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Angriffe auf Iran: Welche Rolle spielt US-Basis im deutschen Ramstein?

ARCHIV– Die Flaggen der USA und Deutschlands wehen  hinter einem Schild auf der Ramstein Air Base in Deutschland, 30. Juli 2014
ARCHIV– Die Flaggen der USA und Deutschlands wehen hinter einem Schild auf der Ramstein Air Base in Deutschland, 30. Juli 2014 Copyright  AP Photo/Lucas Jackson, Pool, File
Copyright AP Photo/Lucas Jackson, Pool, File
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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Während Deutschland betont, keine Kriegspartei zu sein, spielt die US-Luftwaffenbasis in Ramstein eine zentrale Rolle bei der Koordination amerikanischer Drohnen- und Raketenangriffe im Nahen Osten.

US-Präsident Donald Trump lobte Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Besuch im Weißen Haus. Anders als andere europäische Länder, wie beispielsweise Spanien, würde Deutschland den USA erlauben "in bestimmten Gebieten zu landen".

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"Wir wissen das zu schätzen, und sie sorgen einfach für ein angenehmes Umfeld. Wir verlangen von ihnen nicht, dass sie Truppen entsenden oder ähnliches", so Trump im Oval Office. Der US-Präsident bezieht sich hier auf den Luftwaffenstützpunk der US Air Force in Ramstein, der eine zentrale Rolle im amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran spielt.

Präsident Donald Trump am 3. März 2026 in Washington mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Oval Office des Weißen Hauses
Präsident Donald Trump am 3. März 2026 in Washington mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Oval Office des Weißen Hauses AP Photo/Mark Schiefelbein

Denn von Ramstein aus werden die amerikanischen Drohnen- und Raketenangriffe im Nahen Osten koordiniert und gesteuert, da über die Basis Datenverbindungen und Satelliten-Relais laufen, die für die Steuerung von Drohnen im Nahen Osten notwendig sind. Eine direkte Steuerung aus den USA wäre aufgrund der Distanz zu langsam, weshalb Ramstein als Zwischenstation für Datenübertragung und Analyse für die USA dient.

Bislang gibt es von der Regierung keinerlei Bestrebungen, Ramstein zu schließen, oder anzuerkennen, welche Rolle der Stützpunkt im Krieg gegen den Iran spielt. In der Regierungspressekonferenz bestätigte der Regierungsspreche Stefan Kornelius, dass die Nutzung Ramsteins "im Einklang mit dem Völkerrecht stehe". Deutschland ist laut dem Verfassungsgericht rechtlich nicht verantwortlich für Drohneneinsätze, die von Ramstein aus getätigt werden, wenn man von dem Urteil einer Klage zwei jemenitischer Staatsbürger ausgeht.

Im Juli 2025 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass Deutschland nicht verpflichtet ist, gegen US-Drohnenangriffe im Jemen vorzugehen, auch wenn diese technisch über die Ramstein Air Base unterstützt werden. Geklagt hatten zwei jemenitische Staatsbürger, deren Angehörige 2012 bei einem US-Drohnenangriff getötet wurden.

Sie argumentierten, Deutschland müsse eingreifen, weil sich auf der Air Base eine Satelliten-Relaisstation befindet, über die Daten für die Steuerung der Drohnen laufen. Das Gericht stellte zwar grundsätzlich fest, dass Deutschland eine Schutzpflicht für Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht haben kann – auch bei Ereignissen im Ausland.

Eine solche Pflicht entsteht aber nur, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Erstens muss ein klarer Zusammenhang mit deutscher Staatsgewalt bestehen, etwa durch einen relevanten Beitrag Deutschlands. Zweitens muss eine ernsthafte Gefahr systematischer Verstöße gegen internationales Recht vorliegen. Nach Auffassung des Gerichts konnte diese zweite Voraussetzung jedoch nicht ausreichend belegt werden. Zwar gebe es Kritik an den US-Drohnenangriffen, doch ließen sich daraus keine Hinweise auf systematische Verstöße gegen das Völkerrecht oder das Recht auf Leben ableiten.

Transportflugzeuge der US-Luftwaffe am 23. Juni 2025 auf dem Rollfeld der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Landstuhl, Deutschland
Transportflugzeuge der US-Luftwaffe am 23. Juni 2025 auf dem Rollfeld der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Landstuhl, Deutschland Boris Roessler/dpa via AP

Macht Ramstein Deutschland zu einem Ziel für einen iranischen Gegenangriff?

Ähnlich wie im Jahr 2019 fordert die Linkspartei erneut, dass Ramstein geschlossen werden muss. In einem Beitrag auf X schreibt die Abgeordnete und Sprecherin für Internationale Beziehungen, Lea Reisner, dass "sehenden Augens uns diese Regierung in einen moralisch und rechtlich verwerflichen Krieg hineinzieht, der unendliches Leid erzeugt, wir alle werden die Rechnung zahlen." Sie deutet damit an, dass Ramstein für iranische Gegenangriffe möglicherweise ein legitimes Ziel wären.

Der Iran besitzt Berichten zufolge hauptsächlich ballistische Kurzstreckenraketen, mit einem Radius bis zu 1.000 Kilometer, und ballistischen Mittelstreckenraketen mit einem Radius von 1.000-3.000 Kilometern. Verschiedenen Berichten zufolge befinden sich ballistische Langstreckenraketen, die eine Reichweite von über 3.000 Kilometer haben, derzeit in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Euronews konnte diese Angaben nicht unabhängig verifizieren.

Mit einer Luftlinienentfernung von über 4.200 Kilometern ist der Luftwaffenstützpunkt nicht im Radius der iranischen Raketen. Zudem würde eine Rakete unbemerkt über mehrere NATO-Mitgliedsstaaten fliegen müssen, um Rheinland-Pfalz zu erreichen.

Ein Grund der amerikanisch-israelischen Angriffe ist zudem die Zerstörung des Raketenarsenals des Irans. Wie stark das iranische Raketenarsenal bereits beschädigt ist, lässt sich bislang nur schwer einschätzen.

Israel zufolge wurden seit Beginn der Angriffe mehr als 300 mobile Raketenwerfer zerstört – sogenannte Transporter-Erector-Launcher (TEL), die für den Abschuss ballistischer Raketen entscheidend sind. Zwar hat der Iran in den ersten Tagen des Krieges noch rund 600 bis 700 Raketen abgefeuert, doch die Angriffe wirken inzwischen deutlich kleiner und weniger koordiniert. Einem CEPA-Bericht führt das vor allem darauf zurück, dass US- und israelische Angriffe zunehmend Startsysteme, Kommandozentren und Produktionskapazitäten treffen – und damit die Fähigkeit Irans schwächen, seine Raketen überhaupt einzusetzen.

Dieses von Vantor bereitgestellte Satellitenbild zeigt einen Raketenkomplex in Isfahan, Iran, 8. März 2026
Dieses von Vantor bereitgestellte Satellitenbild zeigt einen Raketenkomplex in Isfahan, Iran, 8. März 2026 Satellite image ©2026 Vantor via AP

Ist Ramstein deutsches oder amerikanisches Hoheitsgebiet?

Die Ramstein Air Base liegt in Rheinland-Pfalz, rund zehn Kilometer von Kaiserslautern entfernt. Sie ist die größte US-Luftwaffenbasis außerhalb den USA, Hauptquartier der US-Luftstreitkräfte für Europa und Afrika, sowie ein zentraler NATO-Standort für die Planung und Führung von Luftoperationen.

Obwohl sich der Stützpunkt auf deutschem Staatsgebiet befindet und das Gelände der Bundesrepublik gehört, gelten für US-Soldaten besondere rechtliche Regelungen. Auf Grundlage des NATO Status of Forces Agreement liegt die Strafgerichtsbarkeit für viele Vergehen auf dem Gelände bei den USA.

Die Stationierung amerikanischer Truppen in Deutschland beruht auf NATO-Abkommen und der sicherheitspolitischen Ordnung nach dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, der Deutschland seine volle Souveränität garantiert. Theoretisch könnte Berlin den Stationierungsvertrag kündigen – politisch hätte das jedoch weitreichende Folgen für die NATO und die Beziehungen zu Washington.

Die Bundesregierung könnte also, wie auch andere Staaten, den Amerikanern die Nutzung von Ramstein untersagen. Das würde bedeuten, dass Operationen, wie Drohnenangriffe, nicht so einfach durchgeführt werden könnten.

Deutsche Unterstützung bald auch auf See?

Der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran hat jedoch bereits Europa erreicht.

Wie Euronews vergangene Woche berichtete, wollen mehrere europäische Länder nach einem Drohnenangriff auf einen britischen Militärstützpunkt auf Zypern ihre militärische Präsenz im östlichen Mittelmeer verstärken. Griechenland entsandte auf Grundlage der griechisch-zyprischen Verteidigungsdoktrin bereits vier F-16-Kampfjets sowie zwei Fregatten. Auch Spanien hat angekündigt, seine Fregatte Cristóbal Colón ins östliche Mittelmeer zu schicken, wo sie sich der europäischen Präsenz rund um den französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle anschließen soll.

Deutschland habe nach Informationen von Euronews "positiv" auf eine Anfrage reagiert, ein Kriegsschiff zu entsenden. Wie Euronews erfahren hat, liegt die Entscheidung, eine Fregatte ins östliche Mittelmeer zu schicken, seit vergangener Woche im Kanzleramt und wurde dort mit dem Verteidigungsministerium geprüft.

Die Fregatte Nordrhein-Westfalen hat am vergangenen Wochenende einen Zwischenstopp auf Zypern eingelegt. Eigentlich ist das Schiff auf dem Weg in den UNIFIL-Einsatz vor der libanesischen Küste.

Ein deutscher UN-Soldat an Bord des UNIFIL-Schiffs FGS Nordrhein-Westfalen, Sonntag, dem 8. März 2026, im Hafen von Limassol
Ein deutscher UN-Soldat an Bord des UNIFIL-Schiffs FGS Nordrhein-Westfalen, Sonntag, dem 8. März 2026, im Hafen von Limassol AP Photo/Petros Karadjias

Ob Deutschland – wie mehrere andere europäische Länder – zusätzlich ein Kriegsschiff ins östliche Mittelmeer entsenden wird, ist bislang jedoch unklar. Im Gespräch soll hierfür ein Schiff der Sachsen-Fregatte sein.

Die Marine verfügt über drei dieser Fregatten, die vor allem für Luftverteidigung, Geleitschutz und Seeraumkontrolle ausgelegt sind. Mit ihrem rotierenden Weitbereichsradar vom Typ SMART-L können sie mehr als 1.000 Ziele gleichzeitig erfassen und große Lufträume überwachen.

SM-2-Raketen ermöglichen die Abwehr von Flugzeugen, Drohnen und ballistischen Raketen. Zudem können die Schiffe Verbände führen, U-Boote bekämpfen und wurden bereits mehrfach in US-Flugzeugträgergruppen integriert.

"Wir werden uns an diesem Krieg nicht beteiligen"

Bei der Medic Quadriga-Übung in Berlin sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), dass er "derzeit keine Marineeinheiten anderer europäischer Staaten sehe, die aus einem klar definierten Grund ins Mittelmeer fahren."

"Die Amerikaner sind mit starken Kräften vor Ort und übernehmen einen großen Teil der Luftverteidigung – ebenso wie die Israelis. Bei dem Vorfall bei Zypern ging es um eine Drohne, die einen britischen Stützpunkt getroffen hat. Bei zwei weiteren Raketen ist bislang nicht völlig klar, ob sie tatsächlich auf Zypern gerichtet waren oder einfach falsch gesteuert wurden", so der Minister.

Pistorius bei der Medic Quadriga-Übung, 6. März 2026
Pistorius bei der Medic Quadriga-Übung, 6. März 2026 Bundeswehr/Haehnel

Ihm zufolge "sind wir gut beraten, uns hier nicht in eine Eskalation treiben zu lassen. Entscheidend ist, dass wir unsere Kräfte vernünftig verteilen – nicht alle müssen überall alles machen. Der eine oder andere mag im Mittelmeer etwas tun. Wichtig ist, dass das konzertiert passiert. Noch entscheidender ist: Wir werden uns an diesem Krieg nicht beteiligen – allenfalls beim Schutz oder bei Unterstützung im Sinne von Material."

Bereits zuvor betonte er im Bundestag, dass Deutschland keine Kriegspartei sei. Die Bundeswehr werde sich daher nicht an militärischen Aktionen in diesem Krieg beteiligen. Priorität habe vielmehr der Schutz deutscher Staatsbürger sowie der Bundeswehrangehörigen in der Region.

Bundeswehr hält Evakuierungsflugzeuge bereit

Angesichts der anhaltenden Eskalation im Nahen Osten hält die Bundeswehr vorsorglich Flugzeuge und Personal für mögliche Evakuierungseinsätze bereit. Dabei könnte es etwa um die Ausreise von Diplomaten, Soldaten oder verletzten deutschen Staatsbürgern aus der Region gehen.

Nach Informationen von Euronews befindet sich auch das MedEvac-Flugzeug derzeit in "grundsätzlicher Bereitschaft". Eigentlich sollte die Maschine am Donnerstag vergangene Woche im Rahmen der Übung "Medic Quadriga" nach Litauen fliegen.

Das speziell ausgestattete Evakuierungsflugzeug ermöglicht es, auch schwer verletzte Patienten bereits während des Fluges medizinisch zu versorgen. Der geplante Flug wurde jedoch aufgrund der aktuellen sicherheitspolitischen Lage für Medienvertreter abgesagt.

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