Etwa zweitausend italienische Militärangehörige sind in der Region des Nahen Ostens im Einsatz. Ein Kontingent, das sowohl innerhalb von Militärbasen als auch bei Operationen zur Friedenssicherung in Konfliktgebieten eingesetzt wird.
Als Mitglied der Europäischen Union, der Vereinten Nationen und der NATO beteiligt sich Italien an zahlreichen internationalen Missionen und unterhält strategische Militärstützpunkte im Nahen Osten. Ziel ist es, zur Stabilität und Sicherheit in Krisengebieten beizutragen.
Die Stützpunkte dienen als Einsatz-, Logistik- und Ausbildungszentren. Von dort aus unterstützen die italienischen Streitkräfte unter anderem die Ausbildung lokaler Partner, überwachen sensible Regionen und tragen zum Schutz der Zivilbevölkerung bei.
Im Nahen Osten ist Italien im Rahmen mehrerer internationaler Missionen präsent, die gemeinsam mit Verbündeten sowie Organisationen wie der UNO und der NATO durchgeführt werden. Rund zweitausend italienische Soldatinnen und Soldaten sind in der Region stationiert – unter anderem im Libanon, im Irak, in Kuwait und in weiteren Golfstaaten.
Das größte Kontingent befindet sich im Libanon. Dort beteiligt sich Italien an der UN-Mission Unifil und überwacht den Waffenstillstand an der Grenze zu Israel. Gleichzeitig unterstützen die Kräfte die lokalen Behörden.
Eine weitere wichtige Präsenz gibt es im Irak. Italienische Soldaten sind dort im Rahmen der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz ISIS sowie der NATO-Mission im Einsatz. Ihr Schwerpunkt liegt vor allem auf der Ausbildung und Unterstützung der irakischen Sicherheitskräfte.
Zur Unterstützung dieser Operationen betreibt Italien zudem einen Luftwaffenstützpunkt in Kuwait, der als logistischer und operativer Knotenpunkt für Einsätze in der Region dient.
Insgesamt zielt die italienische Präsenz im Nahen Osten darauf ab, zur regionalen Stabilität beizutragen und internationale Sicherheitsmissionen zu unterstützen.
Libanon
Italien ist im Libanon mit zwei zentralen Missionen vertreten. Die erste ist die italienische bilaterale Militärmission MIBIL (Missione Militare Bilaterale Italiana in Libano), die am 11. März 2015 ins Leben gerufen wurde. An ihr sind rund 190 Militärangehörige beteiligt, unterstützt von Einheiten der Marine und der Luftwaffe.
Das Kontingent konzentriert sich vor allem auf die Unterstützung von Flüchtlingen, die Eindämmung der sozioökonomischen Folgen des Syrienkonflikts sowie auf die Ausbildung der libanesischen Streitkräfte.
Die Stärkung der Lebanese Armed Forces (LAF) gilt dabei als zentrales Element, um das staatliche Gewaltmonopol zu festigen und den Einfluss schiitischer Milizen wie der Hisbollah, die nicht Teil der regulären Armee sind, auszugleichen.
Parallel dazu leistet Italien einen bedeutenden Beitrag zur UNIFIL-Mission (United Nations Interim Force in Lebanon), der UN-Friedenstruppe, die seit 1978 den Waffenstillstand zwischen Libanon und Israel überwacht.
An der Mission beteiligen sich Tausende Friedenssoldaten aus Dutzenden von Ländern. Italien ist dabei der zweitgrößte Truppensteller und entsendet etwas mehr als 1.000 Soldatinnen und Soldaten. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des westlichen Sektors der Mission und bei der Zusammenarbeit mit der libanesischen Armee.
Zu den Aufgaben des italienischen Militärs gehören Patrouillen, die Beobachtung des Territoriums, der Betrieb von Kontrollpunkten sowie Überwachungsmaßnahmen in besonders sensiblen Gebieten. Hinzu kommen logistische Unterstützung und humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung.
Das Mandat der UNIFIL-Mission wird regelmäßig vom UN-Sicherheitsrat verlängert. Italien prüft zudem die Möglichkeit, auch nach dem Ende des derzeitigen Mandats Ende 2026 eine militärische Präsenz im Libanon aufrechtzuerhalten.
Irak
Die italienische Präsenz im Irak konzentriert sich vor allem auf Camp Singara, einen Militärstützpunkt nahe Erbil in der autonomen Region Kurdistan. Die Anlage – benannt nach einer gleichnamigen römischen Legionsfestung aus der Zeit von Kaiser Septimius Severus – beherbergt rund 300 italienische Soldatinnen und Soldaten, die seit mehr als 14 Jahren an der Ausbildung der Peschmerga beteiligt sind.
Der Stützpunkt liegt in einer strategisch wichtigen Region nahe den Grenzen zu Syrien, der Türkei und dem Iran. Camp Singara ist eine befestigte Anlage, die im Rahmen der internationalen Operationen gegen die Terrormiliz ISIS eingerichtet wurde. Auf Ersuchen der kurdischen Regionalregierung hat Italien dort im Laufe der Jahre Tausende kurdische Kämpfer ausgebildet.
Die Mission mit dem Namen "Prima Parthica" umfasst ein breites Spektrum an Ausbildungsprogrammen – von Präzisionsschießen und Gefechten im urbanen Raum über den Umgang mit Unruhen bis hin zu Gebirgskampf.
Allein im Jahr 2025 bildeten italienische Militärs mehr als 1.200 Peschmerga-Soldaten aus. Zum Kontingent gehört auch die "Griffon Task Group", die aus rund 60 Soldaten und mehreren Hubschraubern besteht. Sie übernimmt vor allem den Transport von Personal und Material zwischen verschiedenen Stützpunkten im Norden des Irak.
Das italienische Engagement beschränkt sich jedoch nicht auf militärische Ausbildung. Über ein CIMIC-Team (Civil-Military Cooperation) unterstützen die Soldaten auch die lokale Bevölkerung – etwa durch Spendenaktionen oder Hilfsprojekte – und fungieren als Schnittstelle zwischen zivilen Behörden sowie staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen.
Neben Kurdistan ist Italien auch in Bagdad präsent. Dort bilden Carabinieri die irakischen Polizeikräfte aus, unter anderem in Techniken zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und in operativen Verfahren für Einsätze im urbanen Raum.
Logistische und operative Unterstützung kommt zudem von der "Task Group Typhoon", die auf dem Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem in Kuwait stationiert ist. Der Stützpunkt dient als zentraler Knotenpunkt für die italienischen Operationen in der Region.
Rotes Meer
Im Roten Meer beteiligt sich Italien an der europäischen Marinemission EUNAVFOR Aspides, die die Europäische Union 2024 gestartet hat, um Handelsrouten vor Angriffen der jemenitischen Huthi-Rebellen zu schützen.
Die Flotte operiert unter europäischem Kommando, an der Mission beteiligt sich auch Italien – unter anderem mit dem Zerstörer "Caio Duilio", der mit Langstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 120 Kilometern sowie mit Systemen zur Drohnenabwehr ausgestattet ist.
Neben Italien sind auch Einheiten aus Deutschland, Frankreich und weiteren europäischen Staaten beteiligt. Mindestens vier Kriegsschiffe patrouillieren dauerhaft in der Region. Zudem sind rund 130 italienische Offiziere und Stabsoffiziere im Einsatzhauptquartier der Mission in Larissa (Griechenland) eingesetzt.
Golfstaaten
In den Golfstaaten ist die italienische Militärpräsenz geringer als in anderen Teilen des Nahen Ostens, besitzt jedoch strategische Bedeutung für die Unterstützung internationaler Missionen in der Region.
Ein zentraler Stützpunkt befindet sich in Kuwait, auf dem Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem, der als logistisches und operatives Zentrum für Aktivitäten im Rahmen der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz ISIS dient.
Dort sind Soldaten der italienischen Luftwaffe stationiert. Sie übernehmen vor allem Aufklärungs-, Transport- und Unterstützungsaufgaben für Einsätze im Irak und in angrenzenden Gebieten.
Neben Kuwait sind kleinere italienische Kontingente auch in Katar und Bahrain präsent – meist im Rahmen gemeinsamer militärischer Strukturen mit anderen verbündeten Staaten.
Dabei handelt es sich jedoch nicht um eigenständige italienische Militärstützpunkte, sondern um begrenzte Personalpräsenz mit Aufgaben in den Bereichen Verbindung, logistische Unterstützung und militärische Zusammenarbeit mit den Partnerstreitkräften.