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Malloch Brown: Kein politischer Wille, um den armen Teil der Welt zu impfen

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Von Stefan Grobe
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Malloch Brown: Kein politischer Wille, um den armen Teil der Welt zu impfen
Copyright  RODGER BOSCH/AFP

Für diejenigen, die die Ukraine-Russland-Krise verfolgen, war diese Woche ein reines Auf und ab mit gemischten Signalen. Zunächst gab es Warnungen aus dem Westen, dass ein russischer Angriff unmittelbar bevorstehe, noch vor dem Ende der Olympischen Winterspiele.

Dann verkündete Russland, dass einige Manöver zu Ende seien und die Truppen nach Hause gingen. Doch die USA und die NATO trauten dem nicht, im Gegenteil. Sie glaubten, dass Moskau seinen Truppenaufmarsch fortsetzte.

Unterdessen wurden die diplomatischen Gespräche von der russischen Hauptforderung dominiert, nämlich dass die Ukraine niemals der NATO beitreten dürfe. Ein sensibles Thema für Wladimir Putin: "Wir haben die NATO direkt vor unserer Haustür. Dann wird ein möglicher Beitritt der Ukraine diskutiert. Sie sagen, es werde nicht morgen geschehen. Aber wann? Vielleicht übermorgen? Was ändert das für uns in historischer Perspektive? Absolut nichts."

Putin sprach diese Worte während einer Pressekonferenz nach Gesprächen mit dem neuen deutschen Bundeskanzler. Olaf Scholz spielte nicht nur die Aussichten auf eine NATO-Mitgliedschaft herunter, er machte sich auch noch über Putin lustig, der vielleicht ewig im Amt bleiben wolle.

Ein NATO-Beitritt der Ukraine "steht nicht auf der Tagesordnung, jeder weiß das ganz genau. Das ist kein Thema, das uns wahrscheinlich in unseren Ämtern begegnen wird wieder, solange wir sie ausüben. Ich weiß jetzt nicht, wie lange der Präsident vorhat, im Amt zu sein, aber ich jedenfalls habe das Gefühl, das könnte länger dauern - aber nicht ewig."

Ein ziemlich ungewöhnlicher Witz auf Putins Kosten - und dann noch im Kreml.

Scholz verließ dann Moskau, um sich in Brüssel anderen wichtigen Geschäften zu widmen, nämlich dem zwei Mal verschobenen EU-Afrika-Gipfel - einem massiven Treffen von Staats- und Regierungschefs beider Kontinente. Und wann immer ein solches Ereignis stattfindet, sind die Erwartungen nicht unbedingt hoch.

In diesem Fall waren einige afrikanische Analysten geradezu wütend, weil sich solche Gipfeltreffen bisweilen in Zelebrierungen des guten Willens verwandeln - und nichts anderes. Etwa Tian Johnson von The African Alliance in Südafrika: "Die Geschichte ist voll von Absichtserklärungen, Gipfel-Kommuniqués, mit Statements der Unterstützung und Solidarität und Brüderlichkeit und neuen Nord-Süd-Beziehungen. All das bedeutet nichts, solange Afrikaner weiterhin in Krankheit, in Armut und in Ungleichheit leben."

Dazu ein Interview mit Mark Malloch Brown, dem Präsidenten der Open Society Foundations und einem früheren Vize-Generalsekretär der Vereinten Nationen.

Euronews: Dieser Gipfel war kein Treffen unter Gleichen, vor allem was die Impfmöglichkeiten angeht, denn Afrika hinkt hier weit zurück. Hat der globale Norden, hat die EU genug getan, um Afrika während der Pandemie zu helfen?

Malloch Brown: Eindeutig nicht. Europa hat kürzlich mehr Impfdosen vernichtet als es nach Afrika geliefert hat. Wenn Sie die harte Statistik betrachten, nach der nur zehn Prozent der Afrikaner vollständig geimpft sind gegenüber 60 bis 70 Prozent in Europa, dann ist diese Impf-Ungleichheit gewaltig.

Dies ist genau eines dieser Soft Power-Themen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft zu Afrika, bei denen wir einfach mehr hätten tun müssen.

Euronews: Ihre Stiftung hat eine Koalition mit anderen Organisationen wie den Gates, Rockefeller und Ford Foundations gebildet, um Afrika bei seinen Impfbemühungen zu helfen. Erzählen Sie davon.

Malloch Brown: Wissen Sie, Stiftungen sind eigenartige Wesen, die mehrere Dinge tun. Wir können Dinge in Bewegung setzen, die andere nicht können. Manchmal müssen wir aber auch unsere moralische Stimme erheben, denn wir sind Teil der Zivilgesellschaft. Wir sind nicht nur europäische und amerikanische Stiftungen, sondern auch afrikanische Stiftungen. Wir mussten uns zusammentun und sagen: was hier passiert ist falsch!, und wir mussten diese Botschaft an die Entscheidungsträger in Europa, den USA und anderswo übermitteln.

Das war ein schwieriges Unterfangen, denn wir alle sind um unsere Gesundheit besorgt. Aber am Ende gab es nicht genügend Vorstellung, Gewissensanstrengung und politischen Willen, die Impfung des Rests der Welt zu einer Priorität zu machen.

Euronews: Wie haben die Regierungen reagiert?

Malloch Brown: Unterschiedlich. Natürlich gibt es keine Regierung, die über die Impf-Ungleichheit besorgt wäre und behauptet, mehr tun zu wollen.

Es gibt also keine Feindseligkeit gegenüber einer Initiative wie der unseren. Doch das Engagement der Regierungen war unterschiedlich. Wir hatten Termine im Weißen Haus und in verschiedenen europäischen Hauptstädten, doch das hat bislang nicht zur Einsicht eines weltweiten Kriegszustands geführt, mit dem wir der Krise begegnen müssen.