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Fast wie im alten Rom: Bayern plant Aquädukt wegen Wassermangel

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nimmt am Sonntag, 5. Mai 2024, in Lenggries am Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützen teil.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nimmt am Sonntag, 5. Mai 2024, in Lenggries am Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützen teil. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Eine neue Wasserfernleitung soll dafür sorgen, dass Teile Bayerns stets ausreichend Wasser zur Verfügung haben. Das Aquäduktsystem soll am Ende über 1000 Kilometer umfassen.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will Wasser aus den wasserreichen Regionen des Freistaats dorthin bringen, wo es immer knapper wird. Wegen zunehmender Trockenheit und häufiger Dürresommer plant Bayern den Ausbau der Wasserinfrastruktur – mit einem gewaltigen Aquäduktsystem.

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Hintergrund der Überlegungen sind immer häufigere Dürrephasen und sinkende Grundwasserstände in Teilen Bayerns. Während Südbayern und das Alpenvorland vergleichsweise wasserreich sind, leiden insbesondere Regionen in Franken und der nördlichen Oberpfalz in trockenen Jahren zunehmend unter Wasserknappheit.

Söder spricht von einem "Generationenprojekt"

Herzstück der bayerischen Wasser-Offensive ist das Projekt "SüSWasser" ("Sicherheit der überregionalen Systeme in der Wasserversorgung"). Gemeinsam mit den elf bayerischen Fernwasserversorgern will das Umweltministerium ein neues Leitungsnetz schaffen, das Wasser künftig auch in trockene Regionen bringt. Schon heute versorgen die Fernwasserleitungen rund 2,6 Millionen Menschen mit Trinkwasser. Durch den Ausbau könnten weitere 2,4 Millionen Einwohner profitieren.

Das gesamte Leitungsnetz soll am Ende eine Länge von rund 1.200 Kilometern erreichen und jährlich rund 30 Millionen Kubikmeter Wasser transportieren.

Nach den Plänen von Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) soll die Leitung in Schwaben beginnen und über Westmittelfranken, Oberfranken und die Oberpfalz bis nach Niederbayern verlaufen.

Äußerst trockenes Jahr 2026

Bayern erlebt nach Angaben der Staatsregierung das trockenste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 145 Jahren. Ende Juni wurde im unterfränkischen Kitzingen mit 40,8 Grad Celsius zudem ein neuer Hitzerekord für den Freistaat gemessen. Zwischen März und Juni fielen in Südbayern lediglich 198 Millimeter Niederschlag – so wenig wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen.

Nach Ansicht der Staatsregierung reicht es deshalb nicht mehr aus, ausschließlich auf lokale Wasserversorgung zu setzen.

Auch der Niedrigwasser-Informationsdienst (NID) des Landes soll ausgebaut werden, um Trockenperioden künftig früher zu erkennen und besser bewerten zu können. Geplant sind zusätzliche Auswertungen von Wasserständen, Abflüssen und Wassertemperaturen auf Basis von Echtzeitdaten.

Für Landwirte: Mehr Regenwasserspeicherung

Parallel setzt die Staatsregierung darauf, dass künftig mehr Regenwasser in der Landschaft gespeichert wird. Mit Geld aus dem sogenannten Wassercent sollen unter anderem Böden gefördert werden, die wie ein Schwamm Wasser aufnehmen und über längere Zeit speichern können. Auch die Landwirtschaft soll künftig dazu beitragen, mehr Wasser in der Fläche zu halten.

Zur Erklärung: Der Wassercent ist eine bayerische Abgabe auf die Entnahme von Grundwasser, die vor allem von Wasserversorgern, Unternehmen sowie land- und forstwirtschaftlichen Betrieben mit eigener Wasserentnahme gezahlt wird. Die Einnahmen werden zweckgebunden für den Schutz von Grundwasser und Trinkwasser sowie für eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung verwendet.

Aquädukt, aber sicherer als damals

Mit dem Begriff "Aquädukt" ist übrigens nicht direkt ein offener Wasserkanal nach historischem Vorbild gemeint. Vielmehr geht es um moderne Fernwasserleitungen, Pumpwerke und Speicheranlagen, die Wasser über größere Entfernungen transportieren können. Derartige Systeme existieren in Bayern bereits teilweise und versorgen zahlreiche Kommunen.

Befürworter sehen in dem Vorstoß einen wichtigen Schritt, um die Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern und die Folgen des Klimawandels abzufedern. Gerade in niederschlagsarmen Sommern könnten Verbundleitungen Engpässe verhindern.

Kritiker warnen hingegen davor, sich zu stark auf großtechnische Lösungen zu verlassen. Umweltverbände fordern stattdessen, den Wasserverbrauch zu senken, Grundwasser besser zu schützen und die natürliche Wasserspeicherung durch Moore, Wälder und Flussauen zu stärken. Zudem könnten neue Fernleitungen erhebliche Kosten verursachen und Eingriffe in Natur und Landschaft nach sich ziehen.

Für die ersten Planungsschritte stellt das Bayrische Umweltministerium in den kommenden drei Jahren jeweils bis zu vier Millionen Euro bereit.

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