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Sprunghafter Anstieg: Immer mehr junge Männer verweigern den Dienst an der Waffe

Verteidigungsminister Boris Pistorius mit Soldaten 2023.
Verteidigungsminister Boris Pistorius mit Soldaten 2023. Copyright  AP Photo
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Von Verena Schad
Zuerst veröffentlicht am
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Die Diskussion um eine mögliche Rückkehr der Wehrpflicht zeigt Wirkung: Immer mehr junge Männer in Deutschland stellen Anträge auf Kriegsdienstverweigerung. Schon jetzt deutet sich für 2026 ein neuer Höchststand an.

Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland steigt deutlich an. Bereits im ersten Quartal 2026 haben 2.656 Menschen einen entsprechenden Antrag gestellt. Das berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung unter Berufung auf Angaben des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA).

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Damit ist schon nach drei Monaten ein Großteil der Gesamtzahl aus dem Vorjahr erreicht. 2025 wurden insgesamt 3.867 Anträge registriert, 2024 waren es knapp 3.000.

Setzt sich dieser Trend fort, könnte die Zahl der Verweigerungen in diesem Jahr so hoch ausfallen wie seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 nicht mehr.

Neue Wehrdienstregeln sorgen für Verunsicherung

Als Hauptgrund für den Anstieg gilt die aktuelle sicherheitspolitische Lage – und vor allem die Reform des Wehrdienstes, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Sie sieht unter anderem eine verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008 vor.

Ziel der Bundesregierung ist es, mehr Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen. Sollte das nicht gelingen, könnte der Bundestag eine sogenannte Bedarfswehrpflicht aktivieren.

Während die Politik über den Ausbau der Streitkräfte diskutiert, reagieren viele junge Menschen offenbar mit Skepsis. Die Aussicht auf einen möglichen Dienst an der Waffe lässt die Zahl der Verweigerungsanträge steigen – ein Zeichen wachsender Unsicherheit in einer angespannten internationalen Lage.

Auch die Diskussion über eine mögliche Genehmigungspflicht für längere Auslandsreisen wehrfähiger Männer dürfte nicht unbedingt für die Bundeswehr geworben haben.

Gegenläufige Entwicklung: Widerrufe nehmen zu

Interessant ist dabei, dass nicht nur die Zahl der Verweigerer steigt. Auch Menschen, die ihre Kriegsdienstverweigerung bereits erklärt hatten, revidieren ihre Entscheidung. 2025 geschah das in 781 Fällen, im ersten Quartal 2026 bereits 233 Mal.

Die sicherheitspolitische Lage gilt als angespannt. Verteidigungsminister Boris Pistorius machte zuletzt deutlich, wie ernst die Bundesregierung die Situation einschätzt: „Die Welt ist unberechenbarer geworden und ja, man muss auch sagen, gefährlicher.“

Die Bundesregierung verfolgt ambitionierte Ziele für den Ausbau der Streitkräfte. In seiner jüngst vorgestellten Militärstrategie hält Pistorius an dem Ziel fest, mindestens 260.000 aktive Soldaten in der Bundeswehr zu haben. Zusammen mit der Reserve sollen es künftig mindestens 460.000 Männer und Frauen werden - eine der größten Armeen Europa.

Der neue Präsident des Reservistenverbands, Bastian Ernst, plädierte kürzlich dafür, die Altersgrenze für Reservisten auf 70 Jahre anzuheben, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Derzeit liegt das Höchstalter für Reservisten in der Bundeswehr bei 65 Jahren.

Viele junge Menschen reagieren offenbar mit wachsender Skepsis auf die Entwicklungen – und entscheiden sich bewusst gegen den Dienst an der Waffe, wie die wachsende Zahl der Kriegsdienstverweigerer zeigt.

Ob die steigenden Verweigerungszahlen langfristig Einfluss auf die Ausgestaltung des Wehrdienstes haben werden, dürfte auch davon abhängen, wie viele Freiwillige sich tatsächlich für die Bundeswehr gewinnen lassen.

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