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Franziskanerorden mit 300 Wohnungen in Madrid setzt Rentner vor die Tür und predigt Armut

Manuel Ordaz, zwangsgeräumter Rentner in Madrid, am siebten Mai 2026
Manuel Ordaz, älterer Mann nach Zwangsräumung in Madrid, 7. Mai 2026 Copyright  Sindicato de inquilinas
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Von Jesús Maturana
Zuerst veröffentlicht am
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Die Orden Tercera de San Francisco versuchte am siebten Mai zum fünften Mal, den 67-jährigen Rentner Mariano Ordaz aus seiner Wohnung im Viertel Embajadores zu räumen. Der Fall löste Proteste aus und schürt die Wohnungsdebatte.

Mariano Ordaz, ein siebenundsechzigjähriger Rentner, verlor am vergangenen Donnerstag endgültig sein Zuhause in der Wohnung, in der er sein ganzes Leben im Madrider Stadtteil Embajadores im Bezirk Centro verbracht hatte. Grund war die Vollstreckung eines bereits fünften Räumungstitels. Viermal zuvor hatte der Druck aus der Nachbarschaft den Vollzug gestoppt. Diesmal gelang das nicht.

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Seit den frühen Morgenstunden sperrte ein Großaufgebot der Nationalpolizei das Viertel mit bis zu acht Mannschaftswagen und vier Streifenwagen ab. Die Sprecherin des Sindicato de Inquilinas de Madrid, Carolina Vilariño, brachte es auf den Punkt: zu viele Beamtinnen und Beamte, nur um einen Pensionär aus seiner Wohnung zu holen.

Ordaz weiß nun nicht, wie es weitergeht. Er glaubt, für einige Wochen in eine Notunterkunft gehen zu können, und ein Freund hat ihm ein Zimmer für rund vierhundert Euro im Monat angeboten. Weitere Wohnmöglichkeiten hat er nicht.

Ordensgemeinschaft mit Armutsgelübde und über 300 Wohnungen

Eigentümer des Hauses ist die Venerable Orden Tercera de San Francisco de Asís (VOT), eine religiöse Gemeinschaft, die nach Ansicht ihrer Kritiker ihr Vermögen eher wie ein Investmentfonds verwaltet als wie ein Orden. Allein im Zentrum Madrids besitzt die Gemeinschaft mehr als 300 Wohnungen.

Mehrere Mieterinnen und Mieter der VOT berichten von Besonderheiten dieses Vermieters: Die Mieten lagen etwas unter dem Marktniveau, dafür sollten die Bewohner die stark heruntergekommenen Wohnungen auf eigene Kosten renovieren. Die Instandhaltung der Gemeinschaftsflächen beschreiben sie als katastrophal: undichte Dächer, zerbrochene Fenster, defekte Beleuchtung, von Rost überzogene Leitungen.

Die Geschichte von Mariano Ordaz passt in dieses Muster. Nach der Pandemie verlor er seine Arbeit und konnte die steigenden Mieten nicht mehr zahlen. Als von ihm 800 Euro monatlich und zusätzlich ein aufgelaufener Rückstand von 15.000 Euro verlangt wurden, war für ihn klar: Das war nicht zu stemmen. Er musste auch essen sowie Strom und Wasser bezahlen.

Der Orden rechtfertigt die Zwangsräumung mit angeblich notwendigen Bauarbeiten wegen des schlechten Zustands des Gebäudes. Das Sindicato de Inquilinas sieht es gegenteilig: Der „erbärmliche Zustand“ des Hauses sei Folge der unterlassenen Instandhaltung durch die Eigentümer selbst, die den Verfall nun als Vorwand genutzt hätten, um die Räumung durchzusetzen und das Gebäude zu leeren.

Die Organisation betont, die franziskanische Gemeinschaft sei kein Kleinvermieter, sondern eine Institution mit einem großen, von Steuern befreiten Immobilienvermögen, die zudem Gesundheitseinrichtungen wie das Krankenhaus VOT San Francisco de Asís betreibt.

Ende des Moratoriums: Tür offen für Tausende Zwangsräumungen

Der Fall von Mariano lässt sich nur vor diesem politischen Hintergrund verstehen. Das Räumungsmoratorium ist im Kongress am sechsundzwanzigsten Februar ausgelaufen – mit den Gegenstimmen der rechten Parteien. Mit der Aufhebung, warnt das Sindicato de Inquilinas, haben Menschen wie Mariano eines der wenigen Instrumente verloren, mit denen sie sich schützen konnten.

Das Syndikat warnt, dass dieser Fall die Tür für eine Welle von bis zu 60.000 Zwangsräumungen besonders verletzlicher Familien im gesamten Staat öffnen könnte. Mieterorganisationen machen mehrere Ebenen der Verwaltung verantwortlich: die Delegación de Gobierno, die Zentralregierung dafür, dass sie die „Ley Mordaza“ nicht abgeschafft hat, die Wohnungsbauministerin, die Comunidad de Madrid und die Stadtverwaltung der Hauptstadt.

Am 24. Mai ist in Madrid eine Demonstration unter dem Motto „La vivienda nos cuesta la vida. Bajemos los precios“ angekündigt, die um zwölf Uhr an der Station Atocha starten soll.

Madrid: angespanntester Wohnungsmarkt Spaniens

Die Zwangsräumung von Mariano ist kein Einzelfall; sie ist nach Ansicht von Nachbarschaftsorganisationen Symptom eines aus dem Ruder gelaufenen Marktes. Seit vierundvierzig Monaten in Folge steigen die Mieten im Jahresvergleich, eine Serie, die im März 2022 begann. Seitdem sind die Preise um 33 Prozent nach oben geschnellt und schließen immer mehr Familien vom Markt aus.

In Madrid verzeichnete der zentrale Bezirk innerhalb eines Jahres einen Mietanstieg von 21 Prozent, die Monatsmieten liegen dort kaum noch unter zweitausend Euro. Dass ein Orden mit Hunderten Wohnungen in genau diesem Zentrum die Mieten so weit erhöht, dass sie untragbar werden und anschließend die Gerichte anruft, um Räumungen durchzusetzen, gibt dem Fall eine Dimension, die über den klassischen Konflikt zwischen Eigentümer und Mieter hinausgeht.

Der Anstieg der Mieten und der Immobilienpreise drängt viele Spanierinnen und Spanier trotz des jüngsten Wirtschaftsbooms aus dem Markt. Die Löhne sind nicht im gleichen Tempo gestiegen, und nach Einschätzung von Analysten verschärfen der Boom des Tourismus und das Bevölkerungswachstum in den Städten, angetrieben durch Zuwanderung, den Druck auf das ohnehin knappe Angebot zusätzlich.

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