Trump reagierte mit seiner Kritik auf die Äußerungen von Merz vom Montag, die USA würden von der iranischen Führung "gedemütigt".
US-Präsident Trump verschärft seinen Ton gegenüber Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Er fordert ihn auf, sich stärker auf den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu konzentrieren, statt sich zum Konflikt mit dem Iran zu äussern.
"Der deutsche Bundeskanzler sollte mehr Zeit darauf verwenden, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden – wo er völlig wirkungslos geblieben ist – und sein kaputtes Land zu reparieren, vor allem in der Migrations- und Energiepolitik. Weniger Zeit sollte er darauf verwenden, sich in diejenigen einzumischen, die versuchen, die nukleare Bedrohung durch den Iran zu beseitigen und damit die Welt, auch Deutschland, sicherer zu machen", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Damit knüpft er an einen Beitrag vom späten Mittwochabend an, in dem er offen mit einer Verringerung der in Deutschland stationierten US-Truppen droht. "Die Vereinigten Staaten prüfen derzeit eine mögliche Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Eine Entscheidung soll in naher Zukunft fallen", erklärte Trump.
Auslöser für Trumps Kritik waren Äusserungen von Merz vom Montag. Der Bundeskanzler hatte erklärt, die USA würden von der iranischen Führung "gedemütigt". Teheran habe das Verhandlungsteam aus dem Weissen Haus ausmanövriert. "Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung", sagte Merz.
So hatte Merz den Amerikanern vor kurzem vorgeworfen, keine "Exit-Strategie" im Krieg gegen den Iran zu haben. "Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln - oder eben sehr geschickt nicht verhandeln", so der Kanzler vor Schülern im saarländischen Marsberg.
Merz warf Washington auch eine seiner Meinung nach schlecht durchdachte Strategie für den Beginn und das Ende des Krieges vor.
Am Donnerstagnachmittag ging Merz bei einem Truppenbesuch auf dem Truppenübungsplatz in Munster Berichten zufolge nicht direkt auf Trumps Drohungen bezüglich des Truppenabzugs ein, sondern verwies stattdessen auf die Beständigkeit der transatlantischen Partnerschaft.
In all diesen Fragen pflegen wir einen engen und vertrauensvollen Kontakt zu unseren Partnern, auch und gerade zu denen in Washington, so der Kanzler, der ergänzte, dass "wir dies im gemeinsamen transatlantischen Interesse tun. Wir tun dies mit gegenseitigem Respekt und einer fairen Lastenteilung."
Trumps Ankündigung, er erwäge eine Reduzierung der Truppen in Europa, ist nicht neu, aber NATO-Experten sagen, dass die häufigen Äußerungen das transatlantische Bündnis unwiederbringlich ausgehöhlt haben.
Es sei an der Zeit, über ein "Europa ohne die USA" nachzudenken, sagt der ehemalige NATO-Direktor Fabrice Pothier im Gespräch mit Euronews. Pothier beschreibt die Beziehungen Europas zu Washington als eine Art "Frosch-im-kochenden-Wasser-Moment".
Die Lage verschlechtere sich schleichend von Jahr zu Jahr, während europäische Staaten zugleich immer wieder aus den USA hören, man bleibe ein verlässlicher Verbündeter.
Die Metapher vom kochenden Frosch steht für das schrittweise Übersehen wachsender Gefahren: Ein Frosch, der in lauwarmes Wasser gesetzt wird, bemerkt nicht, wie es langsam erhitzt wird – bis es zu spät ist. Europa müsse deshalb seine gemeinsame Verteidigungsfähigkeit rasch ausbauen, warnt Pothier. Der Kontinent müsse darauf vorbereitet sein, künftigen Bedrohungen notfalls allein zu begegnen.
"Man müsse davon ausgehen, dass sich die USA im Ernstfall nicht auf Artikel 5 berufen werden, wenn Europa auf ihre Unterstützung angewiesen ist", sagte er. Artikel 5 der NATO-Charta gilt als Grundpfeiler des Bündnisses. Er hält fest: "Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle".
Unter Europas Staats- und Regierungschefs mache sich zugleich eine gewisse Ermüdung im Umgang mit Trumps erratischem, oft konfrontativem Politikstil breit, so Pothier gegenüber Euronews. In den vergangenen Monaten hat Trump zentrale Sanktionen gegen russisches Öl aufgehoben – eine der wichtigsten Säulen der westlichen Antwort auf Russlands Krieg gegen die Ukraine. Zudem drohte er damit, Grönland, ein teilautonomes Gebiet Dänemarks, zu annektieren.
Trump greift die NATO-Verbündeten immer wieder scharf an, weil sie sich seinem Kurs im Iran-Konflikt nicht angeschlossen haben – obwohl er sie vor Beginn der militärischen Auseinandersetzung nicht konsultiert hatte.
In der vergangenen Woche sorgte zudem eine durchgesickerte E-Mail aus dem Pentagon für Aufsehen. Darin wurde die Idee ventiliert, Spanien und Grossbritannien für die kritischen Äusserungen ihrer Regierungschefs zum Krieg zu sanktionieren. "Die USA haben sich selbst in eine ausgesprochen heikle Lage manövriert, mit weitreichenden globalen Konsequenzen", sagte Pothier.
Zugleich seien führende Politiker inzwischen eher bereit, diese Entwicklung offen zu kritisieren. "Es ist nicht das erste Mal, dass er eine Reduzierung der US-Truppen in Deutschland ins Spiel bringt – deshalb sollte man das ernst nehmen."