Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni betont nach Gesprächen mit europäischen Staats- und Regierungschefs sowie Kanada und der Türkei in London die Bedeutung der Einigkeit des Westens.
Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben sich bei einem großen Gipfel in London darauf geeinigt, zur Verteidigung ihres Kontinents "die Schwerstarbeit zu leisten". Es soll ein Plan auf die Beine gestellt werden, wie die russische Invasion in der Ukraine gestoppt werden kann.
Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte, dass jedes Friedensabkommen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine Rückendeckung durch die USA erfordern würde. Er wiederholte seine Zusage, britische Soldaten als Teil einer Friedenstruppe in die Ukraine zu entsenden, sollte dies erforderlich sein.
Starmer fügte hinzu, dass er und andere Staats- und Regierungschefs, darunter der französische Präsident Emmanuel Macron, an der Bildung einer "Koalition der Willigen" arbeiteten, die sich zur Entsendung von Friedenstruppen in die Ukraine verpflichten würde.
Er kündigte außerdem an, dass Großbritannien rund 1,6 Milliarden Pfund (1,94 Milliarden Euro) an Exportfinanzierung einsetzen wird, um der Ukraine 5.000 Luftabwehrraketen zur Verstärkung ihrer Verteidigung zu liefern.
Die europäische Unterstützung wird damit aufgestockt - und das nur wenige Tage nach einem Treffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyi und dem US-Präsidenten Donald Trump, das in einem Wortgefecht im Oval Office endete und weltweit für Aufsehen sorgte.
Auch in Europa verfolgte man das Ereignis mit Sorgen. Schon seit Wochen stellen führende EU-Politiker die kontinentale Sicherheitsstruktur in Frage, nachdem die Trump-Regierung eine scheinbar immer kritischere Position gegenüber ehemaligen Verbündeten einzunehmen scheint.
Das Treffen hatte darin geendet, dass Selenskij Berichten zufolge aufgefordert wurde, das Weiße Haus umgehend zu verlassen. Zuvor hatte Trump ihm vorgeworfen, undankbar zu sein und es mit dem Bestreben nach Frieden nicht ernst zu meinen.
Die Trump-Regierung hat Berichten zufolge auch die Idee erwogen, der Ukraine jegliche finanzielle und militärische Unterstützung zu entziehen. Trump selbst deutete ein mögliches Ultimatum an, in dem er Kiew aufforderte, entweder auf die Beendigung des Krieges hinzuarbeiten oder ihn allein auszufechten.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni betonte am Rande des europäischen Gipfeltreffens die Bedeutung der westlichen Einigkeit. Die italienische Ministerpräsidentin schlug außerdem vor, ein Gipfeltreffen zwischen den europäischen Staats- und Regierungschefs und den USA anzustreben, um Brücken zu bauen.
Meloni erklärte, sie habe Selenskyi bei dem Treffen als "klar und rational wie immer" empfunden und ihr Mitgefühl für den ukrainischen Staatschef nach seinem Streit mit Trump ausgedrückt, der ihn zusammen mit US-Vizepräsident JD Vance bedrängt hatte.
Sie merkte auch an, dass sie in Selenskyi jemanden sehe, der "nach Lösungen suchen" würde, um einen Weg zur Beendigung der mehr als drei Jahre andauernden Tragödie in seinem Land zu finden.
Die italienische Regierungschefin betonte außerdem, dass Italien, Europa, die NATO und die USA alle das gleiche Ziel verfolgen würden, nämlich einen dauerhaften und gerechten Frieden in der Ukraine zu erreichen. Sie forderte die Staats- und Regierungschefs auf, die Einheit in den Vordergrund zu stellen, und warnte davor, dass eine Spaltung des Westens "für alle fatal" wäre, insbesondere für die Ukraine.
"Das Einzige, was wir uns wirklich nicht leisten können, ist ein Frieden, der nicht bleibt, das können wir uns nicht leisten, die Ukraine nicht, Europa nicht und die USA nicht."
"Um Himmels willen, alles kann explodieren, das ist keine gute Nachricht. Deshalb werde ich alles tun, was ich tun kann, um den Westen zusammenzuhalten und ihn zu stärken", fügte Meloni hinzu.
Kanadas Premierminister Justin Trudeau nahm ebenfalls an dem Treffen teil. Er bekräftigte das eindeutige Engagement Ottawas für die Ukraine nach dem Streit mit Trump und bot seine volle Unterstützung für Selenskyi an.
Trudeau hat selbst mit dem 47. US-Präsidenten zu kämpfen, nachdem die Beziehungen Kanadas mit den USA nach Trumps Rückkehr ins Oval Office auf verschiedene Arten strapaziert wurden.
Trump hatte bereits vor seinem Amtsantritt mit Zöllen auf kanadische Produkte gedroht. Er beschuldigte die nördlichen Nachbarn - und die südlichen Nachbarn in Mexiko - für den Zustrom illegaler Migranten und Fentanyl in die USA verantwortlich zu sein.
Kurz nach seinem Amtsantritt machte er seine Drohungen wahr und verhängte sowohl gegen Kanada als auch gegen Mexiko Zölle in Höhe von 25 Prozent. Kanada revanchierte sich mit eigenen Zöllen auf US-Produkte.
Trudeau nahm Selenskyi nach dem Debakel im Weißen Haus in Schutz und unterstützte die seine Bedenken hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit von Wladimir Putin.
"Präsident Selenskyi wies im Oval Office darauf hin, dass (der russische Präsident) Wladimir Putin ein Lügner und ein Krimineller ist und man ihm nicht vertrauen kann, und dass er sein Wort nicht hält, denn er hat immer wieder bewiesen, dass er alle Vereinbarungen brechen wird. Ich stehe an der Seite von Wolodymyr Selenskyi und an der Seite des ukrainischen Volkes", sagte Trudeau.
Es wird erwartet, dass weitere Gespräche zwischen den europäischen Staats- und Regierungschefs stattfinden werden, um für Europa gangbare Wege zur Beendigung des Krieges zu finden. Eine Sondersitzung des Europäischen Rates wurde einberufen, um die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel zu versammeln und weitere Unterstützung für Kiew sowie die europäische Verteidigungsstruktur zu diskutieren.