Das russische Verteidigungsministerium teilte in der vergangenen Woche mit, dass bei der diesjährigen Parade kein militärisches Gerät gezeigt werden soll. Hintergrund seien Befürchtungen vor Angriffen durch ukrainische Drohnen.
Russland hat für den 8. und 9. Mai einseitig eine Feuerpause im Krieg gegen die Ukraine angekündigt – just zu dem Zeitpunkt, an dem in Moskau der jährliche Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg begangen wird.
Zugleich drohte das Land mit einem "massiven Raketenangriff" auf Kyjiw, sollte die Ukraine gegen die Feuerpause verstoßen. Präsident Wladimir Putin hatte den Vorschlag bereits in der vergangenen Woche während eines Telefonats mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump unterbreitet. "In Übereinstimmung mit der Entscheidung des Oberbefehlshabers der russischen Streitkräfte, Wladimir Putin, wird vom 8. bis 9. Mai 2026 eine Feuerpause ausgerufen … Wir hoffen, dass sich die ukrainische Seite anschließt", erklärte das russische Verteidigungsministerium in einem Beitrag auf der staatlich unterstützten Messaging-App MAX.
Gleichzeitig verschärfte Moskau den Ton deutlich: "Sollte das Kyjiwer Regime versuchen, seine kriminellen Pläne zur Störung der Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg umzusetzen, werden die russischen Streitkräfte einen massiven Vergeltungsschlag mit Raketen auf das Zentrum von Kyjiw ausführen."
Zudem wurden Zivilisten und Mitarbeiter ausländischer Botschaften aufgefordert, die Stadt umgehend zu verlassen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte am Montagabend auf X mit der Ankündigung einer eigenen Feuerpause. Diese solle früher beginnen als die von Russland geplante – die Kyjiw nach eigenen Angaben bislang nicht offiziell mitgeteilt worden sei.
"Wir kündigen eine Waffenruhe an, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai um 0 Uhr beginnt. In der verbleibenden Zeit ist es realistisch, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie in Kraft treten kann. Ab diesem Zeitpunkt werden wir nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit handeln. Es ist an der Zeit, dass die russische Führung ernsthafte Schritte zur Beendigung ihres Krieges unternimmt – zumal das russische Verteidigungsministerium offenbar davon ausgeht, dass ohne den guten Willen der Ukraine keine Parade in Moskau stattfinden kann", schrieb Selenskyj.
Das russische Verteidigungsministerium hatte bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass bei der diesjährigen Militärparade auf schweres Gerät verzichtet werden soll. Hintergrund seien Befürchtungen vor möglichen Langstreckenangriffen durch ukrainische Drohnen.
Russland greift die Ukraine weiterhin an
Unterdessen meldete die Ukraine neue tödliche Angriffe: Bei einem russischen Raketenbeschuss wurden am Montag in einer Stadt im Osten des Landes sieben Menschen getötet, ein weiterer Angriff in einem Dorf im Süden forderte zwei zusätzliche Todesopfer.
Besonders schwer traf es die Stadt Merefa nahe der zweitgrößten ukrainischen Metropole Charkiw. Nach Angaben regionaler Behörden kamen dort sieben Zivilisten ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt. Der Gouverneur der Region Charkiw, Oleh Syniehubov, hatte zunächst von fünf Toten gesprochen. Später teilte er mit, dass zwei schwer verletzte Männer im Krankenhaus gestorben seien.
Bei den weiteren Opfern handele es sich um zwei Männer und drei Frauen, erklärte Oleh Syniehubov. Unter den Verletzten sei auch ein zweijähriger Junge, der jedoch nicht ins Krankenhaus gebracht werden musste, fügte er hinzu.
Der Angriff habe "zivile Infrastruktur in einer Stadt getroffen, die vergleichsweise weit von der Frontlinie entfernt liegt". Die russischen Streitkräfte konzentrieren sich seit einiger Zeit darauf, erneut Gebiete in der Region Charkiw einzunehmen – Regionen, aus denen sie im Jahr 2022 von den ukrainischen Truppen zurückgedrängt worden waren.
Unabhängig davon berichtete der Gouverneur der südukrainischen Region Saporischschja, Ivan Fedorov, von einem weiteren tödlichen Angriff. Bei einem russischen Luftschlag auf das Dorf Wilnjansk seien zwei Menschen ums Leben gekommen.
"Leider wurde ein Ehepaar getötet: ein 51-jähriger Mann und eine 62-jährige Frau", sagte Fedorow. Zudem seien der 31-jährige Sohn des Paares sowie drei weitere Personen verletzt worden. Wilnjansk liegt unweit der Regionalhauptstadt Saporischschja, auf die sich russische Truppen zuletzt verstärkt zubewegt haben.
In Russland erklärte der Gouverneur der Region Belgorod, Vyacheslav Gladkov, dass eine ukrainische Drohne in einem Grenzgebiet einen Zivilisten getötet habe. Nach seinen Angaben wurden zudem sieben weitere Menschen verletzt, darunter ein zehnjähriger Junge.
Die von den USA angestoßenen Gespräche zur Beendigung des Krieges sind zuletzt durch die Eskalation im Konflikt mit dem Iran in den Hintergrund geraten. Gleichzeitig hat die Zahl tödlicher Angriffe in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen.