf einer steilen Talfahrt ist, ist längst keine gewagte These mehr. Beide Phasen laufen unter dem gemeinsamen Titel „The Multiverse Saga“.

Was einmal als gut durchdachte Superheldensaga begann, ist zu einer Geduldsprobe geworden: immer schwächere Filme, die sich von der einst greifbaren Alltagsbasis der Geschichten entfernen. Damals prallten abgedrehte Superheldenaktionen auf die reale Welt. Heute dominieren meist austauschbare Multiverse-Storys, die ohne Vorwissen kaum noch zu verfolgen sind, massenhaft Handlungsstränge und Figuren verheizen und so direkt in Superhelden-Müdigkeit münden.

Nun steht mit dem Multiverse-Saga-Finale Avengers: Doomsday – und hoffentlich dem Ende des Markenschadens – der nächste Brocken an. Kann Spider-Man vorher noch einmal zeigen, warum das MCU einst so besonders war?

Größtenteils ja. Tom Holland liefert mit seinem vierten Solo-Auftritt als beliebter Netzschwinger ein deutlich bodenständigeres Abenteuer ab – im übertragenen Sinn und buchstäblich. Der Film fühlt sich nah an der Comicvorlage an.

Am bittersüßen Ende von Spider-Man: No Way Home (2021) sorgte ein Zauber von Doctor Strange dafür, dass die ganze Welt vergaß, dass Peter Parker Spider-Man ist. Für das treffend betitelte Brand New Day bedeutet das einen echten Neustart.

Peter ist für seinen besten Freund Ned (Jacob Batalon) ein Niemand und völlig aus dem Gedächtnis seiner großen Liebe MJ (Zendaya) gelöscht. Einsam und mit gebrochenem Herzen, gezwungen „allein mit der Wahrheit zu leben“, stürzt er sich in seine Existenzkrise, indem er sich voll und ganz dem Job als „freundlicher Superheld von nebenan“ widmet. Er legt Verbrecher lahm, hilft der Polizei von New York bei Banküberfällen und arbeitet gelegentlich mit seinem nervigen Verbündeten Frank „The Punisher“ Castle (Jon Bernthal) zusammen.

Während eines dieser streitlustigen Team-Ups stößt Spidey auf eine neue, düstere Bedrohung: ein Wesen, das scheinbar von Bewusstsein zu Bewusstsein springen und dabei Körper kapern kann. Man denke an Fallen aus dem Jahr 1998, nur mit weniger Dämonen und mehr ruckartigen Zuckungen.

Die geheimnisvolle, namenlose Figur dahinter will ins Department of Damage Control einsickern, eine Regierungsbehörde unter der Leitung von Bill Metzger (Tramell Tillman). Dessen Ziel: „zerstörerische Energie in etwas Nützliches umleiten“. Klingt das dubios, funktionieren Ihre Spidey-Sinne noch.

Peter bekommt sein Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben nicht in den Griff. Die ständige Angst und der Dauerstress schlagen sich körperlich nieder. Seine menschlich-arthropode DNA gerät aus dem Gleichgewicht – eine traumabedingte Spinnen-Pubertät, gewürzt mit einer Prise Cronenberg.

Spider-Man: Brand New Day
Spider-Man: Brand New Day Sony Pictures

Die Handlung spielt ausschließlich in den fünf Stadtbezirken von New York. Es ist wohltuend, eine straßennah erzählte Spider-Man-Geschichte zu sehen, die den Wände hochkletternden Helden mit „Baby-Kartoffel-Kram“ beschäftigt und nicht mit Avengers-großen „Riesen-Kartoffel-Problemen“, wie es ein kartoffelvernarrter Überraschungsgast ausdrückt. Regisseur Destin Daniel Cretton, der von Stammregisseur Jon Watts übernimmt, führt die Figur konsequent zu ihren Comicwurzeln zurück, sorgt für glaubwürdige Fallhöhe und bringt Emotion und Spektakel in Einklang.

Tom Holland zieht bei all dem mit. Er trifft weiterhin perfekt den Kern der Figur, darf hier jedoch von der bisher so präsenten, welpenhaften Sprücheklopferei abrücken und einen jungen Mann zeigen, der spürbar unter seiner Einsamkeit leidet. Er macht den Antrieb, die Isolation und den Schmerz nach dem Tod von Tante May greifbar. Die Frage „Können Peter Parker und sein netzschießendes Alter Ego glücklich koexistieren?“ haben Fans schon oft gesehen. Holland hebt diesen bekannten Konflikt, indem er beiden Facetten eine dunklere, emotional stärker nachhallende Seite gibt. Zugleich lässt er löblicherweise immer wieder Licht durchscheinen – vor allem in den Szenen mit The Punisher, in denen Bernthal eine willkommene New-York-Attitüde à la „Ich geh hier!“ ins Ensemble bringt.

Ganz rund ist das Ganze dennoch nicht …

Spider-Man: Brand New Day
Spider-Man: Brand New Day Sony Pictures

Die Rückbesinnung auf die Grundlagen macht die erste Hälfte von Spider-Man: Brand New Day zur stärksten Phase des Films. Nach und nach verwässert das Drehbuch sie jedoch, weil es Figuren hineinpresst, die eher wie Pflichtübungen wirken. So schön es ist, Bruce Banner / Hulk (Mark Ruffalo) wiederzusehen: Sein Auftritt dient vor allem der Erklärung und hätte einen besseren erzählerischen Aufhänger gebraucht, um nicht so konstruiert zu wirken.

Beim eigentlichen „Antagonisten“ wird es heikel, denn ohne Spoiler ist der Charakter schwer zu besprechen. Seine Identität hält das Studio ganz bewusst unter Verschluss, inklusive des Marketingmaterials – es wäre unfair, die Überraschung zu verderben. Nur so viel: Sadie Sink spielt die Figur und liefert eine unheimliche, fesselnde Performance ab. Sie verspricht viel, und wir werden sie in kommenden MCU-Kapiteln wiedersehen. Allerdings dominiert ihre Story den deutlich behäbigeren zweiten Teil des Films. Peter gerät nie wirklich aus dem Fokus, doch das Drehbuch opfert spürbar vieles von dem, was die erste Hälfte so verheißungsvoll machte, um erneut in die MCU-Weltaufbau-Falle zu tappen. Eine wirklich abgeschlossene Einzelgeschichte hätte besser funktioniert, statt so viel Zeit in die Einführung einer künftigen Schlüsselspielerin und die Pflege von Franchise-Verbindungen zu investieren.

Spider-Man: Brand New Day
Spider-Man: Brand New Day Sony Pictures

Trotz dieser Schwächen und obwohl Spider-Man: Brand New Day nicht der Befreiungsschlag ist, den das MCU so dringend bräuchte, punktet der Film mit konstant starken Actionszenen und einer großartigen Leistung von Holland, der inzwischen zurecht als bester Spider-Man der Leinwand gelten darf. Seine vier Solo-Abenteuer zeigen deutlich, wie sehr Marvel ihn im Heldenkader braucht.

Später im Jahr meldet sich das Studio mit weiteren Multiverse-Spielereien zurück: dem gigantischen Team-Up Doomsday, einem kolportierten 700-Millionen-Dollar-Gamble, das Marvel den Status als Kassenjuggernaut zurückbringen soll. Es wirkt wie ein Alles-oder-nichts-Moment für das Studio. Bis dahin täte Chef Kevin Feige gut daran, von Brand New Day zu lernen. Der Film ist der beste MCU-Beitrag seit Spider-Man: No Way Home aus dem Jahr 2021. Das ist nur verhaltenes Lob, zeigt aber: Eine geerdete Geschichte über den einsamsten Netzschwinger New Yorks schlägt das überladene „Größe statt nachvollziehbarer Einsätze“-Getue der „Mächtigsten Helden der Erde“. Jetzt ist „Doomsday“ am Zug.

Spider-Man: Brand New Day läuft jetzt im Kino.

Cutter • Amber Louise Bryce

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