Lederhose, Bierzelte und Ballermann-Hits: Die Bergkirchweih in Erlangen ist gestartet. Doch eine Liste mit Liedern, die aus Sicht der Stadt frauenfeindliche Inhalte transportieren, sorgt schon zum Auftakt des Volksfests für Diskussionen. Was dahinter steckt.
Während für viele derzeit die erste große Hitzewelle für erste Sommergefühle sorgt, beginnt im mittelfränkischen Erlangen die 5. Saison: Es ist Bergkirchweih-Zeit. Für die Besucher bedeutet das: Lederhose oder Dirndl auspacken und zum Bierzelt pilgern. Für viele ist das Grölen von Partysongs fester Bestandteil der Partytradition - "Rosies Nummer" kennt hier fast jeder.
Damit es dabei nach Vorstellung der Stadt in diesem Jahr etwas respektvoller zugeht, hat die Gleichstellungsstelle eine Liste mit Liedern veröffentlicht, die aus ihrer Sicht frauenfeindliche Inhalte transportieren. Wirte und Schausteller werden darin gebeten, diese Songs nach Möglichkeit nicht zu spielen.
Bierzelt ohne "Skandal im Sperrbezirk" und "Joana"?
Die Liste sei, so erklärte Réka Lőrincz von der Gleichstellungsstelle, nicht willkürlich entstanden, sondern basiere auf konkreten Kriterien und Beispielen.
Heraus kam dabei das hier:
- Layla – DJ Robin & Schürze
- Nein heißt ja – G.G. Anderson
- Donaulied – dazu gibt es unter anderem eine Ballermann‑Version von Mickie Krause
- Baby Bell – Breitner
- Joana (du geile Sau) – Roland Kaiser/Ballermann‑Version unter anderem von Peter Wackel
- Olé, wir fahr’n in’ Puff nach Barcelona – Mickie Krause
- 20 Zentimeter – Mirja Boes
- Die Glöcknerin von Dingolfing – Dorfrocker
- Skandal im Sperrbezirk – Spider Murphy Gang
- Geh mal Bier hol’n – Mickie Krause
- Deine Freundin – SDP
- 10 nackte Friseusen – Mickie Krause
Bei der Liste handelt es sich - entgegen einiger Medienberichte - jedoch nicht um eine Verbotsliste.
"Die Liste ist als Orientierung und Sensibilisierung gedacht. Unser gemeinsames Ziel mit Wirtinnen, Wirten und Schaustellerbetrieben ist ein friedliches und respektvolles Fest für alle", heißt es in der Mitteilung des Teams.
Unterschiedliche Reaktionen
Die Reaktionen auf die Empfehlung der Stadt fallen unterschiedlich aus. Der Manager der Spider Murphy Gang sprach von einem "Skandal". Ballermann-Sänger Peter Wackel erklärte zudem, auf der Bergkirchweih gebe es seit Jahren immer neue Debatten über Verbote und Einschränkungen.
Etwas nüchterner bewertet die Vereinigung der Bergwirte die Diskussion. Deren Sprecher Till Stürmer sagte den "Nürnberger Nachrichten", er halte es grundsätzlich für richtig, diskriminierende Lieder möglichst nicht zu spielen. Gleichzeitig gebe es unterschiedliche Erwartungen an ein Volksfest: Manche Besucher störten sich an bestimmten Texten, andere wollten gerade diese Songs hören. "Beides muss man zur Kenntnis nehmen", sagte Stürmer.
Er glaube nicht, dass Besucher wegen der Debatte fernblieben, warnte aber vor einer zu einseitigen Diskussion. Statt strenger Vorgaben plädierte er für einen pragmatischen Umgang: keine Reglementierung, aber ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass sich manche Menschen durch bestimmte Lieder verletzt oder ausgeschlossen fühlen könnten.
Sexuelle Übergriffe und Sicherheitskonzept
Auslöser für die intensivere Beschäftigung der Stadt mit dem Thema waren unter anderem Vorfälle auf der Bergkirchweih im vergangenen Jahr. Damals hatte es Berichte über sexuelle Belästigung auf dem Festgelände gegeben. Nach Angaben der Gleichstellungsbeauftragten Réka Lőrincz hätten diese Ereignisse den Anstoß gegeben, sich systematischer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auch die Wirkung bestimmter Liedtexte sei dabei diskutiert worden, sagte sie den "Nürnberger Nachrichten".
Teil des Konzepts ist unter anderem ein sogenannter "Safe Space", der Frauen und Mädchen auf dem Festgelände als Anlaufstelle dienen soll, wenn sie sich unwohl fühlen oder Übergriffe erleben. Verantwortlich dafür ist unter anderem Milena Krüger vom städtischen Veranstaltungsdienst. In dem Podcast "The Nuremberg Times" erklärte sie, dass dafür hauptamtliche Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs gemeinsam mit rund 30 Ehrenamtlichen im Einsatz seien. Die Helferinnen patrouillieren in pinkfarbenen Warnwesten über das Gelände und sollen für Besucherinnen sichtbar und ansprechbar sein. Zusätzlich betreibt die Stadt einen eigenen Container direkt auf dem Festgelände.
Ein Schwerpunkt liege dabei auf Prävention und Sichtbarkeit. Über Banner, Broschüren, Social-Media-Kampagnen und die offizielle Website solle möglichst früh auf das Angebot aufmerksam gemacht werden. Auch Wirte und Schausteller würden im Vorfeld informiert, zudem arbeiteten Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr mit dem Safe-Space-Team zusammen.