Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Rekord-Einbürgerungen und ab 2027 könnten die Ukrainer hinzukommen

Europa-, ukrainische und deutsche Flagge vor dem Bundestag in Berlin, Archiv
Europa-, ukrainische und deutsche Flagge vor dem Bundestag in Berlin, Archiv Copyright  Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die Zahl der Einbürgerungen in Deutschland ist auf einem neuem Höchststand. Ab 2027 rechnen Städte und Landkreise mit vielen Anträgen ukrainischer Flüchtlinge, falls der EU-Schutzstatus ausläuft. Schon heute arbeiten viele Einbürgerungsbehörden am Limit.

Die Zahl der Einbürgerungen in Deutschland ist auf einen neuen Höchststand gestiegen: Im Jahr 2025 haben 332.500 Personen die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von 14 Prozent, so das Statistische Bundesamt.

WERBUNG
WERBUNG

Den größten Anteil machten mit 20 Prozent Syrer aus. Im Vergleich zu 2024 ließen sich jedoch fast 20.000 Syrer weniger einbürgern. Auf Platz zwei liegen Türken mit 10 Prozent der Einbürgerungen, gefolgt von Russen mit 6 Prozent.

Besonders stark gewachsen sind die Einbürgerungen von bosnischen (+126 % auf 8.800), US-amerikanischen (+100 % auf 6.600) sowie albanischen (+97 % auf 6.100) Staatsangehörigen. Inzwischen machen fast alle Eingebürgerten von der Option der Doppelstaatsbürgerschaft Gebrauch, so der Mediendienst Integration.

Demnach entscheiden sich zwischen 85 Prozent und 98 Prozent für den Doppelpass. Eine eindeutige Bilanz lässt sich nicht ziehen, da nicht alle Städte Zahlen zur doppelten Staatsbürgerschaft erfassen oder veröffentlichen.

Seit einer Reform des Staatsangehörigkeitsrechts durch die Ampel-Koalition (SPD, Grüne, FDP) , die Ende Juni 2024 in Kraft trat, ist der sogenannte Doppelpass bei der Einbürgerung gesetzlich der Standard und die Aufgabe der alten Staatsbürgerschaft ist nicht mehr erforderlich. Die Gesetzesänderung verkürzte zudem die Wartezeit für eine Einbürgerung von acht auf fünf Jahre.

Anläßlich der Einbürgerungszahlen behauptet die AfD-Parteichefin Alice Weidel auf der Social-Media-Plattform X: "Die Neubürger nutzen die Vorteile als Deutsche, ohne sich zu Deutschland zu bekennen. Für die AfD ist klar: Massenhafte Einbürgerungen müssen gestoppt und bereits erfolgte Einbürgerungen auf den Prüfstand gestellt werden."

Eine Gruppe könnte den Syrern ab Frühjahr 2027 auf Platz eins Konkurrenz machen: die Ukrainer. Etwa 1,3 Millionen ukrainische Staatsbürger leben in Deutschland.

"Die Staatsangehörigkeitsbehörden sind ohnehin bereits jetzt stark ausgelastet", zitiert die Welt aus einem der Zeitung vorliegenden Papier. Es stammt, so die Welt, vom Rechtsausschuss des Deutschen Städtetages. Eine zusätzliche Nachfrage durch Ukrainer könnte zu einer "endgültigen Überlastungssituation" führen, heißt es demnach.

Keinen Schutz mehr für männliche Ukrainer?

Bislang verfügen Ukrainer in Europa über einen vorübergehenden Schutz, beschlossen von der EU. Nach derzeitigem Stand läuft dieser Schutz jedoch im März 2027 aus. Diese Woche wollen die EU-Innenminister über mögliche Rahmenbedingungen für eine Verlängerung beraten.

Wie das Handelsblatt berichtet, liegen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zwei mögliche Fassungen einer Verlängerung vor: Eine würde den Schutzstatus allgemein verlängern. Die zweite Version würde ukrainische Männer zwischen 23 und 60 Jahren vom temporären Schutz ausschließen. Aller Voraussicht nach würde Letzteres jedoch nur Männer betreffen, die neu in die EU einreisen.

Pro-ukrainische Demonstration in Berlin, 22. Februar 2022
Pro-ukrainische Demonstration in Berlin, 22. Februar 2022 Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Sollten die EU-Staaten sich gegen eine Verlängerung entscheiden, könnte für Ukrainer eine Einbürgerung attraktiv sein. Viele ukrainische Flüchtlinge, die schon seit Kriegsbeginn in Deutschland leben, erfüllen im Frühjahr 2027 die dafür notwendige Aufenthaltsdauer. Doch offenbar herrscht Uneinigkeit darüber, ob Ukrainer überhaupt eingebürgert werden können.

Der Landkreis Uelzen sowie die Stadt Flensburg argumentieren im Gespräch mit der Welt, dass ein Aufenthaltstitel nicht zur Einbürgerung berechtigen würde. Auf der anderen Seite wappnen sich bereits Städte wie das niedersächsische Leer für die erwartete Flut an Anträgen.

Klare Einigung im Koalitionsvertrag

Mehrfach sprachen sich Unionspolitiker wie Alexander Throm in der Vergangenheit für schärfere Einbürgerungsgesetze aus. Throm forderte im Gespräch mit der Welt etwa, die Einbürgerungsfrist wieder auf acht Jahre zu verlängern sowie die doppelte Staatsbürgerschaft wieder abzuschaffen.

Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, erklärte der Welt: "Wir arbeiten mit der Union auf der Grundlage des Koalitionsvertrages hervorragend zusammen. Ich bin froh, dass wir im Zuge dessen auch die doppelte Staatsbürgerschaft als Erfolgsmodell gesetzlich aufrechterhalten haben." Basierend auf den Regelungen könnten "nur gut integrierte Menschen" Deutsche werden. "Diese Zahlen sind insoweit gut für uns alle. Gut für den Arbeitsmarkt, die Sozialsysteme und für unser gesellschaftliches Zusammenleben", so Fiedler über die Einbürgerungszahlen.

In den schwarz-roten Koalitionsvertrag schafften es die CDU-Forderungen nach härteren Einbürgerungsgesetzen nicht. Zum Thema Einbürgerung ist dort nur Folgendes notiert: "Wir schaffen die 'Turboeinbürgerung‘ nach drei Jahren ab. Darüber hinaus halten wir an der Reform des Staatsbürgerschaftsrechts fest."

Mit der Turboeinbürgerung konnten besonders gut Integrierte noch schneller einen deutschen Pass erhalten. Sie wurde Ende Oktober 2025 auf Betreiben von CDU und SPD wieder abgeschafft.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

St. Petersburg: Explosion an russischem Öllager nach ukrainischem Drohnenangriff

Europe Today: Ungarn zeigt sich offener zur Ukraine, EU schnürt neue Russland-Sanktionen

Ukraine bestattet Überreste eines umstrittenen Nationalistenführers