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Ukrainer im umkämpften Donbass: Russische Pässe heiß begehrt

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Von Euronews mit AP
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Ein Ukrainer im Amt für Migration in Donezk
Ein Ukrainer im Amt für Migration in Donezk   -   Copyright  Alexei Alexandrov/AP

Doppelstaatlichkeit kann nicht schaden - denken sich mehr und mehr Ukrainer im umkämpften Donbass im Osten des Landes. Dort buhlen die selbsternannten und vom Kreml unterstützten Volksrepubliken Donezk und Luhansk schon länger und erfolgreich um unentschlossene Ukrainerinnen und Ukrainer. 

Seit Beginn des Konflikts im Donbass wurden dort bereits 720.000 russische Pässe ausgestellt. Sachbearbeiterin Olga Matvienko vom Einwanderungsamt Leninsky-Distrikt in Donezk kennt den aktuellen Grund für die Nachfrage: "Angesichts der zunehmenden Spannungen und der wieder aufkeimenden Gerüchte über eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten im Donbass hat die Zahl der Menschen, die die Staatsbürgerschaft der Russischen Föderation annehmen wollen, zugenommen."

Staatsduma erhöht Druck

Das russische Parlament hat erst am Dienstag den politischen Druck erhöht und Präsident Wladimir Putin aufgefordert, die abtrünnigen Regionen Donezk und Luhansk als "Volksrepubliken" anzuerkennen.

Der 39-jährige Bauarbeiter Ivan Malyuta lebt in Donezk: "Nun, ich möchte Bürger der Russischen Föderation werden. Wir bewegen uns ja schließlich in diese Richtung. Warum auch nicht?"

Die Rentnerin Nelya Dzyuba sagte in Donezk: "Wir hoffen sehr dass Russland Donezk schützen wird. Unsere russischen Verwandten sagen, dass Putin uns nicht im Stich lassen wird und alles in Ordnung sein wird."

Minsker Abkommen: Alles Auslegungssache?

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba forderte von der EU bereits Sanktionen gegen Russland wegen der Passausgabe. Kuleba sagte am 9. Februar: "Diese massenhafte Ausstellung von Pässen an ukrainische Staatsbürger, die in den Regionen Donezk und Luhansk leben ist eine klare und eklatante Verletzung des Minsker Abkommens."

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erwiderte, die Vergabepraxis stelle keinen Verstoß gegen die Minsker Vereinbarungen dar. Es reiche aus, den kurzen und sehr spezifischen Text wenigstens einmal zu lesen. Daher seien diese Vorwürfe unhaltbar.

Seit 2014 kämpfen ukrainische Regierungstruppen im Donbass gegen die von Moskau unterstützten Separatisten. Durch den bewaffneten Konflikt sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen 14000 Menschen ums Leben gekommen.