Die Lage an der Straße von Hormus spitzt sich weiter zu. Bei einem Angriff auf ein iranisches Handelsschiff wurden ein Mensch getötet und drei weitere verletzt. Der Vorfall verschärft die ohnehin angespannte Sicherheitslage auf der wichtigen internationalen Schifffahrtsroute.
Ein iranisches Handelsschiff ist am Sonntag nahe der Straße von Hormus von einem nicht identifizierten Geschoss getroffen worden. Dabei kam eine Person ums Leben, drei weitere wurden verletzt.
Das Schiff wurde nach Angaben iranischer Behörden nahe der Insel Qeschm getroffen. Unabhängig davon meldete auch die United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO), die maritime Sicherheitsvorfälle überwacht, dass ein Schiff während der Durchfahrt durch die Straße von Hormus von einem Geschoss getroffen worden sei.
Zunächst war unklar, ob sich die beiden Meldungen auf dasselbe Schiff bezogen.
Die UKMTO machte keine Angaben dazu, welche Waffe eingesetzt wurde oder wer für den Vorfall verantwortlich war. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Angriff. Auch das US-Militär äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
Der Angriff ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus infolge des Konflikts zwischen Iran, den USA und Israel auf einen Bruchteil seines normalen Umfangs zurückgegangen ist.
Reuters berichtete, dass am 10. September lediglich sieben Schiffsdurchfahrten durch die Meerenge registriert wurden. Vor dem Krieg waren es durchschnittlich etwa 125 pro Tag. Einige Schiffe, deren Ortungssysteme ausgeschaltet waren, sind in diesen Zahlen nicht enthalten.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Energietransitrouten der Welt und zugleich einer der bedeutendsten Engpässe für den globalen Energiehandel. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Vor Beginn des Konflikts wurde etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung durch diese Wasserstraße transportiert.
Der jüngste Vorfall folgt auf eine Reihe von Angriffen auf Handelsschiffe in der Region. Sowohl Iran als auch die USA waren an militärischen Aktionen beteiligt, die Schiffe in und um die Meerenge beeinträchtigten.
Die Störungen haben auch Auswirkungen auf alternative Transportwege für Öl.
Nächste Pipeline stillgelegt
Saudi-Arabien hat nach einem Drohnenangriff vorübergehend seine Ost-West-Ölpipeline stillgelegt, wie Reuters berichtete. Die 1.200 Kilometer lange Pipeline ermöglicht es, saudisches Rohöl zum Roten Meer zu transportieren, ohne die Straße von Hormus passieren zu müssen. Sie beförderte zuletzt etwa vier bis fünf Millionen Barrel Öl pro Tag.
Die Stilllegung der Pipeline beseitigt eine wichtige Alternative zu einem Zeitpunkt, an dem der Verkehr durch die Straße von Hormus bereits stark eingeschränkt ist.
Der jüngste Angriff auf das Schiff ereignet sich zudem kurz vor einem für Montag geplanten Treffen im Oman. Dabei wollen Iran und die Golfstaaten über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus beraten.
Iran erklärte, eine Wiederöffnung der Wasserstraße werde von Bedingungen abhängen, die Teheran festlegt. Dazu gehört die Forderung, Irans Rolle bei der Kontrolle der Meerenge anzuerkennen und Iran zu erlauben, Gebühren von Schiffen zu erheben, die die Wasserstraße passieren. Oman und die USA haben diese Forderungen abgelehnt.
Iranische Vertreter erklärten außerdem, dass sie nicht damit rechnen, dass das Treffen am Montag zu einem unterzeichneten Abkommen führen wird.
Die unmittelbaren Umstände des Angriffs am Sonntag sind weiterhin unklar. Die Behörden haben bislang weder den Angreifer noch die eingesetzte Waffe öffentlich identifiziert. Auch ist nicht bekannt, ob das Schiff gezielt angegriffen wurde.