Loader
Finden Sie uns
Werbung

PISA-Studie: Digitale Welt lässt Lese- und Mathekompetenzen weltweit sinken

Schülerinnen und Schüler der Bristnall Hall Academy in Oldbury, England, reagieren auf ihre GCSE-Ergebnisse am Donnerstag, 20. August 2020.
Schülerinnen und Schüler der Bristnall Hall Academy im englischen Oldbury reagieren, als sie am Donnerstag, 20. August 2020, ihre GCSE-Ergebnisse erhalten. Copyright  Jacob King/PA via AP
Copyright Jacob King/PA via AP
Von Inês Trindade Pereira
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

In den OECD-Staaten lassen die Leistungen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nach, traditionelle Unterschiede zwischen privilegierten und benachteiligten Schülern verschwimmen. Wo steht die EU?

Die Mathe- und Lesekompetenzen von Schülerinnen und Schülern gehen weltweit zurück. Gründe sind vor allem die fortschreitende Digitalisierung und weniger Lesen in der Freizeit.

WERBUNG
WERBUNG

Der jüngste Pisa-Bericht der OECD misst, wie gut 15-Jährige ihre Lese-, Mathe- und Naturwissenschaftskompetenzen anwenden. Er zeigt: In den OECD-Ländern haben die Leistungen in Mathematik und Lesen einen Rekordtiefstand erreicht.

In der EU liegen die Schülerinnen und Schüler in Spanien, Kroatien, Luxemburg, Malta, Griechenland, Rumänien, Zypern und Bulgarien in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften unter dem OECD-Durchschnitt.

Über dem Durchschnitt schneiden nur Estland, Finnland, Irland, Österreich, Polen und Tschechien ab.

Am stärksten brach die Lesekompetenz ein: Zwischen 2015 und 2025 gingen die Werte in den OECD-Ländern um 28 Punkte zurück. Besonders stark verloren Schülerinnen und Schüler aus wohlhabenden Familien.

Zu den Gründen für den Rückgang zählen eine zunehmende Digitalisierung, längere Bildschirmzeiten und immer weniger Lesen zum Vergnügen.

„Am beunruhigendsten ist der Rückgang genau jener Kompetenzen, die im KI-Zeitalter am meisten zählen: Informationen bewerten, Zusammenhänge zwischen mehreren Quellen herstellen und kritisch über das Gelesene nachdenken“, heißt es in dem Bericht.

„Der Anteil der sogenannten ‚flüchtigen Leserinnen und Leser‘ – Schülerinnen und Schüler, die Texte hastig überfliegen und schnelle, aber falsche Antworten geben – hat sich zwischen 2018 und 2025 nahezu verdoppelt. In einer Welt, die immer stärker mit Informationen überflutet wird, denken unsere Schülerinnen und Schüler seltener in die Tiefe und trennen weniger klar zwischen Signal und Rauschen.“

Im Jahr 2025 lagen in der EU sieben Länder mit ihrer durchschnittlichen Leistung deutlich über dem OECD-Durchschnitt, 13 Mitgliedstaaten dagegen klar darunter.

Die Länder mit den größten Einbrüchen beim Lesen verzeichneten meist auch die stärksten Rückgänge in Mathematik und Naturwissenschaften.

Auch in Mathematik sanken die Ergebnisse im vergangenen Jahrzehnt – im Schnitt um 22 Punkte. Das entspricht etwas mehr als einem Schuljahr Lernzeit.

Im vergangenen Jahr schnitten elf EU-Staaten deutlich besser ab als der OECD-Durchschnitt, neun Mitgliedstaaten lagen klar darunter.

Die Naturwissenschaften erwiesen sich dagegen als vergleichsweise stabil und verzeichneten den geringsten Rückgang.

Nur acht EU-Länder erreichten bei den 15-Jährigen Werte über dem OECD-Durchschnitt, in zehn EU-Staaten lagen die Ergebnisse darunter.

Schwindet die soziale Kluft im Bildungswesen?

Der Bericht hält zudem fest, dass die Welt sich nicht mehr einfach in reiche Länder mit guten Schulen und arme Staaten mit schwachen Schulsystemen teilt.

„Zwischen 2022 und 2025 ist die sozioökonomische Kluft vor allem deshalb kleiner geworden, weil die Leistungen der privilegierten Schülerinnen und Schüler zurückgingen – nicht, weil benachteiligte Kinder große Fortschritte gemacht hätten“, heißt es im Pisa-Bericht.

In den Naturwissenschaften blieben die Ergebnisse benachteiligter Schülerinnen und Schüler in allen OECD-Ländern stabil. Die Leistungen der besser Gestellten gingen dagegen um acht Punkte zurück.

Beim Lesen verloren benachteiligte Jugendliche vier Punkte, Schülerinnen und Schüler aus privilegierten Familien sogar 20 Punkte.

In Mathematik büßten privilegierte Jugendliche 14 Punkte ein; bei benachteiligten Jugendlichen war die Veränderung statistisch nicht signifikant.

Luxemburg ist etwa mit Abstand der größte Bildungsausgeber und investiert rund 248.479 Euro pro Schülerin oder Schüler. Dennoch liegen die durchschnittlichen Naturwissenschaftsergebnisse unter denen von Irland, Frankreich und Italien, die jeweils weniger als die Hälfte dieses Betrags pro Kopf ausgeben.

„Die erfolgreichsten Bildungssysteme konzentrieren sich auf weniger Schwerpunkte und vertiefen diese stärker. Sie investieren in Lehrkräfte, beziehen Eltern ein und richten gezielte Unterstützung an die Schülerinnen und Schüler und Schulen, die sie am dringendsten brauchen“, sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann.

„Technologie und KI können das Lernen stärken und junge Menschen besser auf die Zukunft vorbereiten, aber nur, wenn sie bewusst eingesetzt werden und nicht Aufmerksamkeit, Anstrengung und Verständnis ersetzen.“

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Neues Schuljahr: In welchen EU-Ländern verdienen Lehrkräfte am meisten?

Zu heiß: Wie Hitzewellen künftig Europas Sommerferien beeinflussen könnten

Wie zufrieden sind die Lehrer in Europa?