Nach Moria-Feuer: Was wird aus den Flüchtlingen?

Nach Moria-Feuer: Was wird aus den Flüchtlingen?
Copyright Petros Giannakouris/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Petros Giannakouris/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
Von Joanna Gill
Diesen Artikel teilenKommentare
Diesen Artikel teilenClose Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopierenCopy to clipboardCopied

Das Feuer in dem überfüllten Lager auf der griechischen Insel Lesbos stellt die EU vor Fragen, denen sie bisher ausgewichen ist

WERBUNG

Rauchsäulen über Moria. Luftaufnahmen zeigen Tausende Migranten auf der Suche nach Nahrung und Unterkunft, nachdem das überfüllte Lager auf der griechischen Insel Lesbos ein Raub der Flammen wurde.

Über die Ursache des Feuers gibt es unterschiedliche Angaben. Doch Europas größtes Flüchtlingslager war seit langem umstritten.

Moria sei eine tickende Zeitbombe gewesen, eine Katastrophe wie das Feuer habe man seit langem befürchtet, sagt Stephan Oberreit von Ärzte ohne Grenzen.

Die Zustände in Moria seien unzureichend und inakzeptabel. Zuletzt seien dort 20.000 Menschen untergebracht gewesen, obwohl das Lager nur ein Fassungsvermögen von 3000 gehabt habe.

Das Feuer habe verhindert werden können, wenn das Lager nicht seit so langer Zeit so heruntergekommen gewesen sei.

Die EU bot Griechenland rasche Hilfe an. Ratspräsident Charles Michel äußerte sich zugleich bestürzt.

Bei allem Mitgefühl schwebt nun die Frage im Raum, wo die Flüchtlinge nun untergebracht werden sollen? Welche Länder bieten sich an?

Die EU-Kommission werde weiterhin die Staaten unterstützen, die bei der Aufnahme von Migranten die größten Lasten trügen, so Innenkommissarin Ylva Johansson.

Doch müssten die Zustände deutlich besser sein als in Moria.

Johannson unterstrich, dass die EU in den letzten Monaten Tausenden Flüchtlingen bei der Ansiedlung in der EU geholfen habe.

Das sei ein Beweis dafür, dass es bei aller politischen Rhetorik die Bereitschaft zu ganz konkreter Zusammenarbeit gebe.

Bis zum Enbde des Monats will die EU eine Neufassung des Migrationspakts vorlegen, doch humanitäre Organisationen haben keine hohen Erwartungen.

Zu befürchten sei, dass die Lage in Griechenland und das griechische System zur Grundlage der künftigen Asylstrategie gemacht würden, sagt Evelien van Roemburg von Oxfam.

Nötig sei aber das genaue Gegenteil. Die Flüchtlinge dürften nicht in Lager gesteckt werden, müssten fürsorglicher behandelt und gleichmäßig und solidarisch auf alle EU-Staaten verteilt werden, nicht nur in Südeuropa.

Für die Politik in Europa dürfte das Feuer von Moria ein Warnsignal gewesen sein.

Die Fragen nach den Zuständen in einem Flüchtlingslager müssen künftig wahrheitsgemäß beantwortet werden.

Journalist • Stefan Grobe

Diesen Artikel teilenKommentare

Zum selben Thema

Exklusiv: Michel zu Iran-Israel: "Hoffe, das ist das Ende der Geschichte"

State of the Union: Vetternwirtschaft und antidemokratischer Zorn

Konkurrenz aus USA und Fernost: EU berät über neue Wettbewerbsstrategie