Die weltweiten Militärausgaben erreichen neue Rekorde – und Deutschland rüstet kräftig auf. Laut aktuellem Bericht des Friedensforschungsinstituts SIPRI investiert die Bundesrepublik so viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr in ihre Verteidigung.
Deutschland hat im vergangenen Jahr erstmals mehr Geld für die Verteidigung ausgegeben als alle anderen Länder in Europa, wie die jährliche Statistik des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI zeigt. Bisher stand Großbritannien an der Spitze der Rüstungsausgaben in Europa.
Weltweit sind die Militärausgaben sind 2025 zum elften Mal in Folge gestiegen und beliefen sich auf rund 2,9 Billionen US-Dollar – ein neuer Höchststand.
Der Anstieg in Deutschland ist besonders deutlich. Laut SIPRI erhöhte die Bundesrepublik ihre Militärausgaben 2025 um rund 24 Prozent auf etwa 114 Milliarden US-Dollar.
Deutschland in der „Zeitenwende“
Damit gehört Deutschland weiterhin zu den größten Militärspendern weltweit und liegt auf Rang vier – hinter den USA, China und Russland. Gleichzeitig überschritt Deutschland erstmals seit 1990 wieder das zentrale Zweiprozentziel der NATO bei den Verteidigungsausgaben.
Das Zweiprozentziel gilt zwar weiterhin als Referenzgröße, wird inzwischen jedoch durch deutlich ambitioniertere Vorgaben ergänzt, wie auf dem vergangenen NATO-Gipfel in Den Haag 2025 beschlossen. So sollen die Ausgaben langfristig auf bis zu fünf Prozent der Wirtschaftsleistung ausgeweitet werden – einschließlich militärischer und sicherheitsrelevanter Investitionen.
Im SIPRI-Bericht heißt es: Deutschland hat „das dritte Jahr in Folge zweistellige Wachstumsraten bei den Militärausgaben“ verzeichnet, um die angestrebten 3,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2029 zu erreichen.
Möglich wurden die Rüstungsrekordausgaben in den vergangenen Jahren, nachdem die Vorgängerregierung 2022 infolge des Ukraine-Kriegs das Aussetzen der Schuldenbremse und ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr beschlossen hatte.
Europa rüstet auf – Unsicherheit wächst
Deutschland ist Teil eines breiteren Trends: In Europa stiegen die Militärausgaben insgesamt um etwa 14 Prozent.
Ein SIPRI-Experte beschreibt die Dynamik so: „Wenn sich die internationale Sicherheitslage verschlechtert, entsteht Unsicherheit – und Staaten investieren mehr in ihr Militär.“
Weltweit bleiben militärische Konflikte der wichtigste Treiber. In der Ukraine etwa fließen enorme Ressourcen in die Verteidigung, während auch Russland und viele asiatische Staaten ihre Budgets weiter erhöhen.
Die SIPRI-Forscher erwarten keine kurzfristige Entspannung. Im Gegenteil: „2026 scheint nicht weniger Krieg zu bringen als 2025", heißt es in dem Bericht.
Hintergrund ist vor allem die veränderte Sicherheitslage. Der Krieg in der Ukraine, Spannungen mit Russland und Zweifel an der langfristigen Rolle der USA als Sicherheitsgarant treiben viele Staaten dazu, stärker in ihre eigene Verteidigung zu investieren.
USA bremsen – aber nur vorübergehend
Auffällig ist, dass die USA ihre Ausgaben 2025 leicht reduzierten – vor allem wegen ausbleibender Ukraine-Hilfen. Trotzdem bleiben sie mit großem Abstand die führende Militärmacht.
Experten erwarten jedoch, dass dieser Rückgang nicht von Dauer ist und die Ausgaben in den kommenden Jahren wieder steigen werden. Vor wenigen Tagen sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass die USA auch trotz des Iran-Kriegs weiterhin Waffen an die Ukraine liefern würden.
Die Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI basieren auf der jährlich aktualisierten Militärausgaben-Datenbank des Instituts, die als eine der umfassendsten Quellen weltweit gilt.