Die Zahl der Migranten, die von Libyen aus Gavdos und Kreta erreichen, steigt seit Wochen rasant. Nun reagiert die griechische Regierung mit einem geschlossenen Aufnahmezentrum in Heraklion – gegen den Widerstand lokaler Behörden und vieler Einwohner.
Die Migrationsbewegungen von Libyen nach Gavdos und Kreta reißen seit Wochen nicht ab. Täglich erreichen Hunderte Migranten die griechischen Inseln. Um die Ankünfte besser zu steuern, will die griechische Regierung nun eine geschlossene Einrichtung zur vorübergehenden Unterbringung und Registrierung schaffen – trotz massiver Vorbehalte auf Kreta.
Wie das griechische Ministerium für Migration und Asyl mitteilte, informierte Migrationsminister Thanos Plevris den Regionalpräsidenten von Kreta, Stavros Arnaoutakis, sowie den Bürgermeister von Heraklion, Alexis Kalokairinos, über den geplanten Standort. Als Übergangslösung sollen die ehemaligen Skouloudis-Lagerhallen am zehnten Kilometer der Nationalstraße Heraklion–Moires genutzt werden.
Umbau soll noch im Juli abgeschlossen sein
Mitarbeitende des Ministeriums haben das Gelände bereits besichtigt und stehen mit dem Eigentümer in Kontakt. Die notwendigen Umbauarbeiten und organisatorischen Vorbereitungen sollen zügig abgeschlossen werden, damit die Einrichtung noch im Juli ihren Betrieb aufnehmen kann.
Nach Angaben der Regierung handelt es sich um eine geschlossene, zeitlich befristete Struktur, die sich am bestehenden Aufnahmezentrum im Ausstellungsgelände von Agyia bei Chania orientiert. Ziel sei es, die Ankünfte zu registrieren und die Migrationsbewegungen besser zu steuern, ohne die örtliche Bevölkerung zusätzlich zu belasten.
Gespräche mit Kommunen ohne Ergebnis
Die Entscheidung fiel, nachdem die Gespräche mit den kommunalen Behörden in den vergangenen Wochen ergebnislos geblieben waren. Gleichzeitig verschärft sich die Lage durch die Hauptreisezeit im Sommer. Der bislang genutzte provisorische Standort im sogenannten „Psigeio“ gilt nach Einschätzung der Regierung nicht mehr als geeignet, um die steigenden Ankunftszahlen zu bewältigen.