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Bulgarien: Radew bei Parlamentswahl vorne

Ein Mann gibt in einem Wahllokal in Sofia, Bulgarien, am Sonntag, dem 19. April 2026, seine Stimme bei vorgezogenen Parlamentswahlen ab.
Ein Mann gibt in einem Wahllokal in Sofia, Bulgarien, am Sonntag, dem 19. April 2026, bei vorgezogenen Parlamentswahlen seine Stimme ab. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Rory Elliott Armstrong mit AFP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In Bulgarien sind die Menschen am Sonntag zum achten Mal in nur fünf Jahren an die Wahlurne gegangen. Aktuelle Hochrechnungen sehen das Antikorruptionsbündnis um Ex-Präsident Rumen Radew vorne.

Die Bulgaren haben am Sonntag zum achten Mal binnen fünf Jahren gewählt. Nach aktuellem Stand liegt das Bündnis des Antikorruptionskandidaten und früheren Präsidenten Rumen Radew klar vorne: Es kommt auf 45 % der soweit ausgezählten Stimmen. Bisher wurden mehr als 60 % der Wahlzettel ausgezählt.

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Der ärmste EU-Mitgliedstaat hat seit 2021 eine Serie instabiler Regierungen erlebt. Damals beendeten Massenproteste gegen Korruption die langjährige konservative Regierung von Bojko Borissow.

Nach Eurostat-Daten liegt Bulgarien beim BIP pro Kopf weiterhin auf dem letzten Platz in der EU. 2025 erreichte das Land gemeinsam mit Griechenland lediglich 68 Prozent des EU-Durchschnitts.

Radew, der sich für eine Annäherung an Russland einsetzt und militärische Hilfe für die Ukraine ablehnt, stand neun Jahre lang an der Spitze des Balkanstaats mit 6,5 Millionen Einwohnern.

Im Januar trat er zurück, um das neu gegründete Mitte-links-Bündnis "Progressives Bulgarien" zu führen.

Der frühere Luftwaffengeneral kündigte an, das Land von seinem "oligarchischen Regierungsmodell" befreien zu wollen. Ende 2025 stellte er sich hinter Antikorruptionsproteste, die die jüngste, von Konservativen gestützte Regierung zu Fall brachten.

"Ich stimme für Veränderung", sagte Decho Kostadinow, 57, nach der Stimmabgabe in einem Wahllokal in der Hauptstadt Sofia. "Die korrupten Politiker sollen verschwinden – sie sollen nehmen, was sie gestohlen haben, und Bulgarien verlassen".

Im Vergleich zur Parlamentswahl 2024 lag dieses Mal die Wahlbeteiligung etwa zehn Prozentpunkte höher: Rund 47 % der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

"Bewahren, was wir haben"

Laut aktuellem Stand dürfte Borissows proeuropäische Partei GERB auf rund 12 Prozent der Stimmen kommen.

"Ich wähle dafür, dass wir bewahren, was wir haben. Wir sind ein demokratisches Land, wir leben gut", sagte Elena, eine etwa 60-jährige Buchhalterin, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte, nach der Stimmabgabe in Sofia.

Spitzenkandidat Radew kritisierte die Klimapolitik der EU scharf. Diese sei naiv "in einer Welt ohne Regeln".

Er lehnt zudem Waffenlieferungen an die Ukraine im Abwehrkampf gegen den russischen Angriff von 2022 ab. Ein Veto gegen entsprechende Entscheidungen aus Brüssel wolle er jedoch nicht einlegen, betonte er.

Der frühere bulgarische Präsident Rumen Radew spricht bei der Abschlusskundgebung seines Wahlkampfs in Sofia, Donnerstag, 16. April 2026.
Der frühere bulgarische Präsident Rumen Radew spricht bei der Abschlusskundgebung seines Wahlkampfs in Sofia, Donnerstag, 16. April 2026. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Rumen Radew, der auf eine Wiederannäherung an Russland drängt, verurteilte ein im vergangenen Monat unterzeichnetes zehnjähriges Verteidigungsabkommen zwischen Bulgarien und der Ukraine – und handelte sich damit erneut Vorwürfe ein, gegenüber Moskau zu nachgiebig zu sein.

Für Empörung in sozialen Netzwerken sorgte zudem, dass der frühere Präsident bei seiner Abschlusskundgebung Bilder von Treffen mit Staats- und Regierungschefs zeigte, darunter auch mit Russlands Präsident Wladimir Putin.

"Wir müssen enger zusammenrücken", rief er den rund zehntausend Anhängern zu. Seine Partei präsentierte er als nicht korrupte "Alternative zu dem perversen Kartell der Altparteien".

Bojko Borissow, der das Land fast ein Jahrzehnt lang mit kurzen Unterbrechungen regierte, wies die Darstellung zurück, Radew stehe für etwas "Neues".

Bei einer Kundgebung Anfang der Woche erklärte er, seine Partei GERB habe "die Träume der neunziger Jahre erfüllt" – etwa mit dem Beitritt zur Eurozone in diesem Jahr.

"Niemand, den man wählen kann"

Radew strebt eine absolute Mehrheit im 240 Sitze umfassenden Parlament an.

Miglena Bojadschijewa, eine Taxifahrerin Mitte fünfzig, erklärte, sie gehe zwar immer wählen, "aber das Problem ist, dass es niemanden gibt, den man wählen kann".

"Man stimmt für eine Person und bekommt andere. Das System muss sich ändern", sagte sie.

Die Parteien hatte die Bevölkerung dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben – auch, um Stimmenkauf entgegenzuwirken.

In den vergangenen Wochen beschlagnahmte die Polizei bei verstärkten Einsätzen gegen Stimmenkauf mehr als eine Million Euro. Zudem wurden Hunderte Menschen festgenommen, darunter auch Kommunalpolitikerpolitiker sowie Bürgermeister.

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