Der US-Präsident richtet nach dem Abkommen mit dem Iran seinen Fokus auf den Ukraine-Krieg. Beim G7-Treffen in Évian-les-Bains gibt es allerdings für Präsident Selenskyj kein bilaterales Treffen mit Trump.
Donald Trump hat signalisiert, dass er sich wieder stärker um ein Ende von Russlands Krieg gegen die Ukraine kümmern will. Vor den G7-Staats- und Regierungschefs, die im französischen Alpenkurort Évian-les-Bains tagen, erklärte er, Washington werde sich nach der Einigung auf ein Rahmenabkommen mit dem Iran wieder stärker dem Konflikt zuwenden.
"Jetzt, da das hier (Iran) erledigt ist, werden wir uns darauf konzentrieren", sagte Trump am Montag bei einem bilateralen Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
Die Äußerung dürfte in europäischen Hauptstädten auf Zustimmung stoßen. Dort wächst die Sorge, dass der Krieg in der Ukraine in Washington hinter den dreieinhalbmonatigen US-Militäreinsatz gegen den Iran zurücktritt. Ob Trumps neues Interesse allerdings auch zu spürbarem diplomatischem Druck auf Moskau führt, bleibt die zentrale Frage vor der Gipfelsitzung an diesem Dienstag.
Selenskyj im Saal – aber nicht an Trumps Tisch
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nimmt auf Einladung Macrons an der G7-Arbeitssitzung diesen Dienstag teil. Das Treffen steht offiziell unter dem Titel "Frieden und Sicherheit für die Ukraine und Europa aufbauen". Ein separates bilaterales Gespräch mit Trump am Rande des Gipfels ist jedoch nicht geplant – eine auffällige Lücke, die nach Ansicht von Analysten zeigt, wie sehr der Einfluss der Ukraine in Washington geschwunden ist.
Russland machte am Montag die Brisanz deutlich und griff erneut mit Drohnen und Raketen mehrere große Städte in der Ukraine an. Dabei wurden elf Menschen getötet. Getroffen wurde auch die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, die Hauptkirche des zum Weltkulturerbe zählenden Höhlenklosters in Kyjiw – eines der bedeutendsten orthodoxen Heiligtümer des Landes.
Trump erklärte, er habe am Sonntag, an seinem 80. Geburtstag, getrennt telefonisch mit Selenskyj und Wladimir Putin gesprochen. Er beschrieb die Gespräche als produktiv.
Macrons Doppelaufgabe
Für Emmanuel Macron, der zum letzten Mal als Präsident einen G7-Gipfel ausrichtet, ist der Ukraine-Krieg der Prüfstein dieses Treffens. Er verfolgt zwei Ziele: Trump bei dem Thema eingebunden zu halten und zugleich einen abgestimmten Vorstoß für mehr wirtschaftlichen und militärischen Druck auf den Kreml zu organisieren.
"Die richtige Verhandlung ist eine, bei der die Ukraine und Russland am Tisch sitzen – aber Europäer und Amerikaner ebenfalls präsent sind", sagte Macron im französischen Fernsehen vor Beginn der Gespräche.
Für die Ukraine kam parallel zum Gipfel ein wichtiger Schritt: Sie hat am Montag offiziell EU-Beitrittsverhandlungen eröffnet. Das Verfahren wird Jahre politischer Reformen verlangen, gilt der Führung in Kyjiw aber als zentrale langfristige Sicherheitsgarantie. Eine Aufnahme in die NATO ist de facto blockiert: Die Trump-Regierung lehnt sie ab, und andere Bündnispartner scheuen diesen Schritt, solange der Krieg andauert. Umso mehr Gewicht erhält der Weg in die Europäische Union.
Nach Iran-Einsatz: Mühsam gezähmte Spannungen
Die europäischen G7-Mitglieder reisen dennoch mit gemischten Gefühlen nach Évian. Trump hatte den Krieg gegen den Iran begonnen, ohne sie vorher zu konsultieren. Seine Drohung, als Reaktion auf die mangelnde Unterstützung US-Truppen aus Frankreich, Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich abzuziehen, belastete die transatlantischen Beziehungen monatelang.
Nun, da die Einigung mit dem Iran steht, hat sich der Ton in Richtung vorsichtiger Annäherung verschoben. Macron, Keir Starmer, Friedrich Merz und Giorgia Meloni schlossen sich Kanada in einer gemeinsamen Erklärung an, in der sie das Abkommen als "diplomatischen Durchbruch" würdigten und eine rasche Umsetzung forderten, um die Straße von Hormus wieder zu öffnen.
Macron erklärte, Frankreich und seine westlichen Partner seien "bereit, sehr schnell zu handeln", um die Sicherheit in der Wasserstraße wiederherzustellen. Trump äußerte sich zurückhaltender zum Bedarf an internationaler Beteiligung: "Ich glaube nicht, dass wir viel Hilfe brauchen. Aber ich halte es nicht für eine schlechte Idee, wenn ein oder zwei Schiffe aus einigen Ländern hier präsent sind. Frankreich wäre ein großartiges Land dafür."
Agenda an diesem Dienstag
Neben der Sitzung zur Ukraine halten die G7-Staats- und Regierungschefs eine Arbeitssitzung zur Stabilität im Nahen Osten ab. Daran nehmen auch die Staats- und Regierungschefs von Ägypten, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten teil. Trump hat zudem separate bilaterale Gespräche mit dem Emir von Katar und dem Präsidenten der Emirate angesetzt.
Der G7 gehören Frankreich, die Vereinigten Staaten, Kanada, Deutschland, Italien, Japan und das Vereinigte Königreich an. Brasilien, Indien, Kenia und Südkorea nehmen als Partnerländer an ausgewählten Sitzungen teil.