Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Bundeswehr: Soldaten entwickeln ihre eigenen Drohnen

Spark Cell Seedorf bei der Grand Quadriga 2026
Spark Cell Seedorf bei der Grand Quadriga 2026 Copyright  CIHBw
Copyright CIHBw
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Bei der Übung "Grand Quadriga 2026" zeigt die Bundeswehr, wie sich moderne Gefechtsführung verändert: Drohnen, Daten und Tempo bestimmen das Geschehen. Gemeinsam mit Start-ups entwickeln Soldaten eigene, praxisnahe Systeme und testen sie direkt im Einsatz.

Bei der multinationalen Großübung "Grand Quadriga 2026" vergangenen Monat haben die Luftlandepionierkompanie 270 und das Fallschirmjägerregiment 31 im niedersächsischen Seedorf nicht nur den Einsatz von Drohnen trainiert – sie haben sie auch selbst gebaut.

WERBUNG
WERBUNG

Statt klassischer Schießübungen waren Aufklärungsdrohnen, Echtzeit-Datenübertragung und FPV-Drohnen im Einsatz, mit denen Ziele identifiziert und innerhalb von Sekunden bekämpft werden sollten. Unter einer FPV-Drohne versteht man ein unbemanntes Flugobjekt, das ein Pilot über eine an der Drohne montierte Kamera steuert.

Die Soldaten haben mit dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) im Rahmen des "Spark Cells"-Programms die kleinen unbemannten Flugobjekte teils selbst gebaut, getestet und weiterentwickelt. Ihr Ziel: sie im Ernstfall unabhängig anpassen und reparieren zu können. Als "Spark Cells" bezeichnet die Bundeswehr kleine, dezentrale Innovationseinheiten, die vom CIHBw angestoßen wurden.

Der CIHBw wurde 2017 gegründet und drei Jahre später als Innovationseinheit der Bundeswehr etabliert. Ziel ist es, neue Technologien schneller in die Truppe zu bringen. Dafür arbeitet der Hub mit Soldaten, Start-ups und Unternehmen zusammen und testet Lösungen im Einsatz. Statt langer Entwicklungsprozesse werden Prototypen entwickelt und früh in der Truppe getestet. Organisatorisch ist er dem Bundesministerium der Verteidigung unterstellt.

Ein Soldat während der Quadriga 2026 Übung
Ein Soldat während der Quadriga 2026 Übung CIHBw

Daten als neue Munition

Die moderne Kriegsführung wird zunehmend digitaler und unbemannter. Erfahrungen aus den Kriegen in der Ukraine oder gegen den Iran haben verdeutlicht, wie wichtig Drohnen für eine moderne Streitkraft sind. Erst vor kurzem hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündet, dass die ukrainischen Streitkräfte erstmals eine russische Stellung ausschließlich mit unbemannten Systemen eingenommen hatten. Dabei handelte es sich dem Präsidenten zufolge um Drohnen und bodengebundene Roboter.

Auf Anfrage von Euronews betonte auch ein Sprecher des CIHBw, Drohnen seien kein Zusatz mehr, sondern ein "strukturbestimmendes Element moderner Kriegsführung", da sie Aufklärung, Wirkung und Entscheidungszyklen zugleich verändern. "Wer den Luftraum im Kleinen kontrolliert, gewinnt im Großen Tempo, Transparenz und Präzision."

Moderne Kriegsführung sei ihm zufolge "technologiebetrieben, datenbasiert und vor allem schneller". Auch der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Dr. Christian Freuding, sagte im Gespräch mit Euronews, dass Daten zur zentralen Ressource werden – "quasi zur 'Munition'".

"Wer mehr sieht und vor allem Informationen schneller und strukturierter verarbeiten und damit ein präziseres Lagebild erarbeiten kann, der kann schneller entscheiden und handeln. Kurz: Der gewinnt", so Freuding.

Dieser Wandel betrifft jedoch nicht nur die Strukturen der deutschen Streitkräfte, sondern auch die Soldaten. Für sie geht es heute nicht mehr nur darum, Systeme zu bedienen – sie müssen sie auch verstehen, kritisch hinterfragen und bei Bedarf weiterentwickeln.

"Technologisches Verständnis, Improvisationsfähigkeit und vernetztes Denken sind genauso entscheidend wie klassische Fähigkeiten", so der CIHBw-Sprecher. Der moderne Soldat ist damit nicht nur Nutzer, sondern zugleich Mitentwickler und Entscheidungsträger.

Ein Soldat bei der Spark Cell Seedorf bei der Grand QUADRIGA 2026
Ein Soldat bei der Spark Cell Seedorf bei der Grand QUADRIGA 2026 CIHBw

"Die Zukunft wartet nicht auf Genehmigung"

Während der Übung in Seedorf wurde genau das trainiert: Die Luftlandepionierkompanie 270 und das Fallschirmjägerregiment 31 übten nicht nur den Einsatz, sondern auch den Eigenbau von Drohnen. Ausgehend vom Verständnis einzelner Komponenten entwickelten die Soldaten eigene FPV-Drohnen, bauten Prototypen, testeten sie im Simulator und unter realen Bedingungen und verbesserten sie kontinuierlich weiter.

Zum Einsatz kamen dabei laut dem CIHBw unter anderem 3D-Drucker und Elektronikbauteile.

"Zudem entsteht ein völlig anderes Mindset: weg vom reinen Anwender, hin zum aktiven Gestalter. Das ist ein entscheidender Faktor für eine lernfähige und resiliente Streitkraft." Dass die Soldaten ihre eigenen Drohnen bauen, liegt dem Sprecher zufolge daran, dass "die Zukunft nicht auf Genehmigung wartet".

"Wenn ein konkretes Problem im Einsatz existiert, ist der schnellste Weg zur Lösung oft der direkte. Soldaten kennen ihre Anforderungen am besten. Wenn sie befähigt werden, selbst zu entwickeln und zu testen, entsteht Geschwindigkeit und Relevanz", so der Sprecher zu Euronews.

Neben operativer Souveränität sollen so auch Abhängigkeiten reduziert werden. Zwar möge es sich teils so anhören, doch soll die Industrie nicht ersetzt, sondern ergänzt werden. Vielmehr gehe es künftig um "hybride Modelle", bei denen zentral beschaffte Systeme durch dezentrale Anpassung und Weiterentwicklung aus der Truppe heraus ergänzt würden, erklärte der Sprecher des CIHBw.

Ein Soldat bei der Spark Cell Seedorf bei der Grand QUADRIGA 2026
Ein Soldat bei der Spark Cell Seedorf bei der Grand QUADRIGA 2026 CIHBw

Nach Angaben des Sprechers geht es inzwischen weniger darum, ob Soldaten eigene Lösungen entwickeln, sondern wie sich das organisieren lässt. Der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr fungiert dabei als Schnittstelle zwischen Truppe, Technologie und Start-ups.

Die sogenannten "Spark Cells" sollen zeigen, dass Ideen auch aus der Truppe selbst kommen können – nicht nur von oben. Gleichzeitig sollen Eigenentwicklungen in bestehende Beschaffungsprozesse eingebunden bleiben. Die Einheiten dienen dazu, Bedarfe früh zu erkennen, Lösungen zu testen und funktionierende Ansätze weiterzugeben. Grenzen gibt es dort, wo Systeme besonders sensibel oder komplex sind.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Studieren in Deutschland: Drama um Abschiebung ausländischer Studenten

Macron-Besuch: Griechenland will noch enger mit Frankreich zusammenrücken

K-Pop-Boom: 200.000 Fans bei Mega-Festivals in Polen erwartet