Ab dem ersten Juni gilt in Warschau eine Alkohol-Sperre: Von 22 Uhr bis sechs Uhr verkaufen Läden und Tankstellen keinen Alkohol mehr; die lokal getestete Regel gilt nun für alle Einwohner.
Seit dem 1. Juni gilt in ganz Warschau ein nächtliches Verbot des Alkoholverkaufs in Geschäften und an Tankstellen.
Nach dem Beschluss des Stadtrats darf zwischen 22.00 und 6.00 Uhr in Einzelhandelsgeschäften kein Alkohol mehr verkauft werden. Eine Ausnahme bilden die Duty-free-Shops im Bereich des Chopin-Flughafens.
Weniger Einsätze für Polizei und Stadtwache
Bereits seit dem 1. November 2025 liefen solche Einschränkungen testweise in zwei Bezirken – in Śródmieście, dem historischen und politischen Zentrum der Stadt, und Praga-Północ, östlich der Weichsel, gegenüber der Innenstadt. Laut den Daten der Stadtwache ging die Zahl der Einsätze im Vergleichszeitraum November bis Januar zurück – sowohl am Tag (um mehr als 10 Prozent) als auch in der Nacht (um mehr als 15 Prozent).
Eine Auswertung für das gesamte Stadtgebiet zeigt zwar insgesamt einen Rückgang der Vorfälle, am deutlichsten ist er jedoch in den Bezirken mit Verkaufsverbot. Dort registrierten die Dienste rund 23,7 Prozent weniger Einsätze, in den übrigen Teilen Warschaus waren es 11,1 Prozent.
In der Nacht war der Unterschied ebenfalls klar: In der Verbotszone verzeichneten die Dienste etwa 23 Prozent weniger Einsätze, im Rest der Stadt etwas mehr als vier Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang in Śródmieście aus, dort lag das Minus im Jahresvergleich bei rund 26 Prozent.
Die Daten der Warschauer Polizeidirektion zeigen eine noch größere Veränderung: Dort sank die Zahl der Polizeieinsätze um mehr als 37 Prozent. Gleichzeitig nahmen die Maßnahmen der Polizei in benachbarten Bezirken wie Praga-Południe, Targówek oder Wola zu.
In einer von Euronews durchgeführten Straßenumfrage äußerten die Bewohner der Stadt unterschiedliche Meinungen zu den neuen Regeln. Die Mehrheit ist der Ansicht, dass die Einschränkung des Alkoholverkaufs die Sicherheit und die Lebensqualität in Warschau verbessern wird.
Die Idee, den nächtlichen Alkoholverkauf in der Hauptstadt zu begrenzen, entwickelte sich Schritt für Schritt. Angestoßen hatte sie das Bürgernetzwerk Miasto Jest Nasze, die Debatte darüber zog sich lange hin und nahm mehrere Wendungen.
Warschaues Oberbürgermeister Rafał Trzaskowski lehnte ein solches Modell zunächst ab, brachte später ein Verbot für die gesamte Stadt ins Gespräch und entschied sich schließlich für ein Pilotprojekt in zwei Bezirken.
Inzwischen gelten ähnliche Einschränkungen in mehr als 200 Kommunen in Polen. Die nächtliche Alkoholprohibition, meist ohne Gastronomiebetriebe, besteht unter anderem in Krakau, Gdańsk, Bydgoszcz und Szczecin.
In anderen Städten, etwa in Poznań oder Wrocław, betreffen die Verbote vor allem die zentralen Stadtbereiche.