Weltweit bekannt für ihren lebensrettenden Covid-Impfstoff: Woran arbeitet Moderna heute? Der CEO spricht im Studio über Bioterrorismus, Pandemievorsorge und neue Krebsbehandlungen.
Es wirkt heute fast wie eine ferne Erinnerung: In der Corona-Zeit galt Moderna als einer der Hoffnungsträger. Das Unternehmen brachte seinen mRNA-basierten Impfstoff Spikevax weniger als ein Jahr nach den ersten Lockdowns nach Europa.
An die Börse ging das US-Unternehmen erst wenige Jahre zuvor, 2018 an der Technologiebörse Nasdaq. Damals stellte Moderna mit dem größten Biotech-Börsengang einen Rekord auf. Inzwischen haben ihn Sana Biotechnology im Jahr 2021, Kailera Therapeutics Anfang 2026 und zuletzt Parabilis Medicines übertroffen: Parabilis nahm am 10. Juni 2026 stolze 670 Millionen Dollar ein.
Nach einem Kursboom rund um den Corona-Impfstoff ist der Börsenwert von Moderna in den vergangenen fünf Jahren stetig gefallen. Im Unternehmen herrscht dennoch Zuversicht: Die bisherigen Zahlen für 2026 geben einen ersten Anlass zur Hoffnung.
„Dann kam COVID, und wir haben einen kleinen Umweg gemacht, um unserer Pflicht nachzukommen und den Menschen zu helfen … seitdem sind wir zu unserer eigentlichen Mission zurückgekehrt“, erklärte Stéphane Bancel, CEO von Moderna.
„Wir haben das Unternehmen gegründet und später an die Börse gebracht, weil wir überzeugt sind, dass mRNA eine sehr leistungsfähige Technologie ist. Mit ihr sollten sich im Laufe der Zeit Medikamente in vielen Bereichen entwickeln lassen – gegen Krebs, Infektionskrankheiten, seltene genetische Erkrankungen und mehr.“
Für diese Folge von The Big Question war Stéphane Bancel bei Moderatorin Mared Gwyn im Studio. Thema waren die Zukunft von Moderna und Europas Vorbereitung auf kommende Gesundheitskrisen.
Droht die nächste Pandemie?
„Wir gehen davon aus, dass es immer das Risiko einer großen Pandemie gibt. Sie kann aus der Natur kommen oder vom Menschen verursacht sein“, sagte Stéphane in der Sendung The Big Question.
„Sollte erneut etwas Großes passieren, etwa eine Pandemie, können wir noch schneller reagieren als im Jahr 2020. Heute verfügen wir über eine Produktionsinfrastruktur: eine große Fabrik in den USA, weitere Werke in Kanada, im Vereinigten Königreich und in Australien. Die Welt ist damit deutlich besser aufgestellt – und Moderna auch.“
Moderna ist zwar ein US-Konzern, Stéphane Bancel kommt jedoch aus Europa – und macht sich Sorgen um seine Heimat.
Im Mai kündigte BioNTech, das deutsche Biotech-Unternehmen hinter dem gemeinsam mit Pfizer entwickelten Corona-Impfstoff Comirnaty, der zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Vakzinen zählt, an, seine Produktionsstandorte in Deutschland zu schließen.
Ab Ende 2026 wird Comirnaty ausschließlich beim US-Partner Pfizer produziert.
„Wenn man heute auf Kontinentaleuropa schaut, gibt es dort keinerlei Produktionskapazität für mRNA-Impfstoffe“, warnte Stéphane.
„Deshalb versuchen wir bei Moderna, mit der Europäischen Union und mit mehreren Regierungen in Europa zusammenzuarbeiten. Wir wollen herausfinden, wie sich Partnerschaften aufbauen lassen, wie wir sie bereits in Kanada, im Vereinigten Königreich oder in Australien haben. Denn wir halten es für wichtig, dass Europa mRNA-Produktion im eigenen Gebiet hat.“
„Es könnte in Europa etwas wirklich Schlimmes passieren – aber es gäbe keine industrielle Basis, um dagegen anzukämpfen.“
Krebsimpfstoff: Rettet er den Moderna-Aktienkurs?
Wie BioNTech richtet auch Moderna seine mRNA-Plattform inzwischen auf andere Therapiegebiete aus, etwa auf die Krebsbehandlung.
Vor Kurzem stellte das Unternehmen eine neue Therapie für das Lynch-Syndrom vor. Diese genetische Erkrankung beeinträchtigt die Fähigkeit des Körpers, defekte DNA zu reparieren, und verdoppelt das Risiko, bestimmte Krebsarten zu entwickeln.
Stéphane hofft, dass dieser Impfstoff helfen wird, Krebs bei Menschen mit Lynch-Syndrom zu verhindern – und zugleich die Geschäftsaussichten von Moderna verbessert.
„Wir kehren zu unserer Strategie aus der Zeit vor der Pandemie zurück. Inzwischen haben wir vier Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten, die von den europäischen Behörden zugelassen sind. Weitere befinden sich in Phase drei, für die wir in diesem Jahr 2026 Daten erwarten. Und wir arbeiten an vielen Produkten wie der Therapie für das Lynch-Syndrom.
„Wir diversifizieren also unser Portfolio und kehren in diesem Jahr zu Wachstum bei den Umsätzen zurück. Uns war immer klar, dass die Erlöse mit COVID nach der Pandemie stark zurückgehen würden. Aber mit dem gesamten Produktportfolio und der Stärke unserer mRNA-Plattform wollen wir die Verkäufe wieder steigern – genau daran arbeiten wir jetzt.“
The Big Questionist eine Reihe von Euronews Business, in der wir mit Führungspersönlichkeiten und Expertinnen und Experten aus der Wirtschaft über einige der wichtigsten Themen unserer Zeit sprechen.
Das vollständige Gespräch mit Moderna sehen Sie im Video oben.