Wenige Tage vor der Parade zum Tag des Sieges in Moskau hat die Ukraine einen Langstreckenangriff auf eine russische Militäranlage durchgeführt, die mehr als 1.000 km von der ukrainischen Grenze entfernt liegt.
Die Ukraine hat am Dienstag, nur wenige Tage vor der Siegesparade des Kremls am 9. Mai, einen wichtigen militärisch-industriellen Komplex in Russland angegriffen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte ein Video vom Abschuss von im Inland hergestellten Flamingo-Marschflugkörpern, die nach seinen Angaben eine Entfernung von mehr als 1 500 km zurücklegten, um eine Anlage in Tscheboksary in der Republik Tschuwaschien der Russischen Föderation zu treffen.
Bei der getroffenen Einrichtung handelt es sich nach ukrainischen Angaben um ein staatliches russisches Institut, das Komponenten für Hochpräzisionswaffen produziert, die im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden.
Dort seien unter anderem Relaisschutzsysteme, Automatisierungsanlagen und Niederspannungsgeräte hergestellt worden, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Zugleich erneuerte Selenskyj seine Forderung nach einem Ende der Kämpfe. Russland müsse den Krieg beenden und zu ernsthafter Diplomatie übergehen. "Wir haben unseren Vorschlag gemacht", erklärte er.
Die Ukraine wolle ab Mittwoch um Mitternacht einen Waffenstillstand einhalten. Der Vorstoß ist eine Reaktion auf die einseitig von Russland angekündigte Feuerpause rund um die Militärparade zum "Tag des Sieges" am 9. Mai.
"Ein Menschenleben ist weitaus wertvoller als jede Jubiläumsfeier", sagte Selenskyj. Die vorgeschlagene Dauer solle ausreichen, um zu prüfen, ob eine echte Kampfpause möglich sei. Die Ukraine werde "auf Gegenseitigkeit" reagieren.
Zugleich stellte er die russischen Feierlichkeiten infrage: Ohne den "guten Willen" der Ukraine könne Moskau nach Einschätzung des russischen Verteidigungsministeriums keine sichere Parade abhalten.
Blackout rund um den "Tag des Sieges"
Berichten zufolge schränkt Russland seit Dienstag den mobilen Internetzugang für viele Nutzer ein. Auch große Banken, darunter die Sberbank, warnen vor möglichen Problemen bei Online-Diensten und Bargeldabhebungen.
Die Militärparade in Moskau soll in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen. Nach Angaben des Kremls wird auf Militärfahrzeuge und Kadetten verzichtet – begründet mit der "aktuellen operativen Situation".
Kremlsprecher Dmitri Peskow verwies auf eine aus russischer Sicht bestehende "terroristische Bedrohung" durch die Ukraine. Ziel sei es, Risiken zu minimieren.
Beobachter werten die reduzierte Parade als möglichen Hinweis auf Engpässe bei Personal und Ausrüstung der russischen Streitkräfte.
Hinweise auf militärische Schwächung
Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) berichtet, dass Russland im April erstmals seit mehr als anderthalb Jahren wieder Geländeverluste hinnehmen musste. Demnach habe Moskau rund 116 Quadratkilometer verloren.
Zudem habe sich das russische Vormarschtempo seit November 2025 kontinuierlich verlangsamt. Als Gründe nennt das ISW anhaltende ukrainische Gegenoffensiven sowie Angriffe mit mittlerer Reichweite.
Auch strukturelle Probleme könnten eine Rolle spielen, darunter Einschränkungen bei Kommunikationstechnologien wie Starlink sowie staatliche Eingriffe in Plattformen wie Telegram.